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In Düsseldorfs Arabischem Café

Siebter und letzter Teil der IZ-Serie „Deutschlands schönste Fake-Moscheen”

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Foto: Wikimedia Commons | Lizenz: gemeinfrei

Sie verfügen über goldene Kuppeln, prächtige Minarette und reich verzierte Innenräume. Nur betende Muslime trifft man in einigen der schönsten Moscheen Deutschlands nie an. Fabian Goldmann stellt Moscheen vor, die keine sind.

(iz). Minarett und Kuppeln des Gebäudes erinnerten an die weltberühmte Grabmoschee des Mamlukenherrschers Kait-Bay im ägyptischen Kairo. Im Inneren hingegen herrschte die Verschwendung eines ­osmanischen Sultanpalasts. Zwischen farbigen Glassteinen servierten Beduinen Mokka zum Datteltörtchen. Auf „maurischen“ Hockern und mit Ornamenten verzierten Kamelsesseln genossen Gäste ihre Wasserpfeife.

Wer sich im Düsseldorf des beginnenden 20. Jahrhunderts einmal wie ein muslimischer Scheich fühlen wollte, brauchte nur das „Arabische Café“ in der Graf Adolf-Straße zu besuchen. Nur wenige Gehminuten vom heutigen Hauptbahnhof entfernt, erstreckte sich dort Düsseldorfs prächtigster islamischer Bau. Oder besser: das was die Düsseldorfer dafür hielten. Denn mit einer echten Moschee hatte das Gebäude in Orient-Optik ebenso wenig zu tun wie mit „maurischer“ oder „türkischer“ Architektur.

Entstanden war Düsseldorfs schönste Moschee, die keine ist, im Jahr 1895 und damit in der Hochphase des deutschen Kolonialismus. Auf der Berliner „Kongokonferenz“ von 1884 teilten die europäischen Großmächte die Welt unter sich auf. An Universitäten vermaßen Rassenkundler Kopfformen. Der Hamburger Tier- und Menschenhändler Carl ­Hagenbeck präsentierte seinem „zivilisierten“ Publikum die „Wilden“ der Welt.  Und Wilhelm II. beanspruchte Deutschlands „Platz an der Sonne“.

Die Suche nach neuen politischen und wirtschaftlichen Einflusssphären trieb den Deutschen Kaiser Ende des 19. Jahrhunderts auch in den „Orient.“ Ausgedehnten Reisen des Preußenkönigs durch Jerusalem, Beirut, Damaskus und Konstantinopel bereicherten nicht nur die Auftragsbücher für deutsche Industrielle wie Krupp und Vulkan, sondern auch die exotischen Fantasien der ­Daheimgebliebenen.

Auch Düsseldorf blieb von der Orient- und Kolonialismus-Begeisterung­ ­jener Zeit nicht verschont. Nach dem Vorbild der Pariser Weltausstellung und mit über 2.500 Ausstellern präsentierte sich die Stadt auf der „Industrie- und Gewerbeausstellung Düsseldorf“ Jahr 1902 als aufstrebende und kosmopolitische Metropole. Teil der Ausstellung un­­ter Schirmherrschaft vom Sohn von ­Wilhelm II., Kronprinz Wilhelm, war unter anderem die „Kairo-Straße“. Ganz im Sinne der damals boomenden „Völkerschauen“ ließen sich dort unter anderem über einhundert Araber in einem „Arabischen Dorf“ bestaunen.

Wer und warum in jener Zeit auf die Idee zu einem Gebäude im Moschee-Look kam, ist nicht überliefert. Doch sicher ist: Es war dieser Zeitgeist, in dem auch Düsseldorfs „Arabisches Café“ auf der Graf Adolf-Straße entstand. 1895 noch auf einer stillgelegten Bahntrasse errichtet, fand sich das ungewöhnliche Gebäude bald zwischen Restaurants und Theater auf einer der lebendigsten Straßen der Stadt wieder. Nicht nur dessen Architektur war ein Novum für die Region. Neben dem Café bot das Gebäude auch Platz für Düsseldorfs erstes Selbstbedienungsrestaurant.

Doch das orientalische Intermezzo war nur von kurzer Dauer. Schon im Jahr 1909 musste das „Arabische Café“ wieder schließen. Das Gebäude wurde zum Schauplatz einer anderen großen Exotik jener Zeit: dem Kino. Unter Minarett und Kuppeln trafen sich Düsseldorfer bis in die 20er im „Palast-Theater“, dem ersten „Kinematographen-Theater“ der Stadt. Von der ungewöhnlichen Architektur schienen auch Kino-Interessierte angetan zu sein. Ein Autor der Zeitschrift „Der  Kinematograph“ schwärmte im Jahr 1909: „Die vornehme Wirkung dieser kühnen und originellen Architektur wird durch das verwandte schöne Material und die Gediegenheit der Details noch erhöht. Und dieses verheißungsvolle Portal hält, was es verspricht.“

Warum das Gebäude schließlich abgerissen wurde, ist ebenfalls ungewiss. Womöglich bedeutete gerade der Erfolg des Kinos seinen Untergang. 1928 musste Düsseldorfs schönster pseudo-islamischer Bau Platz machen für das „Europahaus“ – einen fünfstöckigen Neubau, in dem mit dem  „Europa-Palast“ nun ein wesentlich größeres Kino einzog. Dieses wiederum überlebte die Bomben des Zweiten Weltkrieges nicht.

An seiner Stelle entstand erst ein Kaufhausgebäude. Heute steht am einstigen Ort von ­Düsseldorfs Fake-­Moschee ein Edeka-Supermarkt. Echte Muslime gibt es in der Gegend hingegen heute umso mehr. Nur ein paar ­Meter entfernt erstreckt sich heute Düsseldorfs marokkanisches ­Viertel. Dort trifft sich die islamische ­Gemeinde bisher unscheinbar im Hinterhaus eines Wohngebäudes. Bis Ende des Jahres soll sich das allerdings ändern. Dann will die Gemeinde ihren Moscheeneubau eröffnen. Inklusive echter Minarette und Kuppel.

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