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Interview: „MJD macht Schule“ – muslimische Jugendliche sammelten Hilfsgelder für den Sudan

Die Erwartungen weit übertroffen

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Sendungen privater Sender wie „Deutschland hilft“ wünscht man sich öfter im Fernsehen. Es gab es im vergangenen Jahr aber auch ein engagiertes Wohltätigkeitsprojekt, das allein von Jugendlichen organisiert und umgesetzt wurde. Die Muslimische Jugend Deutschlands schaffte es, in Zusammenarbeit mit Islamic Relief, ein Projekt ins Rollen zu bringen, dass auch in Zukunft von sich Reden machen wird.

Islamische Zeitung: Amin, Sie sind derzeit im Bundesvorstand der MJD. Was genau ist die MJD?

Amin: Wir, die Muslimische Jugend in Deutschland, sind eine unabhängige deutschsprachige Jugendorganisation, die 1994 beim HDI-Zeltlager (Zeltplatz Wald-Amorbach) gegründet wurde. Mitglied kann jeder Jugendliche zwischen 13 und 30 Jahren werden. Unser Anliegen ist es, muslimische Jugendliche zusammenzubringen und sie dazu einzuladen, den Islam zu praktizieren, ihre Kenntnisse des islamischen Glaubens zu erweitern und zu vertiefen. Zudem wollen wir Jugendliche in ihrem Engagement, sich stärker in der Gesellschaft einzubringen, fördern, das Bild des Islams in der Öffentlichkeit objektivieren und einen Beitrag zum interkulturellen Dialog leisten.

Islamische Zeitung: Sie waren der Projektkoordinator des im Jahre 2009 von der MJD zusammen mit Islamic Relief ins Leben gerufenen Projekts „MJD macht Schule“. Wie ist es entstanden und wem kommt es zugute?

Amin: Das Projekt basierte auf einer Idee, die auf dem großen MJD-Jahresmeeting 2009 an mich herangetragen wurde. Neben dem hohen moralischen Ziel galt es, Jugendgruppen eine herausfordernde Aufgabe zu geben. Zunächst als einzelne Jugendgruppe, aber auch überregional, in Zusammenarbeit mit anderen Jugendgruppen. So nahm letztlich die ganze MJD am Projekt teil. Wir hatten davor bereits gelegentlich mit Islamic Relief zusammengearbeitet und so gestaltete sich die Kommunikation über Details des Projektes von Beginn an unproblematisch.

Islamische Zeitung: Wie wurden die Spenden gesammelt?

Amin: Die Spenden wurden von unseren Jugendgruppen unabhängig gesammelt. Die Jugendlichen hatten ganz unterschiedliche Ideen wie Konzerte, Spendengalas und Flohmärkte. Es wurden auch außergewöhnliche Ideen umgesetzt. So gab es in Köln einen Wellness-Tag in einem Frauenfitnesszentrum. Unter dem Motto „Be active and give a perspective“ wurde auch ein Kindersportfest in Aachen organisiert. Im Blog schulemachen.blogspot.de wurden viele Aktivitäten zusammengeführt und so konnte sich jeder auf den neuesten Stand bringen. Letztlich wurden der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Dem entsprechend wurden unsere Erwartungen mit dem Ziel, 26.000 Euro zu sammeln, weit übertroffen: Wir konnten gemeinsam 54.572 Euro sammeln.

Islamische Zeitung: Die Planung, Organisation und Umsetzung scheint für Jugendliche ein Mammutprojekt zu sein. Wie wurden die Jugendlichen motiviert?

Amin: Grundsätzlich wird alles in der MJD nicht nur für Jugendliche, sondern auch von Jugendlichen selbst organisiert. So sind organisatorische Skills einfacher zu erlernen. Aber auch die Möglichkeit, etwas Gutes zu tun, sowohl individuell als auch im Kollektiv, spielte für die Motivation eine große Rolle. Außerdem riefen wir als zusätzlichen Ansporn einen Wettbewerb aus.

Islamische Zeitung: Was genau ist der Wettbewerb gewesen?

Amin: Diejenigen Gruppen, die am meisten für das Projekt sammeln konnten, gewinnen. Jede dieser Gruppen schickt dann stellvertretend ein Mitglied in den Sudan, das die Möglichkeit ­bekommt, sich direkt vor Ort ein Bild von der Umsetzung des Projekts zu ­machen.

Islamische Zeitung: Wie kam es zu der Entscheidung, gerade im Sudan Schulen zu errichten? Gibt es in Deutschland nicht genügend „Baustellen“, die Hilfe bräuchten? Amin: Deutschland ist eines der reichsten Länder der Welt. Zwar mangelt es hier und da an finanziellen Mitteln an Schulen, doch ist der hiesige Zustand nicht mit dem im Sudan vergleichbar. Auch ist in Deutschland primäre und sekundäre Bildung Ländersache. Islamic Relief betreibt ein umfangreiches Bildungsprojekt im Sudan, an dem wir uns gut mit einer Schule beteiligen konnten. Generell gibt es einen Unterschied, ob man neue PCs an deutschen Schulen finanziert, oder das kaum vorhandene Arbeitsmaterial einer Schule im Sudan mit einer vergleichsweise kleinen Spende erheblich verbessern kann. Das bedeutet wiederum nicht, dass wir uns nicht auch in Deutschland verantwortlich fühlen: gerade ist beispielsweise eine Art MJD-Mentorenprogramm angestoßen worden, dass sich an junge Erwachsene richtet und ihnen unter anderem bei der Berufswahl Hilfestellung bieten soll.

Islamische Zeitung: Welche Länder kämen für Sie noch in Frage?

Amin: Wir haben keine bevorzugten Länder. Da, wo die Not am größten ist, versuchen wir zu helfen. Damit sind wir offen für andere Länder. Unsere Erwartungen wurden, wie bereits beziffert, weit übertroffen. Daher ist eine Fortführung solch eines Projektes denkbar.

Islamische Zeitung: Vielen Dank für das Gespräch.

Webseite: www.mjd-macht-schule.de

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