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In Ostafrika droht neue Heuschreckenplage

Biologe: Lage verschärft sich durch Kriege und Konflikte

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Foto: Adobe Stock, Vladimir Vrangel

„Der Weltklimarat prognostiziert für Ostafrika und die arabische Halbinsel auf Dauer ein feuchteres Klima, so wie wir dies jetzt beobachten. Das könnte die Entstehung von Heuschreckenschwärmen auch in Zukunft fördern. Allerdings hat es solche Ereignisse ja immer schon gegeben – die Bibel und der Koran berichten davon.“

Trier (KNA). Eigentlich ist sein Fachgebiet eher der Schutz bedrohter Heuschreckenarten. Doch derzeit befasst sich der Trierer Professor für Naturschutzbiologie, Axel Hochkirch, häufiger mit der nahezu biblischen Heuschreckenplage im Osten Afrikas. Im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) berichtet der designierte Präsident der weltweiten Gesellschaft der Heuschrecken-Kundler, wie sich militärische Konflikte, Armut und Naturkatastrophen gegenseitig verstärken.

KNA: Herr Professor Hochkirch, derzeit bedroht eine Heuschreckenplage die Ernährung von Millionen Menschen in Ostafrika. Befürchtet wird eine neue Welle im Juni oder Juli. Die Welternährungsorganisation FAO spricht von einer extrem alarmierenden Situation. Wie bewerten Sie die Lage?

Hochkirch: Rund ein Dutzend Länder hat derzeit mit massiven Heuschreckenplagen zu kämpfen: in Ostafrika, auf der Arabischen Halbinsel, aber auch bis hinein nach Asien, nach Indien und Pakistan. In Kenia ist die Situation so schlimm wie seit 70 Jahren nicht mehr.

KNA: Warum ist das so?

Hochkirch: Weil es auf der arabischen Halbinsel und in Ostafrika in den letzten zwei Jahren sehr viel geregnet hat, finden die Insekten hervorragende Bedingungen, um sich zu vermehren, und sehr viel Nahrung. Zu befürchten ist, dass Mitte Juni bis Mitte Juli eine neue Generation der Heuschrecken erwachsen wird – gerade zur Erntezeit. Eine Faustregel besagt, dass die Menge der Heuschrecken mit jeder Generation bei günstigen Bedingungen um das 20-fache wächst. Mit entsprechenden Folgen für die Ernten und die Ernährungslage in der Region, in der sowieso schon Millionen Menschen unter Ernährungsunsicherheit leiden.

KNA: Wie groß kann so ein Schwarm werden – und wieviel frisst er?

Hochkirch: Das hängt sehr von den regionalen Bedingungen, etwa dem Klima und der Vegetation ab. Die Faustregel ist, dass jede der Wanderheuschrecken täglich etwa die Menge ihres eigenen Körpergewichts von zwei Gramm verspeist. In Kenia soll ein Schwarm 60 Kilometer lang und 40 Kilometer breit gewesen sein; die Anzahl der Tiere wird auf 95 Milliarden geschätzt. Die würden dann pro Tag so viel Nahrung benötigen wie alle Bundesbürger zusammen.

KNA: Lässt sich abschätzen, ob sich die Plage geografisch noch verlagert und wie lange sie dauern kann?

Hochkirch: Die FAO gibt auf ihrer Seite locust watch regelmäßig Prognosen ab. Es ist durchaus möglich, dass sich die Welle durch die gesamte Sahelzone nach Westen bis zum Atlantik bewegt. Das hängt allerdings insbesondere von Thermik und Windbedingungen ab. Nahrungsangebot und Wetter entscheiden auch darüber, wie lange die Plage anhält. Es kann Monate oder ein bis zwei Jahre dauern, bis die Welle gestoppt wird – etwa durch Trockenheit.

KNA: Gibt es einen Zusammenhang mit dem Klimawandel?

Hochkirch: Der Weltklimarat prognostiziert für Ostafrika und die arabische Halbinsel auf Dauer ein feuchteres Klima, so wie wir dies jetzt beobachten. Das könnte die Entstehung von Heuschreckenschwärmen auch in Zukunft fördern. Allerdings hat es solche Ereignisse ja immer schon gegeben – die Bibel und der Koran berichten davon.

KNA: Wie lässt sich die Plage bekämpfen?

Hochkirch: Das Ausmaß ist mittlerweile so groß, dass eigentlich nur noch Pestizide helfen. Kenia etwa hat Freiwillige ausgebildet, um am Boden Pestizide zu versprühen. Auch aus der Luft werden die Insekten bekämpft – Tausende Hektar sind besprüht worden. In manchen Fällen werden auch biologische Schädlingsbekämpfungsmittel wie der Pilz Metarhizium eingesetzt. Allerdings dauert es zwei bis drei Wochen, bis die Wirkung eintritt.

KNA: Die Pestizide dürften für die Menschen nicht ganz ungefährlich sein…

Hochkirch: Wenn Heuschrecken gegessen werden, kann das zu Vergiftungen führen. Dies ist in der Vergangenheit schon öfters vorgekommen. Zudem töten die Insektizide nicht nur die Wanderheuschrecken, sondern auch alle anderen Insekten.

KNA: Tut die internationale Gemeinschaft genug?

Hochkirch: Die FAO hat sehr früh vor dieser Entwicklung gewarnt. Sie hat die Staaten der Welt auch schon um gut 153 Millionen Dollar für den Kampf gegen die Insekten gebeten – und zumindest 144 Millionen sind schon zugesagt. Zentrale Probleme sind aber die Sicherheitssituation in der Region und insbesondere der Krieg im Jemen. Dort und auf der arabischen Halbinsel liegt der Ursprung dieser Heuschreckenplage, dort vermehrten sich die Insekten zunächst fast unbemerkt so stark, dass die Welle kaum noch aufzuhalten war. Die Sicherheitslage in Somalia und der Krieg im Jemen lassen keine gezielte Bekämpfung zu, technische Ausrüstung wurde zerstört, Daten wurden nicht übermittelt.

KNA: Währenddessen sind in Europa viele Heuschreckenarten vom Aussterben bedroht…

Hochkirch: Nicht nur in Europa, sondern auch in Afrika oder Asien. Es gibt rund 28.000 unterschiedliche Heuschreckenarten, und nur 12 davon neigen zu Massenvermehrungen und werden daher als Wanderheuschrecken bezeichnet. Während sich Wanderheuschrecken zur Plage entwickeln können, gehören viele andere auf die Rote Liste bedrohter Arten.

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Christoph Arens

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