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Interview: Mikail Demir von der Hilfsorganisation WEFA zum israelischen Angriff

"Es waren keine Waffen an Bord der Schiffe"

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(iz) Die internationale Hilfsorganisation WEFA mit Sitz in Köln ist eine Partnerorganisation der türkischen IHH, welche den Schiffskonvoi nach Gaza organisiert hat und auch das von Israel blutig eingenommene Schiff „Marmara“ stellt. Auch drei WEFA-Mitarbeiter befinden sich auf dem Schiff. Die IZ sprach mit Mikail Demir von WEFA über den aktuellen Stand der Dinge.

Islamische Zeitung: Herr Demir, inwiefern ist die WEFA konkret involviert?

Mikail Demir: Wir als WEFA haben uns zwar nicht selbst an der Solidaritätsflotte beteiligt, da wir bereits vorab die Befürchtung hatten, dass die Aktion zu einem politischen Konflikt führen könnte, was ja jetzt auch der Fall ist. Dennoch sind drei Privatpersonen, die auch bei WEFA mitarbeiten, deutsche Staatsbürger, freiwillig und auf eigene Verantwortung mitgegangen. Im Moment haben wir leider noch keine genauen Informationen, was mit ihnen passiert ist. Wir haben von einem palästinensischen Arzt, der am Konvoi teilnimmt, lediglich gehört, dass es einem der drei gut gehe. Seitens Israel gibt es bisher keinerlei Informationen, wie es den Verletzten geht. Auch die türkische Regierung weiß angeblich bisher noch nichts genaueres, da sie offenbar auch keine Informationen seitens Israel erhält.

Islamische Zeitung: Was ist ihre Reaktion auf den Vorfall?

Mikail Demir: Dass man eine humanitäre Hilfsaktion derart mit Waffengewalt angreift, ist unfassbar. Die Schiffe sind mehrfach ausführlich kontrolliert worden, um sicherzustellen, dass keine Waffen auf den Schiffen mitgeführt werden. Es waren nur Güter für humanitäre Hilfe an Bord. In den türkischen Medien war zu sehen, dass auf unschuldige Menschen geschossen wurde, und dass die Soldaten bereits geschossen haben, bevor sie das Schiff betreten hatten. Dieses Vorgehen kann auf keinen Fall akzeptiert werden. Die Schiffe waren noch 77 Meilen von Israel entfernt, also deutlich außerhalb der 24-Meilen-Zone.

Man konnte zwar damit rechnen, dass Israel versuchen würde, die Hilfsflotte zu blockieren, aber nicht mit einem bewaffneten Kommandoeinsatz von Soldaten, bei dem mit Gewalt in das Schiff eingedrungen und auch noch rücksichtslos auf Zivilisten geschossen wird. Mit einem Angriff solchen Ausmaßes haben weder wir, noch die türkische IHH gerechnet. Israel hat damit alle internationalen Richtlinien ignoriert. Laut Medienberichten – wir wissen nicht, ob diese korrekt sind – haben die israelischen Soldaten angeblich Namenslisten von Personen mitgeführt, die eliminiert werden sollen. Der erste auf dieser Liste soll der Vorstandsvorsitzende der IHH, Bülent Yildirim, sein. Was mit ihm ist, wissen wir noch nicht.

Islamische Zeitung: Was machen Sie derzeit, um das Schicksal der drei deutschen WEFA-Helfer aufzuklären?

Mikail Demir: In unserem Büro stehen die Telefone schon den ganzen Tag über nicht still. Wir versuchen, über die zuständigen deutschen Behörden zu erreichen, dass die drei deutschen Staatsbürger auf dem schnellsten Wege wieder nach Deutschland gebracht werden. Wir sind auch mit dem Roten Kreuz in Kontakt. Darüber hinaus möchten wir, zusammen mit anderen Organisationen, für das kommende Wochenende Demonstrationen organisieren, um gegen diese menschenverachtende Gewalt, die der Angriff auf das Schiff darstellt, zu protestieren.

Islamische Zeitung: Herr Demir, wir danken für die Stellungnahme.

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