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Interview: “Die Jugend ist im Wandel”

Der IGMG-Jugendvorsitzende über den Hagener Studententag und die Jugendarbeit seines Verbands

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(iz) Mesut Gülbahar ist Vorsitzender der Jugendabteilung der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG). Die IZ sprach mit ihm auf dem Hagener Studententag, für dessen Organisation er verantwortlich ist.

Islamische Zeitung: Was waren die Beweggründe der IGMG, nach einigen Jahren Pause wieder einen Studententag zu veranstalten?

Mesut Gülbahar: Wir wollten unsere Studentinnen und Studenten in Europa einmal zusammenbringen und ihnen mit einem gemeinsamen Tagesmotto „Die Zukunft in der Tradition“ Impulse geben, dass sie selbstbewusste Musliminnen und Muslime in Europa sein, sich auch der gesellschaftlichen Probleme annehmen und Problemlösungen anbieten sollen.

Islamische Zeitung: Wie viele Personen sind gekommen und nach welchen Kriterien wurden sie eingeladen?

Mesut Gülbahar: Es sind heute knapp 1.800 Gäste hier. Wir haben unsere Regionalverbände angesprochen und für jeden eine Teilnehmerzahl festgelegt, seien es 10, 20 oder 100 Personen pro Verband, je nach Distanz zum Ort. Es sind sicher auch einige dabei, die in keinem Regionalverband registriert sind, aber dennoch Interesse hatten, zu kommen. Natürlich sind Deutschland am stärksten vertreten, danach Österreich – vor allem deshalb, weil dort die meisten Studentinnen sind, die wegen des Kopftuchverbots an den türkischen Universitäten nicht in der Türkei studieren können und die wir daher teilweise mit Stipendien unterstützen.

Islamische Zeitung: Sind auch Gäste aus anderen muslimischen Verbänden oder Organisationen anwesend?

Mesut Gülbahar: Es sind unter anderem Vertreter von ATIB, vom Islamrat und von der FEMYSO, bei der wir auch Mitglied sind, da. Meine Hoffnung als Verantwortlicher des heutigen Tages ist, dass ich in wenigen Jahren eine Veranstaltung mit den islamischen Organisationen in Deutschland für die deutschen Musliminnen und Muslime in deutscher Sprache, für die Schwestern und Brüder in Frankreich in französischer Sprache und in England in englischer Sprache anbieten kann. Heute aber musste die Veranstaltung auf türkisch stattfinden, da bei den Teilnehmern aus so vielen verschiedenen Ländern – es sind ja sogar welche aus Australien und den USA dabei – mit sieben verschiedenen Sprachen, die aber alle türkischstämmig sind, eben Türkisch die gemeinsame Sprache ist.

Islamische Zeitung: Seitens einiger Medien hieß es, die Zahl der in der IGMG organisierten Studenten und Akademiker habe in den letzten Jahren abgenommen…

Mesut Gülbahar: Ich würde sagen, sie hat auf jeden Fall zugenommen. Wir haben sicherlich generell mehr Jugendliche als früher, und wir wissen, dass mehr als die Hälfte unserer Funktionäre Akademiker oder Studentinnen und Studenten sind, die in unseren Regional- und Ortsverbänden aktiv sind. Das zeigt, dass die Zahl peu a peu ansteigt.

Islamische Zeitung: Abgesehen von den Studenten – ist die muslimische Jugend generell heute anders als früher? Muss man sie heute anders ansprechen?

Mesut Gülbahar: Das Profil der Jugend hat sich erkennbar geändert. Die Erwartungen der Jugendlichen an die Ortsverbände, an die Eltern und auch an die Gesellschaft haben sich auch verändert. Auf der anderen Seite sind auch die Gefahren gestiegen, das heißt, dass wenn man die Jugendlichen unbeachtet lässt, die Gefahren sie sehr schnell einwickeln können und wir dann Jugendliche in Drogenkonsum, Gewalt oder Kriminalität verwickelt sehen. Grob beschrieben sehe ich es so: Wir schwimmen momentan langsam flussaufwärts, das heißt gegen die Strömungen und die aktuelle Situation in den Gesellschaften, wie wir sie heute in Europa vorfinden. Als muslimische Jugendorganisation wollen wir da etwas entgegenwirken, da wie gesagt die Gefahren auch größer geworden sind.

