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Islamwissenschaftler mahnt Einbindung der Moscheegemeinden an. Von Volker Resing

„Bevormundung des Staates im Gewande der Universitäten“

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Berlin (KNA). Vor einem Jahr wurde in Tübingen das erste Zentrum für Islamische Studien eingerichtet. Es folgten die Standorte Erlangen/Nürnberg, Frankfurt/Gießen und Münster/Osnabrück. Der Leiter des Standorts Osnabrück, Bülent Ucar, zieht im Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) ein positives Fazit, warnt aber vor einem „Staatsislam“.

Frage: Herr Professor Ucar, im Oktober wurde das neue Zentrum für Islamische Studien in Münster/Osnabrück eingerichtet. Wie ist Ihre Bilanz?

Ucar: Für Osnabrück kann ich ein positives erstes Fazit ziehen. Es ist uns gelungen, einen Beirat zu installieren, der die Forderungen des Wissenschaftsrats erfüllt. Mehr noch: Es ist uns gelungen, über 90 Prozent der Moscheegemeinden einzubinden und damit eine echte Vertretung des Islam zu organisieren. Damit haben wir Strukturen, die äquivalent sind zu denen der Kirchen. Die Moscheegemeinden sind bei uns keine Legimitationsstatisten, sondern haben richtige Rechte und Pflichten.

Frage: Hat sich der Beirat schon in der Praxis bewährt?

Ucar: Wir konnten bereits zwei Professoren berufen sowie mit zwei Studiengängen starten. Beides fand die Einwilligung des Beirates. Wir haben auch an der Universität die gleichen Rechte wie die christlichen Theologen. Hier in Osnabrück wird nicht nur von Augenhöhe geredet, sondern sie auch praktiziert.

Frage: Wie sieht Ihre bundesweite Bilanz der islamischen Zentren aus?

Ucar: Die verschiedenen Standorte sind noch sehr unterschiedlich aufgestellt. Einige haben meines Erachtens Beiräte ohne eine echte Beteiligung der Moscheegemeinden gegründet. Dies stößt natürlich auf wenig Gegenliebe. Ich habe bei einigen Konstruktionen erhebliche verfassungsrechtliche Bedenken. Wenn die Religionsgemeinschaft nicht angemessen stark eingebunden ist oder mehrheitlich unabhängige Persönlichkeiten berufen werden, dann kann man nicht von Theologie sprechen, sondern nur von Religionswissenschaft. Das aber war nicht die Intention des Projekts. Dies führt letztlich zu einem Staatsislam mit Bevormundung des Staates im Gewande der Universitäten.

Frage: Was sind die weiteren Ziele?

Ucar: Die Islamhasser auf der einen Seite und die fundamentalistischen und gewaltbereiten Muslime auf der anderen Seite werden wir kaum erreichen. Aber es muss um eine Balance gehen. Die islamische Theologie muss eine Akzeptanz bei den hier lebenden Muslimen finden und auch in der Mitte der Gesellschaft ankommen. Wir müssen so authentisch wie möglich sein und zugleich kritikfähig bleiben. Dieser Spagat muss uns gelingen. Außerdem erhoffe ich mir eine positive Rezeption der deutschen islamischen Theologie auch im Ausland, in den Kernländern des Islam. Zudem muss die Theologie inhaltlich vor allem in die deutschen Moscheen ausstrahlen.

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