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„Inseln der Normalität“

In Somalia kämpft die Bevölkerung Tag für Tag ums Überleben

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Foto: Jordi Bernabeu Farrús | Lizenz: CC BY-SA 2.0

Wer Nachrichten schaut, kann den Bildern von Bootsflüchtlingen im Mittelmeer kaum entkommen. Wie groß muss die Verzweiflung der Menschen sein, um die riskante Überfahrt anzutreten? Ein Blick nach Somalia gibt Antworten.

(KNA). Zu Beginn eine Zahl: 12.877. So viele Flüchtlinge aus Somalia wurden laut UN-Angaben zwischen Januar 2015 und Februar 2016 in Italien registriert. Seit Jahren schon rangiert der in Ostafrika gelegene Krisenstaat unter den Top Ten der Herkunftsländer. Im gleichen Zeitraum kamen nur aus Iran, Eritrea und Nigeria mehr Menschen. Auf den Flüchtlingsbooten, die beinahe täglich vor der italienischen Küste aufgegriffen werden, sind die Somalier regelmäßig an Bord. Wer es sich irgendwie leisten kann, versucht dem Chaos in der Heimat zu entrinnen.

Seit September 2012 versucht Präsident Hassan Sheikh Mohamud den Zugriff der Zentralregierung auf die verschiedenen Landesteile auszubauen. Nach dem Sturz von Diktator Siad Barre 1991 brach Somalia nach und nach auseinander. Clans und Warlords teilten die Herrschaft untereinander auf.

Einige Gegenden, wie Somaliland im Norden, streben weiterhin nach Autonomie. In anderen Regionen blüht unter dem Eindruck von Gewalt und Anarchie die Schattenwirtschaft. Zu einem Symbol wurde die Piraterie in den Gewässern vor Somalia – wobei manche Beobachter darin lediglich einen Ausdruck absoluter Perspektivlosigkeit der Bevölkerung sehen.

Am ärgsten setzt den krisengebeutelten Somaliern die Al-Schabab-Miliz zu. Immer wieder verübt die Gruppe Anschläge – auch in der Hauptstadt Mogadischu. Rund eine Millionen Binnenflüchtlinge sind die Folge. „In Somalia herrscht seit über 20 Jahren Krieg“, fasst die evangelische Diakonie Katastrophenhilfe zusammen. Sie gehört zu den wenigen internationalen Organisationen, die in Somalia überhaupt noch ein Verbindungsbüro unterhalten.

Zusammen mit lokalen Partnern und mit Unterstützung von Mitteln der Bundesregierung und der katholischen Organisation Caritas International verteilen die Helfer zum Beispiel Einkaufsgutscheine an Einwohner der Region Banadir unweit Mogadischu, mit denen diese Lebensmittel oder Hygieneartikel erwerben können. Wie in anderen Teilen des Landes gehören vor allem Vertriebene zu den Nutznießern. „Mit den Gutscheinen fördern wir neben den Flüchtlingen auch die lokalen Kleinhändler“, umschreibt Koordinator Jürgen Feldmann das Programm. Dort, und nicht bei Großanbietern, können die Voucher eingelöst werden.

Care-Sprecherin Johanna Mitscherlich war Ende des vergangenen Jahres vor Ort. Und berichtet ähnlich wie Feldmann, dass neben Chaos und Terror auch Klimawandel, Dürren und Flutkatastrophen weiter Menschen aus dem Land treiben. Einer, der zurückkam, ist Ahmed Jama. Medien aus aller Welt war der „mutigste Koch der Welt“ schon eine Story wert. Aus London ging Jama wieder in seine Heimat, nach Mogadischu, und eröffnete dort ein Restaurant am Rand des internationalen Flughafens. Ein Himmelfahrtskommando? Vielleicht. Ähnlich wie die Helfer hat aber auch Jama eine Mission, die ihn durchhalten lässt. Er wolle Inseln der Normalität schaffen, sagte er im Januar dem Magazin der „Zeit“: Wo man essen gehen kann, könne nicht mehr alles schlecht sein.

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