Islamische Zeitung: Auf welche Weise versucht die IGMG, die Jugendlichen zu erreichen und den Islam für die Jugendlichen attraktiv zu machen?

Mesut Gülbahar: Wir legen sehr viel Wert darauf, dass man sich zu Vorbildern entwickelt, dass die Älteren, die in ihrem Leben etwas erreicht haben, zu Vorbildern werden und die Jüngeren ansprechen. Etwas erreicht zu haben, muss man natürlich auch in Relation setzen, denn wenn wir an das Wissen von Allah denken, sind wir alle Unwissende. Für den Erwerb von Wissen kann es daher für uns kein Ende geben. Wir können nicht die Massen ansprechen sondern müssen uns mit jedem Jugendlichen persönlich, individuell und vor Ort beschäftigen, uns mit ihnen unterhalten, uns um sie kümmern und zuhören, wenn sie Sorgen und Probleme haben, uns anhören, was sie stört und was ihre Probleme mit den Eltern, in der Gesellschaft, in der Schule sind. All dies muss angesprochen und zu lösen versucht werden.

Islamische Zeitung: Viele muslimische Jugendliche mit türkischem Hintergrund sind heute nicht mehr so stark auf die türkisch-muslimischen Verbände ihrer Eltern und die türkische Community fixiert, sie mischen sich mehr mit anderen jungen Muslimen und interessieren sich auch für andere Organisationen und Aktivitäten, es gibt mehr Überschneidungen, die innermuslimischen Abgrenzungen verschwimmen…

Mesut Gülbahar: Ich bin völlig dafür, dass wenn es sich dabei um Aktivitäten handelt, die den Jugendlichen nützen und die sinnvoll sind, sie diese auch wahrnehmen. Es liegt auch gar nicht in meiner Hand, jemanden davon abzuhalten. Im Gegenteil, ich muss es unterstützen und die Leute dazu motivieren. Darüber hinaus wollen wir natürlich auch unsere eigenen Strukturen halten. Unsere Ortsverbände brauchen auch Nachwuchs von Funktionären, damit sie eine vernünftige und funktionierende Arbeit vor Ort machen und die Moscheen für die Gesellschaft öffnen können. Was nützt es, 300 Moscheebesucher am Freitag zu haben, wenn man keinen Vorsitzenden hat, der Deutsch spricht und mit der Gesellschaft kommunizieren kann?

Islamische Zeitung: Wie ist es um den Generationswechsel in den IGMG-Moscheen bestellt, auch in den Vorständen?

Mesut Gülbahar: Er hat bereits weitgehend stattgefunden. Auch im Vorstand der IGMG ist die zweite und dritte Generation heute mehr vertreten. Und auch viele der heute hier anwesenden Studentinnen und Studenten übernehmen bereits auch Funktionärstätigkeiten oder werden dies in Zukunft tun.

Islamische Zeitung: Was sollen aus Ihrer Sicht die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von dieser Veranstaltung mit nach Hause nehmen und vor Ort umsetzen?

Mesut Gülbahar: Unser Slogan für diese Veranstaltung lautet ja „Die Zukunft in der Tradition“. Der Qur’an und die Sunna des Propheten gehören zu unserer Tradition, daran wollen wir festhalten. Die jungen Muslime sollen sich nicht beirren lassen von „Euro-Islam“, „Light-Islam“, „Deutscher Islam“ und ähnlichen Vorstellungen. Wir wollen den Islam so annehmen, wie der liebe Schöpfer es offenbart hat und wie er bis heute an uns übertragen worden ist. Diese Werte haben uns in der Vergangenheit erfolgreich gemacht. Wenn wir etwa den Blick nach Andalusien werfen, sehen wir, dass die Muslime dort eine Bereicherung waren und den Menschen nützliche Angebote gemacht haben. Dies erwarte ich auch von den Brüdern und Schwestern, die heute hier sind: Dass sie zurückkehren und sagen, „ich bin ein Muslim, ich bin eine Muslima, ich stehe dazu und versuche, mich der Gesellschaft zu öffnen und die Probleme, die mir entgegen kommen, zu lösen.

Islamische Zeitung: Herr Gülbahar, wir bedanken uns für das Gespräch.

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