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Interview: Rupert Neudeck zur Lage in Syrien und zu einer Geiselnahme. Von Christoph Arens

„Die Assads kommen und gehen“

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Bonn (KNA) Rupert Neudeck leistet mit seinen „Grünhelmen“ seit Sommer 2012 im Norden Syriens humanitäre Hilfe. In diesen Tagen sollte sein Tagebuch „Es gibt ein Leben nach Assad“ erscheinen. Doch die Veröffentlichung ist gestoppt. Im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) nimmt der Gründer der Hilfsorganisationen „Cap Anamur“ und „Grünhelme“ dazu Stellung.

KNA: Herr Neudeck, warum erscheint Ihr „Syrisches Tagebuch“ nicht wie geplant?

Neudeck: Weil immer noch einer der drei Grünhelm-Mitarbeiter, die am 15. Mai in Syrien nahe der türkischen Grenze verschleppt worden waren, in Geiselhaft gehalten wird. Zwei deutsche Mitarbeiter konnten sich Anfang Juli befreien und sind nach Deutschland zurückgekehrt. Doch ein 72-jähriger deutsch-syrischer Bauingenieur wird immer noch festgehalten. Da ist es besser, wenn mein Buch noch nicht auf den Markt kommt.

KNA: Was wissen Sie über die Entführer?

Neudeck: Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes und das Bundeskriminalamt sind an der Sache dran; zum Schutz der Geisel kann ich nicht viel sagen. Nur so viel: Es handelt sich vermutlich um radikale „Islamisten“, Mudschaheddin, die aus dem Ausland nach Syrien gekommen sind. Ich zögere, sie Muslime zu nennen. Sie kämpfen nicht, sondern verlegen sich immer mehr auf Entführungen. Es ist eine Katastrophe für das Land, wie viele radikale Kräfte vor allem mit saudischem Geld dort eingesickert sind.

KNA: Was bedeutet die Entführung für Ihre Arbeit?

Neudeck: Wir haben seit Sommer 2012 im Norden nahe der türkischen Grenze humanitäre Hilfe geleistet. In einem Team von meist drei Leuten haben wir in der Gegend um die Stadt Azaz Krankenhäuser und Schulen wieder funktionsfähig gemacht. Nach der Entführung mussten wir natürlich aus Syrien raus. Das macht mich traurig und wütend, denn die Syrer brauchen dringend Hilfe und das Gefühl, von der internationalen Gemeinschaft beachtet zu werden.

KNA: Was sagen Sie zu einem Militärschlag der USA?

Neudeck: Ein Militärschlag ist keine Politik und löst kein Problem. Der Westen muss endlich anfangen, Politik zu machen…

KNA: Und was bedeutet das?

Neudeck: Die Syrer müssen merken, dass der Westen sich um sie kümmert. Also humanitäre Hilfe leisten. Und außerdem eine Flugverbotszone durchsetzen, damit die Zivilbevölkerung geschützt wird und ein wenig Alltagsleben zurückkehren kann. Und außerdem muss endlich eine internationale Konferenz durchgesetzt werden, bei der alle Akteure an einem Tisch kommen, von Russland über den Iran bis zu den Palästinensern. Man hätte schon bisher sehr viel tun müssen, um das Abschlachten der Bevölkerung aus der Luft, das Zerstören von Hospitälern und Schulen und Wohnbezirken zu ächten und auch massiv eine Flugverbotszone einzurichten. Es hätte auch die Möglichkeit bestanden, Sichere Zonen für die Rückkehrer zu ermöglichen.

KNA: Und was soll mit Assad geschehen?

Neudeck: Um einen berühmten Satz zu bemühen: Die Assads kommen und gehen. Es gibt genügend fähige Leute in der syrischen Gesellschaft, die der Westen unterstützen könnte.

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