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Interview: Islamwissenschaftler Rauf Ceylan über radikale Islamisten. Von Benedikt Angermeier (KNA)

„Wir haben das Spielfeld den Salafisten überlassen“

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(KNA). Die so genannten „Salafisten“ seien laut Verfassungsschutz die „am schnellsten wachsende islamistische Strömung in Deutschland“. Gerade bei Jugendlichen hätten die extremistischen Vereinigungen großen Erfolg. „Wir haben das Spielfeld den Salafisten überlassen“, mahnt der Islamwissenschaftler Rauf Ceylan im Gespräch mit der katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Gefahr gehe zwar nur von einem winzigen Prozentsatz aus. Dieser müsse aber ernst genommen werden.

Frage: Herr Ceylan, die Salafisten bereiten ihnen Kopfschmerzen – warum?

Ceylan: Salafistische Strömungen erkennen viele Muslime in Deutschland nicht an. Außerdem werben solche Gruppierungen mit einem sehr starken Sendungsbewusstsein für ihre radikale Haltung. Gerade junge Muslime sind im Visier und werden gezielt in fundamentalistische Strukturen integriert. Das ist eine große Gefahr.

Frage: Wieso gelingt es ihnen so gut, Jugendliche anzusprechen – obwohl so viele andere muslimische Vereine in Deutschland tätig sind?

Ceylan: Sie stoßen da in eine Lücke. Ein Grund ist sicherlich, dass bei den Salafisten die Imame deutschsprachig sind und die Lebenswirklichkeit der jungen Menschen kennen. Sie sind im Internet aktiv und brechen den Koran auf sehr einfache Formeln herunter. Das Reduzieren des Islams ist gerade typisch für Fundamentalisten. Offenbar kann der etablierte Islam, der Mainstream, hier nichts entgegnen. Deswegen ist es so wichtig, dass wir Imame haben, die Deutsch sprechen und genauso die Lebenswirklichkeit kennen. Aber im Moment haben wir das Spielfeld den Salafisten überlassen.

Frage: Sollte der Staat deshalb den Mainstream-Islam stärker fördern?

Ceylan: Nein, es geht nicht darum, dass der Staat Religiosität fördert. Die Hauptverantwortung liegt bei den muslimischen Organisationen und Moscheevereine, die weit entfernt von Fundamentalismus sind und religiöse Dienstleistungen anbieten. Radikale Muslime versuchen in solche Organisationen einzudringen und an Religion interessierte Jugendliche anzuwerben. Der Verfassungsschutz arbeitet teilweise schon sehr eng mit Moscheen zusammen, um das zu verhindern. Wir sollten das Thema aber nicht nur unter Sicherheitsmaßnahmen diskutieren: Muslime dürfen nicht unter Generalverdacht stehen. Diese Randgruppen sind schließlich nur ein winziger Prozentsatz der Muslime in Deutschland. Allerdings bereiten diese Gruppierungen Muslimen als auch Nichtmuslimen Kopfschmerzen.

Frage: Müssen wir Angst haben vor solchen Gruppierungen?

Ceylan: Als erstes gilt es zu unterscheiden zwischen Gruppen, die zu Gewalt bereit sind und denjenigen, die Gewalt ablehnen. Aber die Erfahrungen der letzten Monate und Wochen haben gezeigt, dass es in Deutschland Strukturen gibt, die gefährlich sind. Und wir kennen die Video-Botschaften aus Pakistan oder Afghanistan. Darin drohen junge Leute mit Anschlägen in konkreten deutschen Städten. Wir müssen diese Drohungen ernst nehmen.

Frage: Was kann die islamische Theologie in Deutschland dazu beitragen, solchen Extremismus zu verhindern?

Ceylan: Mit Theologie allein werden wir nicht den Fundamentalismus und Extremismus abschaffen. Es ist ähnlich wie mit evangelikalen oder rechtsextremen Vereinigungen. Theologie ist aber wichtig, damit junge Leute überhaupt eine religiöse Grundbildung bekommen und Ahnung haben. Damit wir verstehen, dass Religion sehr facettenreich ist. Religion ist auch eine Frage der Interpretation.

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