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Individuelle Muslime als Stichwortgeber der institutionellen Islamkritik. Von Ibrahim Akbulut

Ein Professor aus Wien

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Muslime beklagen falsches Bild der Wirklihckeit: einer der von Muslimen betriebenen ­Kindergärten in der ­ös­terr­ei­chischen Hauptstadt. Aufgrund seiner umstrittenen ­Studie zu den Erziehungs­stätten ist ihr Autor in den ­Fokus der Kritik geraten.

(iz). Österreich debattiert wieder über das Thema Islam und wie so oft gehen die Wogen hoch. Dieses Mal im Brennpunkt: die vom Religionspädagogen Ednan Aslan veröffentlichte Studie zu islamischen Kindergärten in der Alpenrepublik. Der Deutsche gilt als Vorreiter eines liberalen Islam und predigt seit Jahren einen „Islam europäischer Prägung“. Nur so sei in seinen Augen das Muslim-Sein mit dem Europäer-Sein zu verbinden.

Hofiert wird Aslan dabei aus Regierungskreisen, allen voran durch das österreichische Außenministerium (BMEIA). Und das nicht erst, seitdem Integration in die Agenden des Ministeriums fällt. Aslans teils bedingungslose Hörigkeit gegenüber der Bundesregierung fiel zuletzt bei der Debatte zum Islamgesetz auf. Just zum gleichen Zeitpunkt, an dem dieses von Verfassungs- und Religionsrechtsexperten heftig kritisiert wurde, veröffentlichte er eine vom BMEIA finanzierte Studie: Diese sollte belegen, wie gut die Ausbildung an der Uni Wien unter seiner Führung für die Integration von Muslimen sei.

Während der Akademiker als „unabhängiger Experte“ und Universitätsprofessor allen juristischen Expertisen zum Trotz die Werbetrommel für das neue Islamgesetz rührte, sieht genau dieses die Gründung einer eigenen theologischen Fakultät vor. Unter vorgehaltener Hand wird gemunkelt, dass Aslan selbst das Curriculum verfassen wird. Da fällt es auch nicht ins Gewicht, dass der Deutsche weder im Bereich der Theologie noch der Islamwissenschaft einen akademischen Abschluss vorweist.

Ein tiefer Blick in den akademischen Lebenslauf wirft weitere Fragen auf. Dort findet sich weder eine Habilitation, noch eine einzige akademische Monographie seit seiner Berufung zum Universitätsprofessor. Darüber trösten auch nicht die regelmäßigen Gastkommentare in Österreichs Tageszeitungen hinweg. Ebenfalls dürftig ist die Anzahl an Absolventen mit Promotion an seinem hauseigenen Lehrgang für Islamische Religionspädagogik. Klare und wissenschaftlich ausgeführte Konzepte für seinen „Euro-Islam“ beziehungsweise „Islam europäischer Prägung“ bleiben ebenfalls auf der Strecke. Am Ende bleibt mehr als nur ein bitterer Beigeschmack.

Wie kann es sein, dass gerade er eine derartige Karriere hinlegt? Es entsteht der Eindruck, dass es sich letztlich um eine einfache Gleichung handelt: Aslan ist gut. Alle, die ihn kritisieren, sind böse. Da hilft auch eine detaillierte Analyse des „Netzwerk Muslimische Zivilgesellschaft“ nicht, die darlegt, wie leichtfertig Aslan die Österreicher in sein merkwürdiges Fangnetz lotst. Da werden Jugendliche, die Phrasen wie „Gott sei Dank“ oder „Yani“ („Das ist so“) verwenden, schon mal als Radikale abgestempelt. Alltagsbegriffe muslimischer Jugendlicher verkommen somit zu radikalen Camp-Botschaften. Ähnlich argumentieren rechte Kräfte wie die FPÖ oder islamfeindliche Kritiker wie Michael Ley und Hassblogger. Und trotzdem hagelt es Forschungsprojekte für ihn. Zwar nicht von renommierten akademischen Einrichtungen, aber immerhin von Ministerien, wie zuletzt bei der Kindergarten-Studie.

Wie kann ein Professor mit so wenig Profession gehalten werden? Und noch viel gravierender: Wie können so elementare Thematiken wie die Erziehung von Kindern und die Errichtung einer Islamisch-Theologischen Fakultät in seine Hände gelegt werden? Eine Antwort darauf lässt sich im Werdegang Aslans nicht finden. Der oder die richtige Kandidatin sollte aber schnell gefunden werden. Denn Emotionen und populärwissenschaftliches Gerede bringen niemanden weiter. Sowohl Österreich als auch die renommierte Universität Wien verdienen besseres. Und das zum Wohl aller.

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