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Interview: Angeblich sollen viele junge Muslime aus Deutschland in Syrien sein. ZMD Vorsitzender im Interview

"Präventiv vorgehen"

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(dpa) Immer mehr junge Deutsche schließen sich nach Informationen von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) islamistischen Gruppen in Syrien an. Die Sicherheitsbehörden müssten hier mehr Präventivarbeit leisten, kritisiert der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman A. Mazyek, im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa.

Frage: 60 junge Bundesbürger werden zurzeit in Lagern syrischer Islamisten ausgebildet. Was sagen Sie dazu?

Antwort: Ich gehe mal davon aus, dass den Geheimdiensten und Sicherheitsbehörden diese Leute schon vorher bekannt waren. Dann frage ich mich, wieso man nicht von vornherein die Ausreise solcher Leute verhindert hat.

Frage: Wie will man das machen? Das sind Bundesbürger – die können reisen, wohin sie wollen, solange sie nicht straffällig geworden sind.

Antwort: Ja, das stimmt, aber andererseits stehen sie unter Beobachtung, und da gibt es sicher Möglichkeiten, durch Gespräche auf diese Leute einzuwirken.

Frage: Durch Gespräche? Die sind doch wohl zu allem entschlossen.

Antwort: Ich glaube schon, dass man durch Gespräche den einen oder anderen davon abhalten kann. Allein die Tatsache, dass sie wissen, sie werden beobachtet, wird eine abschreckende Wirkung haben. Das darf man nicht unterschätzen. Man sollte da wesentlich präventiver vorgehen.

Frage: 60 Bundesbürger gehen nach Syrien und werden da radikalisiert – ist das nicht ein Armutszeugnis für Sie? Müssen Sie sich nicht an die eigene Nase fassen?

Antwort: Das ist richtig, wenn dieses An-die-Nase-Fassen gesamtgesellschaftlich verstanden wird, denn schließlich haben diese Leute auch hiesige Schulen besucht, sind hier aufgewachsen und in Deutschland sozialisiert worden.

Frage: Wobei Sie hier eine besondere Verantwortung tragen dürften, weil die aus Ihrer Religionsgemeinschaft kommen.

Antwort: Das ist so eine Sache mit «Ihre Religionsgemeinschaft». Wenn sich Menschen radikalisieren, haben sie sich längst aus der herkömmlichen muslimischen Gemeinschaft verabschiedet. Sie liegen im Clinch mit ihrer Gemeinde.

Frage: Das sagen Muslime in solchen Fällen häufig. So kann man alle Verantwortung von sich weisen.

Antwort: Das Gegenteil ist der Fall, wir tragen unseren Teil der Verantwortung. Gerade weil die islamischen Gemeinden in den vergangenen Jahren mäßigend – ohne staatliche Hilfe übrigens – erfolgreiche Arbeit geleistet haben, auch im Bereich der Integration, konnten nur wenige sich radikalisieren.

Frage: 60 sind ja nicht gerade wenige.

Antwort: Richtig, aber bei über vier Millionen Muslimen in Deutschland wenig – und doch noch viel zu viel. Im übrigen trägt die Gesellschaft insgesamt auch Schuld daran. Immer wenn solche Dinge passieren, wird nach den Muslimen gerufen. Wenn wir aber sagen, dass Deradikalisierungsprogramme eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sind, dann ducken sich alle weg und man lässt die Muslime alleine. Man muss die überwiegend gemäßigten Muslime unterstützen, anstatt sie zu marginalisieren.

Frage: Was sagen Sie zu Friedrichs Vorschlag einer zentralen Einreiseplattform zum Schutz vor ausländischen Terroristen?

Antwort: Da bin ich ganz bei dem Minister. Nichtdeutsche Staatsbürger sollten auch wesentlich restriktiver ausgewiesen werden, wenn sie sich strafbar machen.

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