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Integrationspolitik kann geheimnisvoll sein. Von Khalil Breuer

Islamkonferenz mit Fehlstart

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(iz). Die Berliner Islamkonferenz steht nach dem Fernbleiben zweier großer Verbände vor einer Sinnkrise. Das Dialogangebot kommt bei großen Teilen der betroffenen Minderheit nur noch als reines Unterordnungsgebot an. Die Muslime, immerhin die größte Minderheit im Lande, vermissen nach wie vor ein echtes Mitspracherecht über die gewählten Themen und die Auswahl der TeilnehmerInnen. Warum es nötig war, das, wie es der Schriftsteller Kermani nennt, „Diktat von oben“ so eindeutig zu zeigen, bleibt dabei für den Beobachter wirklich ein Geheimnis der CDU-Integrationspolitik.

Die muslimischen Verbände hatten -keine andere Religionsgemeinschaft in Deutschland hätte dies wohl akzeptiert – bisher den direkten Schlagabtausch mit Islamkritikern hingenommen. Die Ergebnisse der ersten Runde blieben deswegen sehr bescheiden. Niemand behauptet heute, dass es einfacher wurde für den neuen Innenminister, die neue Konferenz fairer zusammenzustellen, und natürlich hat die Bekanntgabe staatsanwaltlicher Ermittlungen gegen muslimische Funktionäre das Prozedere noch zusätzlich erschwert.

Nun aber, zu Beginn der zweiten Runde fehlen aus muslimischer Sicht wichtige inhaltliche Positionen; vom erneuten Fehlen bedeutender lokaler Moscheeninitiativen, Frauenorganisationen und zivilgesellschaftlichen Institutionen des Islams einmal abgesehen. Es droht, ohne den Zentralrat der Muslime, auch noch eine andere kuriose Situation: in der Konferenz sind keine bosnischen, deutschen und arabischen Organisationen mehr vertreten.

Ohne eine ausgewogene Auswahl muslimischer Persönlichkeiten wird auch künftig die umstrittene und spaltende Dialektik zwischen liberalen und konservativen Positionen nicht hinterfragt werden können. Die Ausweitung der Teilnehmer auf säkulare Verbände schafft zudem fragwürdige Mehrheitsverhältnisse und ermöglicht die Marginalisierung der praktizierenden Muslime.

Der Konferenz wird es nun im In- und Ausland an Glaubwürdigkeit fehlen, und auch den Argwohn wachsen lassen, wie nun in der „Praxis“ die künftigen Ergebnisse der wenig transparenten Konferenz bestimmt werden. Die Zusammenstellung der Konferenz mag erst einmal „praktischer“ sein; sie verzichtet aber nun auch auf die wichtige inhaltliche Transparenz, für die der Islamrat und der ZMD – jenseits der beteiligten Personen – eben standen. Allein diese beiden Verbände hatten sich in ihren Medien auch die Mühe gemacht, die inhaltlichen Fragestellungen der Runde und daraus folgend ihre eigenen Positionen transparent und öffentlich zu machen.

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