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Islamgegner organisieren Mehrheiten gegen die Muslime. Von Khalil Breuer

Geht es um den Islam?

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(iz). Nur ein Fünftel der Bevölkerung ohne Sorge vor Islam-Ausbreitung“, solche bedenklichen Meldungen sind im Grunde ein beachtlicher Propaganda-Erfolg der Islamgegner. Ein Sieg der politischen Bildung sind diese trüben Einsichten jedenfalls nicht. Das herrschende Erkenntnisverfahren in Sachen Muslime ist nicht nur absolut subjektiv, geschweige denn wissenschaftlich fundiert; es wird auch von einer groben Assoziationslogik bestimmt. Inzwischen weiß ein großer Teil der Bevölkerung tatsächlich nicht mehr, was der Islam ist und verknüpft auch bizarre Einzelfälle mit den Gesetzen des Islam.

Die gewaltige Dialektik gegen die Muslime kaschiert nicht nur die Diskriminierung der deutschen Muslime, sondern untermauert gleichzeitig den Machtanspruch auf die Definitionshoheit, was aus Sicht der Mehrheit, ein „guter“ Muslim oder der „wahre“ Islam künftig noch ist. Wird ein guter Muslim etwa der sein, dessen Bekenntnis keine öffentliche und inhaltliche Relevanz mehr beansprucht? Mit dem unbestimmten Begriff des „Islamismus“ verfügt die Mehrheitsgesellschaft im Umgang mit Andersdenkenden bereits über eine gnadenlos wirksame Sanktions- und Ausgrenzungsmaßnahme.

Politische Trittbrettfahrer mit Kanierreknick tun ihr übriges: Der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach nimmt inzwischen, wenn auch gegen die Logik der alten abendländische Tradition der Vernunft, sogar ausdrücklich „diffuse“ Ängste auf; nämlich dann, wenn sie gegen die Muslime gerichtet sind. Die um ihre politische Existenz kämpfenden CDU-Populisten versuchen so, das Gefühl der Heimatlosigkeit zu nutzen, unter dem Teile des eigenen konservativen Klientel in Globalisierungszeiten zunehmend leiden. Unsere „condition humaine“ in Europa wird heute bekannterweise ökonomisch, nicht etwa politisch oder religiös bestimmt. Die dramatischen Auswirkungen des Primat des Ökonomischen werden aber nur langsam bewusst. Die politische Klasse sieht sich noch gerne als der alte Hüter der Verfassung. Ob sie das heute wirklich noch ist, wird sich aber in erster Linie im Machtkampf mit der globalen Finanztechnik und seinen mächtigen Lobbyisten zeigen. Keine Sicherheitsbehörde in Deutschland und keine politische Partei hat den verfassungswidrigen „Coup de Banque“ der Landesbanken bemerkt, auf dessen sozialen Folgen der neue rechte Extremismus gedeihen wird.

Selbstredend sollten wir Muslime auch in Drucksituationen gelassen bleiben. Allerdings wäre eine Gelassenheit, die nicht mit Lethargie verwechselbar ist, willkommen. Wichtiger denn je ist die Auflösung national definierter Parallelgesellschaften und das aktive Zugehen auf die Mehrheitsgesellschaft. Eine schlichte Zumutung ist leider der so genannte Koordinationsrat der Muslime, angeblich der Einheit und dem Wohlergehen der Muslime verpflichtet, aber bisher ohne jede erkennbare Strategie und mit wenig Aktivitäten, die „koordiniert“ werden müssten. Mit lebloser Bürokratie und einigen Presseerklärungen kann der Image-Gau der Muslime sicher nicht abgewendet werden.

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