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“IZ-Begegnung” mit dem englischen Bildungsfachmann Idris Mears über muslimische Schulen und Erziehung

"Projekte für junge Muslime"

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(iz)In Deutschland gibt es kaum muslimische Schulen. Das ist in England anders. Idris Mears war für fünf Jahre Direktor der „Association of Muslim Schools“, einem Zusammenschluss, in dem die muslimischen Schulen Großbritanniens vertreten sind. Kürzlich gab er sein Amt ab, ist aber weiterhin der Vereinigung eng verbunden und er übernimmt noch administrative Aufgaben. Mears sieht muslimische Schulen als ein Gegenmittel gegen Extremismus und Terrorismus. Er wünscht sich mehr grundsätzliches Nachdenken über die Ausrichtung islamischer Bildung in hiesigen Gesellschaften, mehr gesamtgesellschaftliches Bewusstsein seitens der Muslime und mehr Verbundenheit mit dem Ort, an dem sie sich befinden.

Islamische Zeitung: Können Sie uns einen kurzen Einblick in Ihre Tätigkeit als Direktor der Association of Muslim Schools geben?

Idris Mears: Als Direktor der Association habe ich versucht, die insgesamt 145 muslimischen Schulen, die es in Großbritannien gibt, mit den Dingen zu unterstützen, die sie brauchen, also mit der Ausbildung von Lehrern, der Entwicklung von Curricula, bei den Beziehungen zwischen den Schulen und der Regierung, und auch bei den anhaltenden Anstrengungen, mehr staatlich finanzierte muslimische Schulen zu errichten. Denn im Moment haben wir durch die aktuelle Regierungspolitik die Möglichkeit, mehr Schulen zu eröffnen, doch kann sich diese Tür jederzeit wieder verschließen. Daher ist es wichtig, dass wir so viele staatlich finanzierte Schulen wie möglich eröffnen, bevor die gesetzlichen Regelungen für sämtliche staatlichen Schulen geändert werden. Diese Arbeit war sehr zeitaufwändig. Derzeit versuche ich, Projekte für junge Muslime zu entwickeln, die deren Radikalisierung entgegenwirken und der Tendenz, die Gesellschaft als Ganze abzulehnen, und auch den antisozialen Aspekten des Terrorismus, die wir sehen, und stattdessen den jungen Muslimen zu helfen, eine kreative und energetische Generation zu werden, die sich für den Islam in Großbritannien und in Europa einsetzt sowie dafür, Menschen zum Islam einzuladen.

Islamische Zeitung: Repräsentiert die Association alle muslimischen Schulen in Großbritannien?

Idris Mears: Ja, diese 145 Schulen entsprechen der Gesamtzahl der muslimischen Schulen in Großbritannien. Eine Mitgliedschaft bei der Association haben rund 90 davon, doch de facto repräsentieren wir sie alle, denn in der Regel haben jene, die keine Mitglieder sind, derart mit finanziellen Problemen zu kämpfen, dass sie es sich nicht leisten können, die Mitgliedsbeiträge zu bezahlen. Tatsächlich leistet der Dachverband sogar mehr Arbeit für die Schulen, die keine Mitglieder sind, als für die Mitglieder, denn sie sind oft weniger organisiert und brauchen mehr Hilfe. Wir repräsentieren sie als Dachverband gegenüber der Regierung und den Medien und entwickeln Strategien, um den gesamten Prozess der Bildung zu verbessern.

Islamische Zeitung: Welche Politik betreibt die britische Regierung derzeit gegenüber den muslimischen Schulen?

Idris Mears: Offiziell begrüßt die Regierung die muslimischen Schulen und bekräftigt, dass Muslime ebenso wie jede andere Glaubensgemeinschaft das Recht haben, Schulen einzurichten. Im Moment ist die Regierung mehr über die unabhängigen muslimischen Schulen besorgt als über die staatlich unterstützten, daher besteht zurzeit der politische Wille und die Bereitschaft, unabhängige muslimische Schulen insoweit zu unterstützen, dass sie das Level erreichen, staatlich unterstützte Schulen zu werden. Aber es ist ein bürokratischer Prozess, der verschiedene Aspekte hat. Die Politik der zentralen Regierung ist es, die Schulen zu ermutigen, staatliche Unterstützung zu bekommen, doch die letztliche Entscheidung, ob eine Schule als staatliche Schule öffnet oder nicht, fällt nicht auf nationaler, sondern auf lokaler Ebene. Die Eröffnung einer Schule ist ein konsultativer Prozess, der auf lokaler Ebene ausgehandelt werden muss und der lange Zeit in Anspruch nimmt, mindestens drei Jahre. Es kann lokal Widerstände von verschiedener Seite geben, etwa von anderen Schulen, auch muslimischen, die eventuell ihre Interessen dadurch gefährdet sehen. Das ist das komplexe Gebiet der Lokalpolitik. Von der Zentralregierung erhalten wir also viel Unterstützung, auf Ebene der lokalen Politik kann es hingegen zu schwierigen Situationen kommen, übrigens auch mit verschiedenen Teilen der muslimischen Community. Zum Beispiel gab es kürzlich einen Fall, wo eine Gruppe von Muslimen erfolgreich eine Schule errichtet hat und eine andere Gruppe von Muslimen versuchte, den ganzen Prozess zu unterlaufen – nicht, weil sie keine muslimische Schule wollten, sondern weil sie diese selbst kontrollieren wollten. Da besteht ein Missverständnis, denn man kann eine Schule nicht in diesem Sinne kontrollieren; sie unterliegt anderen Prozessen. Es ist daher auch erforderlich, Muslime darüber aufzuklären, was es bedeutet, mit Bildung und Lehre zu tun zu haben. Eine Schule zu eröffnen, mag zunächst sehr einfach aussehen, aber es wird eine komplexe Angelegenheit, je konkreter die tatsächliche Eröffnung wird.

