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Interview: Generalverdacht? Khalil Breuer über die Medien und die deutschen Muslime

"Nur noch wenig kritische Nachfrage"

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(iz). Muslime -eine Gefahr? In regelmäßiger Folge tauchen dubiose Drohvideos, die Anschläge in Deutschland ankündigen auf, die dann in der Regel von Einschätzungen der “Dienste” bewertet werden. Eine nicht unerhebliche Rolle in dieser endlosen Debatte spielen Mainstreammedien, deren Berichterstattung in Folge einen nicht unerheblichen Einfluss auf der gesamtgesellschaftliche Bild von den Muslimen in diesen Land hat. Dazu sprachen wir mit IZ-Autor Khalil Breuer.

Islamische Zeitung: Wie erleben Sie als Deutscher Muslim die neuesten Meldungen über angeblich bevorstehende Terroranschläge?

Khalil Breuer: Wie jeder andere Deutsche auch, mit Angst. Aber, ich denke genau diese Angst ist auch ein schlechter Ratgeber. Außerdem werden solche verständliche Ängste in der Bevölkerung immer auch schnell von Politikern instrumentalisiert.

Islamische Zeitung: In Meldungen wird vor deutschen Muslimen gewarnt, die “deutsch aussehen”, “nicht auffallen” und “zu allem bereit seien”. Schürt das nicht automatisch ein Ressentiment gegenüber jedem deutschen Muslim?

Khalil Breuer:  Die Gefahr ist jedenfalls da. Das ist in der praktischen Wirkung schon nicht mehr weit weg von der Aufforderung: “Trau keinem deutschen Muslim”. Zum Glück fehlt es aber gleichzeitig an Belegen und an praktischen Erfahrungen, die die Behauptung stützen, wonach deutsche Muslime überproportional an Straftaten beteiligt seien.

Islamische Zeitung: Welche Rolle spielen Medien?

Khalil Breuer: Eine große Rolle. Es fällt auf, dass die meisten Medien heute entsprechende Meldungen oder Äußerungen nur noch duplizieren, Thesen ohne jede Eigenrecherche übernehmen und nur ganz selten kritisch nachfragen. Da es sich bei den deutschen Muslimen um nur ein kleines Klientel handelt, sind die meisten Redaktionen nur oberflächlich “am Ball”. 

Islamische Zeitung: Wie sehen Sie die Entwicklung in der Zukunft?

Khalil Breuer: Gerade weil ich Deutscher bin, mit einiger Sorge. Ich bin der Meinung, dass die Deutschen bei der Mobilmachung gegen dass Feindliche irgendwie schnell zur Totalität neigen. Nicht auszudenken, was Politiker alles als Anti-Terror-Maßnahmen vorschlagen würden, die schon jetzt, ohne Not und jenseits des Ernstfalls, heißlaufen.

Islamische Zeitung: Was können deutsche Muslime jetzt tun?

Khalil Breuer: Wir müssen uns in die Debatte einmischen. Intellektuell sind wir in der Verantwortung die Trennlinie zwischen Islam und Terror klar zu ziehen. Alltäglich, als engagierte Bürger und Muslime sehen die Leute sehr schnell, wer wir wirklich sind. Also, das Motto heißt auch weiterhin: Nicht verstecken, sondern mitmischen!

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