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In die Falle des Objekts getreten

Wenn die erhoffte Inklusion am Ende zur Sexualisierung von Musliminnen führt. Eine Cover-Kritik von Nuriddeen Knight

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Foto: Twitter.com

Was war der Sinn von Ha­lima Adens Cover bei „Sports Illustrated“? Hatte es Zweck zu zeigen, dass „muslimische Frauen auch sexy sein können“, dass „Zurückhaltung auch sexy ist“ oder einfach, dass „muslimische Frauen auch auf dem Cover von ‘Sports Illustrated’ erscheinen können“?

Muslimische Frauen sind seitdem auf der Suche nach diesem „auch“, seitdem sie ausgeschlossen wurden und ihnen gesagt wurde, sie seien wegen ihres Hijabs (und/oder ihrer Religion) unterdrückt und könnten daher dieses oder jenes nicht tun. Als schwarze Frau ist mir dieser Versuch der Inklusion nur allzu bekannt. Ähnlich wie Halima Aden freute sich Tyra Banks, als sie die erste Afroame­rikanerin auf dem Cover von „Sports ­Illustrated“ war. Das sollte ein Fortschritt sein. Endlich konnten auch schwarze Frauen zum Sexobjekt gemacht werden. Es war kaum eine Frage, ob es für Frauen gut war oder nicht, als solches gesehen zu werden, damit Männer sie verge­genständlichen können. Wir waren zu geschäftig, unsere Inklusion zu feiern. Man könnte jedoch sagen, dass es keinen Grund gibt, warum Schwarze moralischer sein sollten als Weiße. Ethnizität und Moral hängen nicht zusammen. Aber wir Muslime müssen uns fragen, worin wir uns eingliedern wollen. Wir sind durch unseren Glauben und unsere Ethik gebunden. Die erste schwarze Frau auf dem Cover von „Sports Illustrated“ und die erste (bedeckte) Muslimin auf dem gleichen Titelblatt sind zwei sehr unterschiedliche Ereignisse.

Es gibt einige Dinge, an denen wir als muslimische Frauen nicht teilnehmen wollen und nicht applaudieren sollten. Es ist aber wichtig, Halimas Absicht anzumerkenen. Sie sagte: „Ändere nicht Dich, sondern das Spiel.“ Darin stimme ich ihr zu. Ich stimme zu: Es würde zu weit gehen, dass muslimische Frauen überhaupt nicht in die Mode involviert sein könnten. Alle Mode ist nicht darauf bedacht, Frauen zu sexualisieren.

Aber der Fehler, von dem ich glaube, dass sie ihn machte (und der einer anderen muslimischen Frau, der vor Jahren gemacht wurde, als sie im Playboy im vollen Hijab zu sehen war), ist zu glauben, dass diese Idee auf jedes Segment aller Branchen angewendet werden kann. Das heißt, selbst wenn Frauen vollständig angezogen sind und die Absicht des Magazins darin besteht, Frauen zu sexualisieren, ändert sich dies nicht einfach, weil eine Frau Hijab trägt.

Männer kaufen das Magazin, um über das Zusammensein mit den attraktiven Frauen auf seinen Seiten zu fantasieren. Welche Botschaft wird gesandt, wenn Frauen auf der Titelseite erscheinen? Ich bin mir nicht sicher. Mindestens führt es zu Verwirrung. Im schlimmsten Fall freuen sich die Betrachter an der erweiterten Vielfalt von Frauentypen, über die sie träumen dürfen. „Sports Illustrated“ hat – auf eine verquere Weise – Männern die Möglichkeit gegeben, Fantasien über bedeckte muslimische Frauen  zu haben.

Die Sexualisierung der bedeckten Muslimin aber ist tatsächlich nichts Neues. Neu daran ist unsere willige Beteiligung. Wie Rafia Zakaria in ihrem Buch „Veil“ brillant zum Ausdruck bringt, hat der Westen den Hijab als das gezeichnet, was er für seine Zwecke am bequemsten findet. Nachdem sie die frühere Erotisierung verschleierter muslimischer Frauen erläutert, schreibt sie: „Die vollständig verschleierte muslimische Frau, die einst als einzigartig exotisch und unterdrückt galt und ein Emblem des Harems der alten Zeit war, reif für verbotene sexuelle Möglichkeiten, passte nicht zur Rhetorik des Krieges gegen den Terror… eine Transformation (die stattfinden musste) der völlig verschleierten Frau von dem unglücklichen Subjekt, das die Rettung des Westens erfordert, zu dem subversiven Terroristen, der inhaftiert werden muss.“

Der Hijab kann in der Vorstellung des Westens alles sein, was zu seinem Narrativ passt. Unsere Aufgabe ist es, uns gegen diese Missverständnisse auszusprechen. Wir müssen stetig darauf bestehen, dass der Hijab ausschließlich unserem Herrn gewidmet ist – egal, was der Westen zu irgendeinem Augenblick sagen mag. Ja, als Musliminnen wollen wir Barrieren durchbrechen. Es gäbe wohl nur geringen Streit, taucht eine Muslimin auf der Titelseite von „Vogue“ oder „News­week“ auf. Keines dieser Magazine hat den ausschließlichen Zweck der Sexualisierung von Frauen. Halima Aden hatte die richtige Absicht – neue Türen für Musliminnen zu öffnen. Aber ich bin tief überzeugt, dass sie ihr Ziel verfehlt hat. Das ist keine Tür, durch die muslimische Frauen gehen sollten. Eher ist es eine, bei deren Schließung wir an vorderster Front stehen sollten.

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