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Islamische Lebenspraxis

Dieses Mal: Empfehlenswertes Schweigen

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(iz). Es gibt im Islam eine Verbindung zwischen den unterschiedlichen Schichten und Bedeutungsebenen des Lebens. Sie isoliert zu betrachten würde bedeuten, den auf Ganzheitlichkeit ausgelegten Ansatz des Dins zu zerstören. Weist Allah uns doch in der Sura Al-Baqara an, den Islam als ganzes zu nehmen. Dies bedeutet ein gesundes Misstrauen gegenüber jedem, der in isolierten Dingen besonders radikal oder „fromm“ erscheinen mag, aber andere Aspekte verkümmern lässt. Manch „Frommer“ mag besonders religiös und eifrig erscheinen, doch fehlt es ihm am notwendigen Adab, der spirituell fundierten Höflichkeit unserer Religion, dann wackelt sein gesamtes Fundament.

Zu den empfehlenswerten Übungen und gleichzeitig Zeichen einer verfeinerten muslimischen Lebensweise zählt das Vermeiden unnötiger Rede. Hierbei ist natürlich nicht das Schweigen gegenüber Ungerechtigkeit oder Missständen gemeint. An diesem Punkt hat der Gesandte Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, das Sprechen gegen selbige als zweithöchste Stufe des Vertrauens und Glaubens an Allah (Iman) erklärt. Gleiches gilt für das notwendige Aussprechen und die Bezeugung der Göttlichen Einheit (Tauhid). Viele Gelehrte betonten, dass ein Schweigen an dieser Stelle kontraproduktiv sei. Nein, wir sprechen hier über unnützes oder gar schädliches Gerede, welches sich leider immer wieder mal einschleicht.

‘Abdallah ibn Jusuf Al-Ispahani überlieferte laut Imam Al-Quschairi von Abu Huraira, dass der Prophet sagte: „Wer Iman an Allah und den Jüngsten Tag hat, der soll seinen Nachbarn in Frieden ­lassen. Wer Iman an Allah und den Jüngsten Tag hat, der soll dem Gast gegenüber groß­zügig sein. Wer Iman an Allah und Jüngsten Tag hat, der soll sagen, was gut ist, oder schweigen.“

Schweigen ist Sicherheit, aber man müsse die Notwendigkeit, so Imam Al-Quschairi in seiner Risala, zum Sprechen oder zum Schweigen unterscheiden. Die Maßgabe dafür sind das Göttliche Gesetz und die Verpflichtung der Muslime zu korrektem Verhalten. Zur richtigen Zeit zu schweigen ist die Eigenschaft der wirklichen Leute Allahs. Genauso gehört es zu den edelsten Eigenschaften, bei der richtigen Gelegenheit zu sprechen. Abu Ali Al-Daqqaq sagte: „Wer sich beim Sprechen der Wahrheit zurückhält, ist ein Teufel ohne Zunge.“

Schweigen ziemt sich in der Anwesenheit Allahs. Allah, der Allerhöchste, weist uns im Edlen Qur’an an: „Und wenn der Qur’an verlesen wird, so hört zu und schweigt in Aufmerksamkeit, sodass ihr Erbarmen findet.“ (Al-Ar’ar, 204)

Nach Ansicht von Al-Quschairi hat das Schweigen zwei Teile: Äußere Ruhe und die Stille von Herz und Verstand. Jemand, der auf Allah vertraut, beruhigt sein Herz als Mittel, seine Versorgung zu erlangen. Der Wissende beruhigt sein Herz in der Akzeptanz des Schicksals durch die Eigenschaft der Harmonie mit dem, was Allah will. Der Prophetengefährte und erste Khalif des Gesandten Allahs, Abu Bakr As-Siddiq, möge Allah mit ihm zufrieden sein, ergriff als Zeichen seiner Demut die eigene Zunge und erklärte, dass sie es gewesen sei, die ihm Schaden zugefügt habe. Die Muslime wuss­ten seit jeher von der Nützlichkeit des Schweigens, denn es gibt eine Gefahr, die im – nicht notwendigen – Sprechen liegt. Diese Art der Rede beinhaltet das Vergnügen der Triebseele (Nafs), gelobt zu werden und die Neigung, Menschen auf Grundlage ihrer Eloquenz zu bewerten. ‘Umar ibn ‘Abd Al-’Aziz zerriss Schriftstücke, wenn deren Stil und Ausdrucksweise stilvoller und blumiger war, als es notwendig gewesen wäre. As-Sulami überlieferte die folgende Aussage von Bischr bin Al-Harith: „Wenn Sprechen dich eingebildet werden lässt, dann schweige. Wenn Schweigen dich eingebildet werden lässt, dann rede.“ Abu Bakr Al-Farisi sagte über die Bedingungen des Schweigens: „Wenn der Diener [Allahs] über das Notwendige spricht und über das, was ihn betrifft, dann bewegt er sich noch im Rahmen des Schweigens.“

Mu’adh ibn Dschabal, einer der Prophetengefährten, der aus Medina stammte, sagte: „Sprecht wenig mit den Leuten und sprecht viel mit eurem Herrn. Vielleicht werden eure Herzen Allah, den Allerhöchsten, sehen können.“

Quelle: Imam Abu’l-Qasim Al-Quschairi, Risala Quschairija

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