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Interview: Autor Feridun Zaimoglu über seinen Ausstieg aus der Islam-Konferenz

"Wünsche mir größeres Selbstbewusstsein der Moslems"

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(iz) Islamische Zeitung: Herr Zaimoglu, nach der ersten Zusammenkunft der Islam-Konferenz hatten sie ein positives Resumée gezogen, aber auch bemängelt, dass keine gläubige Muslimin eingeladen wurde. Nun haben Sie angekündigt, nicht mehr an der Islamkonferenz teilnehmen zu wollen. Was hat Sie zu dieser Entscheidung bewogen?

Feridun Zaimoglu: Ich habe nach dem ersten Treffen noch die Hoffnung gehegt, dass es vielleicht einen Prozess anstoßen könnte – aber man lernt ja auch aus Fehlern. Ich hatte gehofft, dass wenigstens zum zweiten Treffen eine junge, selbstbewusste, gläubige Muslimin eingeladen wird. Das ist nicht eingetreten, und es ist für mich eine selbstverständliche Sache, den Vorschlag zu machen, dass ich mich zurückziehe und meinen Stuhl für solch eine Frau räume. Ich klebe nicht auf meinem Stuhl, ich bin sehr gerne bereit, meinen Platz zu räumen, für eine Frau, deren Schamtuch schließlich Gegenstand der öffentlichen Debatten ist.

Islamische Zeitung: Wie war die Reaktion auf ihre Kritik an der Islamkonferenz?

Feridun Zaimoglu: Man muss sagen, in der medialen Inszenierung kamen zuallererst die so titulierten „Islamkritikerinnen“ zu Wort. Ich kann ehrlich gesagt mit diesem Begriff herzlich wenig anfangen. Solchen säkularen Kräften wurde viel Platz eingeräumt. Ihre Kritik rührte an den Kern des Glaubens, dass aber ging mir zu weit. Ich konstatierte eine Hysterie vor allem der so genannten Aufklärer.

Islamische Zeitung: Was erwarten Sie nun von der Islamkonferenz? In welche Richtung wird sich das Ganze entwickeln?

Feridun Zaimoglu: Wünschenswert wäre eine Erkenntnis und Einsichtsgewinnung, vor allem auf Seiten der beteiligten Politiker. Die sollten bitte unterlassen, von „einem“ Ansprechpartner zu reden, damit aber eigentlich kirchenähnliche Strukturen zu verlangen. Außerdem wünsche ich mir ein größeres Selbstbewusstsein bei den Moslems. Sie sollten nicht jedem Druck weichen.

Islamische Zeitung: Wie bewerten Sie das Auftreten der Funktionäre der Dachverbänden, die in der Islamkonferenz für sich beanspruchen, den großen Teil der Muslime in Deutschland zu vertreten?

Feridun Zaimoglu: Beim ersten Treffen ist mir doch aufgefallen, dass nicht nur die Verbandsvertreter, sondern auch die so genannten nichtorganisierten Moslems ihre Statements abgegeben haben. Das ist zwar toll, aber das allein bringt uns nicht weiter. Ich kann natürlich nur große Zweifel haben, wenn hier Vertretungsansprüche geltend gemacht werden. Vielleicht ist es auch an der Zeit, die Frage aufzuwerfen, was der so genannte organisierte Islam kann und was nicht. Ich setzte eher auf die junge Generation jener Moslems und Muslimas, die auch bald die Avantgarde der fremdländischen Deutschen stellen werden.

Islamische Zeitung: Vor einigen Tagen haben sich einige Verbände zum „Koordinierungsrat der Muslime in Deutschland“ (KRM) zusammengeschlossen. Nun werden bestimmte Forderungen gestellt, wie Religionsunterricht, Wort zum Freitag etc. Was denken Sie über dieses Vorgehen und von dieser Entwicklung hin zu einer Institutionalisierung des Islams in Deutschland?

Feridun Zaimoglu: Das Wort zum Sonntag hat mich angeödet. Genauso wird mich auch das Wort zum Freitag langweilen. Ich werde den Fernseher einfach nicht einschalten. Der institutionalisierte Islam? Kein Interesse!

Islamische Zeitung: Herr Zaimoglu, vielen Dank für das Gespräch.

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