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Interview: Christian Schoenborn über seinen Roman “Operation Ismael”

Düsteres Szenario als Aufruf zum Dialog

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(iz) Christian Schoenborn hat Religionswissenschaften studiert und ist als Musikproduzent tätig, wobei er auch bekannte Popgruppen sowie Trailer für Fernsehsender produziert hat. Anfang 2010 erschien sein Roman „Operation Ismael“, den er in Indien geschrieben hat und bei dem es um Anschlagspläne radikaler Christen auf Mekka geht. Das Buch erhielt auch in muslimischen Kreisen Aufmerksamkeit, so bei islam.de, und der Autor hat sein Werk unter anderem bei einer Autorenlesung im Islamischen Zentrum Aachen vorgestellt, was sicher keine Alltäglichkeit ist. Die Verfilmung von „Operation Ismael“ für das Kino ist bereits geplant. Grund genug, mit Christian Schoenborn über seinen Roman zu sprechen.

Islamische Zeitung: Herr Schoenborn, bei einer so abwechslungsreichen Biografie wie der Ihren, wie kamen Sie auf die Idee, diesen Roman zu schreiben?

Christian Schoenborn: Ich hatte schon immer den Wunsch, zu schreiben; mir fehlte nur das richtige Thema. Ich wollte nicht irgend einen Roman schreiben. 2005 hatte ich aber einen ganz merkwürdigen Traum, der dann zum ersten Kapitel des Romans wurde. Daraus wollte ich dann etwas mehr machen, und das habe ich dann auch getan. Das Thema Religion, der Islam und islamischer Extremismus haben mich interessiert; 2001 war für mich eine gewisse Zeitenwende. Ich hatte auch persönlichen Kontakt zu einem US-Soldaten, der im Irak stationiert war. Von ihm habe ich viel darüber gelernt, wie heute vielleicht so eine Art „Kreuzzug“ aussehen kann. Dieser Soldat bezeichnet sich selbst auch als „Kreuzritter“. Die Grundidee für das Buch war, zu sagen, vielleicht passiert da gerade etwas sehr gefährliches.

Islamische Zeitung: Wie waren allgemein die Reaktionen auf das Buch?

Christian Schoenborn: Am Anfang waren die Reaktionen eher derart, dass viele meinten, das Buch würde noch Öl ins Feuer gießen und einen ohnehin schon real vorhandenen Konflikt vergrößern. Ich habe das jedoch immer ganz anders gesehen. Der US-Soldat, den ich kannte, wäre selbst gern einer der „Soldiers of the Holy Crusade“ aus dem Buch geworden, mein Vater meinte, das Christentum würde als zu gewalttätig dargestellt. Die Kombination Gewalt und Christentum ist vielen schon aufgestoßen, es war aber auch ein wenig als bewusste Provokation gedacht. Ich wollte zeigen, dass das Neue Testament genauso als Legitimation für Gewalt benutzt und falsch ausgelegt werden kann wie der Qur'an von den Extremisten. Die meisten haben das Buch eher als interessantes „Was wäre wenn“-Szenario gesehen.

Islamische Zeitung: Wie kam es zu dem Feedback von Muslimen, und wie haben Sie dies wahrgenommen?

Christian Schoenborn: Ich hatte anfänglich die Befürchtung, dass der Roman von Muslimen falsch verstanden werden könnte. Ich hatte dann Aiman Mazyek im Fernsehen gesehen und ihm das Buch geschickt; er hat mich dann kontaktiert und wollte mir helfen, es bekannt zu machen. Dann wurde ich vom Islamischen Zentrum Aachen eingeladen, und dann kamen noch weitere Rückmeldungen von Muslimen. Vor der Lesung in Aachen war ich sehr aufgeregt, da ich nicht wusste, wie das dort aufgenommen werden würde. Ich war überwältigt von der Gastfreundschaft und der positiven Einstellung mir gegenüber. Es waren etwa zwei Drittel Frauen im Publikum. Das für mich Erfreuliche war weniger die Lesung selbst, sondern die intensive Diskussion über das Thema im Anschluss, nicht nur über das Buch, sondern auch über die Rolle des Islam in Deutschland, über Extremismus und Fanatismus und so weiter. Das war auf ganz hohem Niveau, ich war völlig überwältigt. Auch dass die Lesung für das Abendgebet unterbrochen wurde, fand ich ein sehr interessantes Erlebnis. Es geht mir in dem Buch ja auch um den interreligiösen Dialog, und diese Erfahrung in Aachen hat mir gezeigt, dass es eine andere Welt gibt neben Minarettverbot, Kopftuchverbot oder dem 11. September. Es hat mich sehr überrascht und gefreut, was mir dort an Herzlichkeit entgegengebracht wurde.

Islamische Zeitung: Inwieweit ist das Thema Ihres Romans Fiktion und inwieweit gibt es auch reale Elemente?

Christian Schoenborn: Als ich anfing, das Buch zu schreiben, im Jahr 2005, war das Szenario des Buches aus meiner Sicht weniger denkbar als heute. Das Islam-Bashing, das heute überall zu sehen ist, war damals noch nicht so ausgeprägt. Heute hingegen, sei es Herr Sarrazin oder Herr Broder, wird sich etwas getraut, was damals noch nicht möglich war. Und auch in Amerika ist glaube ich unter fundamentalistischen Christen eine größere Gewaltbereitschaft gewachsen. Leider kann ich mir daher tatsächlich vorstellen, dass so etwas wie im Buch passieren kann.

Islamische Zeitung: In Ihrem Roman ist aber auch die Absicht erkennbar, einer solchen Eskalation entgegenzuwirken…

Christian Schoenborn: Eine zeitlang habe ich befürchtet, auch angesichts der internationalen Film-Großproduktion, die ansteht, dass das, worum es mir wirklich geht, nämlich den interreligiösen Dialog und Verständnis zu wecken, untergehen könnte. Viele Menschen wissen nicht, dass eine enge Verwandtschaft zwischen Islam und Christentum besteht. Vielleicht kommen die heutigen modernen Konflikte auch gerade daher, dass einen am Anderen das stört, was man auch selbst in sich hat. Ich wollte zeigen, wir sind eigentlich ganz ähnlich, lasst uns über unsere Gemeinsamkeiten reden und nicht immer über diesen tiefen Graben, der meiner Meinung nach gar nicht da ist. Man kann mit jedem wunderbar auskommen, wenn man ihm mit dem nötigen Respekt begegnet. Wenn Leute mir sagen, sie hätten durch das Buch, das ja letztlich ein Thriller ist, auch etwas gelernt – wie zum Beispiel der Filmproduzent Oliver Berben – dann freue ich mich sehr.

Islamische Zeitung: Wird man von Ihnen in nächster Zeit noch andere Bücher erwarten können?

Christian Schoenborn: Ja, ich wollte diese Geschichte weitererzählen und bin jetzt fast fertig mit dem zweiten Teil, der hoffentlich im nächsten Jahr erscheinen wird. Auch mit Herrn Mazyek bin ich in regem Kontakt und wir planen einiges.

Islamische Zeitung: Herr Schoenborn, vielen Dank für das Gespräch.

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