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Islamische Bestattungen in Deutschland ein Zeichen der Integration Von Gioia Forster

"Von der Geburt bis zum Tod"

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Stuttgart (dpa) – Nur in ein weißes Tuch gewickelt wird der Verstorbene auf einem Holzbrett in das Grab hinabgelassen. Angehörige steigen dann hinein und legen den Körper auf die Seite – mit Blick in Richtung Mekka, dem heiligsten Ort im Islam. Nicht mehr als ein Stück Stoff trennt den Verstorbenen von der Erde. Eine Koransure wird verlesen: «Aus ihr (der Erde) haben wir euch erschaffen und in sie lassen wir euch zurückkehren…». Nach islamischen Richtlinien soll eine Bestattung so ablaufen – und tatsächlich beerdigen immer mehr deutsche Muslime ihre Verwandten hierzulande auf diese Weise. «Dieses Jahr hatten wir schon 15 muslimische Bestattungen», sagt Andreas Adam von der Mannheimer Friedhofsverwaltung – 2011 war es keine Handvoll. Damit entscheiden sich Muslime auch gegen eine Überführung in das Heimatland der Vorfahren. Mehr als 60 Menschen muslimischen Glaubens wurden in diesem Jahr in Düsseldorf beigesetzt – fast doppelt so viele wie noch vor drei Jahren, wie ein Sprecher der Stadtverwaltung berichtet.

Der Wandel ist Zeichen der Integration: Die erste Generation muslimischer Einwanderer wünscht sich oft noch eine Bestattung im Herkunftsland. «Für uns als junge Generation ergibt sich die Frage kaum noch», sagt der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek. Auch für Konvertiten zum Islam oder etwa bei Ehepartnern unterschiedlicher Religionen stellt sich die Frage einer Überführung häufig nicht, erklärt Roswitha Keicher von der Stabsstelle für Partizipation und Integration der Stadt Heilbronn.

Trotzdem sind islamische Bestattungen in Deutschlands nicht immer leicht durchzuführen. Erst seit März ist die Bestattung ohne Sarg in Baden-Württemberg möglich – für viele Muslime ein wichtiger Aspekt der Beisetzung. Bayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt halten hingegen noch an der Sargpflicht fest. Auch ist es in einigen Bundesländern nur erschwert möglich, den Verstorbenen innerhalb von 24 Stunden zu begraben, wie die islamischen Regeln vorgeben. In Nordrhein-Westfalen etwa dürfen Erdbestattungen nur mit einer zusätzlichen Todesbescheinigung innerhalb von einem Tag stattfinden.

Die Friedhofsverwaltungen zeigen sich aber oft flexibel: Bei islamischen Bestattungen ist die Gesetzgebung nicht entscheidend, heißt es in Mannheim. Wichtig sei der Umgang mit den Familien und der muslimischen Gemeinde. So wurde in Mannheim gemeinsam eine Lösung für die ewige Totenruhe gefunden, die im Islam vorausgesetzt wird, in Deutschland aber nicht möglich ist. Statt für 18 Jahre können Gräber nun für 50 Jahre gepachtet und beliebig verlängert werden.

Auch in Nürnberg wird pragmatisch gedacht: Ein 1989 angelegtes muslimisches Grabfeld gibt es zwar, einige muslimische Familien wollen ihre Verwandten aber lieber auf dem allgemeinen Friedhof bestatten. «Dann gehen wir mit den Angehörigen und einem Kompass los und suchen ein Grab, in dem der Verstorbene nach Mekka ausgerichtet werden kann», sagt Friedhofsleiter Günther Gebhardt. Angehörige und Friedhofsverwaltung sind kompromissbereit – die Sargpflicht ist in Nürnberg keim Hindernis für islamische Beisetzungen, sagt Gebhardt.

Die Zusammenarbeit lohnt sich, meint die Heilbronner Integrationsexpertin Keicher: Wenn eine Bestattung nach islamischen Vorgaben möglich ist, wird sich das auch herumsprechen. In Heilbronn gab es seit der Gesetzesänderung im Frühjahr zwar erst zwei sarglose Bestattungen – das werde sich aber noch ändern. Auch Erdinç Altuntas vom türkischen Verband DITIB zeigt sich von einem bevorstehenden Wandel überzeugt. Islamische Bestattung hierzulande zu erleichtern sei «ein wichtiges Zeichen an die Muslime, dass sie von der Geburt bis zum Tod Teil der Gesellschaft sind».

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Gioia Forster

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