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In Gesellschaft leben, ist Teil des menschlichen Seins

Islamische Lebenspraxis: Schaikh Habib Bewley über den Drang zur Gemeinschaft

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Foto: Yaseer Booley

(iz). Allah sagt in Seinem Edlen Qur’an: „Oh ihr Menschen, Wir haben euch ja von einem männlichen und einem weiblichen Wesen erschaffen, und Wir haben euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennenlernt.“ (Al-Hudschurat, 49) Der Mensch ist ein soziales Geschöpf. Eine Kreatur, die gemacht wurde, um mit anderen zu leben, zu interagieren, zu kooperieren und zusammenzuarbeiten. Wie es in dem Vers heißt, wurden wir erschaffen, um in verschiedenen Formationen zusammenzuleben. Uns wurde das Verlangen eingegeben, einander kennenzulernen. Wir sehnen uns nach Gesellschaft, ohne sie fühlen wir uns verloren und unvollkommen.

Das gilt seit Anbeginn der Schöpfung, als Allah Eva (arab. Hawa) als Gefährtin für Adam erschuf. Und das war bei allen Propheten Allahs der Fall – sie arbeiteten nicht alleine, sondern in Gemeinschaft. Moses (arab. Musa) hatte Aaron (arab. Harun), Jesus (arab. ‘Isa) hatte seine Apostel (arab. Hawarijun) und Muhammad hatte seine Gefährten (arab. Sahaba). Sie blieben an seiner Seite und begleiteten ihn auf jedem Schritt seines Weges.

Das ist die Wahrheit der menschlichen Situation. Und sie hat es uns ermöglicht, die uns umgebende Welt zu nutzen, ihre Herausforderungen zu meistern und uns vor ihren Gefahren zu schützen. Jeder Fortschritt der menschlichen Spezies, jeder Sieg, war nur dank Zusammenarbeit möglich. Nur durch das Handeln können die Bedürfnisse der Gemeinschaft (arab. Dschama’at) erfüllt werden. Nur so werden die Ansprüche des Individuums befriedigt. Der gegenteilige Ansatz, der Kult des Einzelnen, hat die individuellen Rechte über alles andere gestellt. Letztendlich zerstört dies nicht nur die Gesellschaft, sondern auch die Einzelnen, die sich dieser „Freiheiten“ erfreuen. Er führte auch zur Zerstörung der Umwelt und zum größten Missverhältnis zwischen Arm und Reich, das die Menschheit jemals sah.

Diejenigen, die alleine handeln, haben Schaitan als Gefährten. Der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte: „Wer die Freuden des Gartens will, soll an der Gemeinschaft festhalten. Denn Schaitan ist mit dem Einzelnen.“ Er ist mit jenen, die für sich bleiben, wie wir alle wissen. Allah sagt: „Der Schaitan ist dem Menschen ein deutlicher Feind.“ (Al-Isra, 17)

Was gut für die Menschheit ist, findet sich in Gemeinschaft, und im Festhalten an ihr. Und alles Schlechte ist in der Spaltung. Der Gesandte Allahs, Heil und Segen auf ihm, sagte: „Die Hand Allahs ist mit der Gemeinschaft.“ Diese Gemeinschaft ist nicht irgendeine Ansammlung von Leuten, denn es muss die richtige sein. Denn selbst Gesellschaft kann schädlich und zerstörerisch sein, wenn sie auf der Lüge (arab. batil) und nicht der Wahrheit (arab. haqq) beruht.

Das Geheimnis hier, wie bei vielen anderen Dingen, liegt in der Unterscheidungsfähigkeit (arab. furqan). Denn diejenigen, mit denen wir unsere Zeit verbringen, werden uns formen und zu dem machen, was wir sein werden. Das ist die unausweichliche Wirkung menschlicher Gesellschaft. Und dafür braucht es nur vierzig Tage. Der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte: „Die Menschen folgen dem Din ihrer engen Freunde. Also schaut genau hin, mit wem ihr euch anfreundet.“ Handelt er richtig oder falsch? Verbringt sie ihre Zeit mit nützlichen Dingen oder sinnlosem Zeitvertreib? Ist er ein Mann des Wissens oder der Ignoranz? Erinnert sie uns an unseren Herrn oder lässt sie uns vergessen?

In Wahrheit gibt es nur zwei Kategorien von Leuten: Diejenigen, die uns erheben und solche, die uns runterziehen. Es gibt keine dritte Art, denn der Mensch ist ständig im Wandel und steht niemals still. Diese beiden Grundcharaktere wurden vom Gesandten Allahs, Heil und Segen auf ihm, in einem sehr bekannten Hadith beschrieben: „Das Gleichnis des guten Gefährten und des schlechten ist das des Moschushändlers und des Gehilfen eines Schmieds. Soweit es den Moschus­händler betrifft, wird er euch entweder etwas geben, ihr kauft es von ihm oder ihr erfreut euch an dem angenehmen Geruch. Der Gehilfe des Schmieds wird entweder eure Kleidung verbrennen oder ihr leidet unter seinem üblen Geruch.“

