IZ News Ticker

Islamische Lebenspraxis

Gemeinsame Qur’anrezitation

Werbung

Wer schon einmal in Marokko oder einem anderen nord- oder westafrikanischen Land war, hat sie sicher schon erlebt: die gemeinschaftliche laute Rezitation des Qur’an, des Wortes Allahs, in den Moscheen, Zawijas oder auch in privaten Häusern, mit ihrem unverwechselbaren, melodisch-rhythmischen Klang.

Es ist üblich, morgens nach dem Subh-Gebet sowie abends nach dem Maghrib-Gebet jeweils ein Hizb, ein Sechzigstel des Qur’an, gemeinsam laut und synchron zu lesen. Auf diese Weise hat man in 30 Tagen den Qur’an einmal vollständig rezitiert. Dem Abschluss einer solchen vollständigen Rezitation des Qur’an [Khatm Al-Qur’an] folgt ein langes Bittgebet. Zusätzlich dazu wird auch vor dem Freitagsgebet gemeinsam aus dem Qur’an rezitiert, allerdings in der Regel außerhalb der täglichen Hizb-Reihenfolge. Wer einmal ein Freitagsgebet erlebt hat, bei dem die ganze Moschee in klassischer Weise den Qur’an rezitiert, wird dieses tief bewegende Gefühl, das sich mit Worten nicht beschreiben lässt, nicht vergessen. Die gemeinsame Rezitation bringt auch die Herzen der Lesenden zusammen.

Diese Tradition des Hizb-Lesens soll auf die Zeit der Al-Murabitun (Almoraviden) zurückgehen und vom Führer der Al-Muwahidun (Almohaden), Ibn Tumart, im 12. Jahrhundert institutionalisiert worden sein. Auf diese Weise sollte das Erlernen der Rezitation des Qur’an und auch seine Memorisation, das Einprägen und Auswendig lernen, für die Bevölkerung erleichtert werden. Der Imam der Moschee, der die Rezitation in der Regel leitet, oder die anwesenden Personen, die den Qur’an auswendig gelernt haben, werden „Hazzabas“ genannt. Die Rezitationsweise ist unter der Bezeichnung „Tahazzabt“ bekannt. Viele rezitieren auswendig mit, andere nehmen ein Mushaf [Qur’an in Buchform] zu Hilfe. Die marokkanischen Rechtsgelehrten bewerten diese Praxis als „‘urf hassan“, als guten, gesunden Brauch. Durch das Zuhören und Mitrezitieren können selbst Analphabeten den Qur’an leicht auswendig lernen. Die bei dieser Rezitationsweise verwendete Lesart ist die allgemein in Nordwestafrika übliche Lesart des Imam Warsch.

Auch in Deutschland wird diese segensreiche Praxis in letzter Zeit wieder in einer zunehmenden Zahl von Moscheen gepflegt.

Euch gefällt der Artikel? Hier könnt ihr ihn teilen!

Facebook
Twitter
Instagram
Lade...

Wenn Sie diese Seite weiter benutzen, akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies. mehr Informationen

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Verwendung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Unsere Partner führen diese Informationen möglicherweise mit weiteren Daten zusammen, die Sie ihnen bereitgestellt haben oder die sie im Rahmen Ihrer Nutzung der Dienste gesammelt haben. Sie stimmen der Verwendung von Cookies zu, wenn Sie "Akzeptieren" klicken.

Schließen