Und so ist der gute Gefährte derjenige, von dessen Gesellschaft man Nutzen zieht; selbst, wenn er nichts für einen tut. Der schlechte Begleiter ist jener, dessen Gegenwart einen sich dreckig fühlen und der einen Allah vergessen lässt. Und der Grad, in dem beide dies tun, ist das Maß, anhand dessen man jeden messen muss, mit dem man in Kontakt kommt. Es hat seinen Grund, warum Allah die Mu’minun als Freunde untereinander beschreibt. Der Prophet, möge Allah ihn ­segnen und ihm Frieden geben, sagte: „Die Gläubigen sind miteinander wie Steine einer wohl errichteten Mauer. Jeder einzelne stärkt den anderen.“

Abgesehen vom Aspekt der Gläubigen gibt es einige andere Qualitäten, nach denen wir unter den Leuten suchen sollten, mit denen wir Zeit verbringen. Denn sie machen ihre Gesellschaft nützlich für unser Wohlergehen in dieser und in der nächsten Welt. Die erste ist Taqwa (umfassendes Bewusstsein von der steten Anwesenheit Allahs, aus dem das richtige Handeln erwächst). Allah sagt über sie: „Am Tag, an welchem die engsten Freunde Feinde sein werden; mit Ausnahme jener, die Taqwa haben.“ (Az-Zukhruf, 67) Jede Freundschaft, die keine Taqwa und keinen Gehorsam gegenüber Allah als ihre Grundlage enthält, wird am Tag der Auferstehung zu Feindschaft werden. Die Gesellschaft der Leute der Taqwa sichert bleibende Freundschaft, denn sie beruht auf dem Wahren und Ewigen.

Die zweite Eigenschaft ist Aufrichtigkeit (arab. Sidq). Allah sagt: „Oh ihr, die ihr Iman habt, habt Taqwa vor Allah und seid mit den wahrhaft Aufrichtigen.“ (At-Tauba, 120) Die Sadiqin sind die, deren Worte wahr, deren Handeln richtig und deren Absichten aufrichtig sind. Kann jemand nicht mit sich und Allah wahrhaftig sein, wie kann er es dann mit seinen Freunden sein? Lüge und Falschheit sind keine Basis für eine gesunde Freundschaft.

Der dritte Aspekt ist, dass die Gesellschaft der Menschen, die diese Qualitäten haben, an Allah erinnert. Ibn ‘Abbas überlieferte, dass der Gesandte Allahs, Heil und Segen auf ihm, auf die Frage nach dem besten Gefährten antwortete: „Der, wenn ihr ihn seht, euch an Allah erinnert, wenn ihr ihn hört, eure richtigen Taten mehrt, und dessen Handeln euch an das Jenseits erinnert.“

Der vierte Punkt ist die gegenseitige Liebe zu Allah und nicht zu etwas in dieser Welt. Basiert die Zuneigung auf etwas in dieser Welt, dann wird sie wie jene ebenfalls schwinden. Sie stirbt, wie die Dinge dieser Welt sterben. Die sich um Allahs willen lieben, werden von den Bewohnern des Jenseits beneidet.

Eine Qualität des richtigen Freundes ist, dass er als Spiegel für einen fungiert. Der Prophet sagte: „Der Gläubige ist der Spiegel des Gläubigen.“ Ein guter Gefährte ermöglicht einen Blick darauf, wie wir wirklich sind und an welcher Stelle des Weges wir uns befinden. Je wahrhaftiger der andere, desto klarer die Reflexion. Es ist genauso wie der Blick in einen physischen Spiegel. Je reiner dessen Oberfläche, desto besser sehen wir die Makel unseres Gesichtes.

Schlussendlich gehört zu den nötigen Qualitäten, dass unsere Freunde von den Leuten der Erinnerung Allahs (arab. dhikrullah) sind. In Seinem Edlen Qur’an sagt unser Herr: „Haltet euch geduldig mit jenen zurück, die ihren Herrn morgens und abends anrufen, nach seinem Antlitz sehnend. Und deine Augen sollen nicht über sie hinwegsehen, indem du den Schmuck des diesseitigen Lebens begehrst. Und gehorche nicht jemandem, dessen Herz Wir Unserem Gedenken gegenüber unachtsam gemacht haben, der seiner Neigung folgt und dessen Angelegenheit Maßlosigkeit ist.“ (Al-Kahf, 28) In diesem Vers befiehlt Allah dem Besten Seiner Schöpfung, dem Propheten Muhammad, die Gesellschaft derjenigen zu meiden, die Allah vergessen, die ihren Leidenschaften folgen. Und er soll die Gesellschaft der Leute des Dhikr suchen. Wenn solche Menschen die geeignete Umgebung für den Gesandten Allahs sind, wer sind wir dann, ihre Nähe zugunsten anderer zurückzuweisen?

Vielmehr müssen wir ihre Gesellschaft suchen. Denn das Sitzen mit ihnen kommt der Nähe zum Propheten am nächsten. Und ihre Gefährtenschaft ist die größte Annäherung an die Gefährtenschaft des Gesandten Allahs. Sie verkörpern sein Licht und übernehmen seine Eigenschaften. Sie sind die Frauen und Männer Allahs.

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Habib Bewley

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