Islamische Zeitung: Die Regierung erhöht also derzeit die Zahl der staatlich finanzierten muslimischen Schulen?

Idris Mears: Es gibt bestimmte Kriterien für die Eröffnung einer Schule; dazu gehört zum Beispiel, dass die Gebäude bestimmten Anforderungen genügen müssen. Dadurch konnten einige Schulen, die dem nicht entsprachen, keine staatliche Finanzierung bekommen, denn sie hätten viel Geld investieren müssen, um den erforderlichen Standard herzustellen. Im Moment geht die Regierung aber flexibler mit diesen Anforderungen um und bemisst den Standard nicht im Vergleich zu den neuen Schulen, sondern in Relation zu den alten Schulen, deren Gebäude zum Teil noch aus viktorianischer Zeit stammen und oft in keinem guten Zustand sind, die aber bereits Teil des staatlichen Schulsystems sind. Dadurch hilft die Regierung diesen muslimischen Schulen, ihren Standard zu verbessern, so wie sie es bei den älteren staatlichen Schulen auch tut. Man zeigt also Entgegenkommen. Auch wurde der Prozess der Beantragung von Geldern etwas vereinfacht. Früher gab es einen offenen Wettbewerb auch mit jüdischen und christlichen Schulen um bestimmte staatliche Fördergelder, und vielen aus der muslimischen Community fehlte die Professionalität und das Know-how, in diesem bürokratischen Prozess mitzuhalten. Neuerdings ist die Gewährung von Fördergeldern direkt Sache des Staatssekretärs des Bildungsministeriums, wobei wir noch warten, was das bedeutet. So ist das mit der Politik – die Dinge ändern sich von Woche zu Woche. Die Regierung hat die Schwierigkeit, dass sie weiß, dass sie dies tun muss, daher die entsprechende Politik; zur gleichen Zeit aber hat sie aufgrund der Medien und der öffentlichen Wahrnehmung des Islams das Gefühl, nicht zu freimütig mit der Hilfe für muslimische Schulen sein zu können, weil es ihr politisch schaden könnte.

Islamische Zeitung: Wie ist bei den muslimischen Schulen die Relation von Angebot und Nachfrage?

Idris Mears: Etwa ein Drittel aller Schulen in England sind in religiöser Trägerschaft, das heißt dass etwa ein Viertel aller Schüler in England die Möglichkeit auf einen Platz in einer religiösen Schule hat. Im Vergleich dazu sind in muslimischen Schulen nur Plätze für etwa 0,4 Prozent aller muslimischen Schulkinder vorhanden. Das staatliche Schulsystem war bei seiner Gründung ursprünglich darauf ausgerichtet, die christlichen konfessionellen Schulen nach und nach zu übernehmen. Der Staat gründete nicht die ersten Schulen, er übernahm lediglich bereits existierende Schulen und gründete dann nach und nach neue. Die jüdische Community beispielsweise hat eine Menge staatlich finanzierter Schulen, sodass etwa 40 Prozent der jüdischen Kinder auf eine staatlich geförderte jüdische Schule gehen könnten, wenn sie dies wollten, und etwa ein Drittel aller christlichen Schüler auf eine christliche Schule. Das ist eigentlich verwunderlich, denn die Muslime waren stets sehr bemüht, die Ausbildung ihrer Kinder in einem religiös geprägten Umfeld zu ermöglichen. Viele der christlichen Schulen, etwa die der anglikanischen Kirche, sind voller muslimischer Kinder; manche haben über 90 Prozent muslimische Schüler. Es gibt auch eine jüdische Schule in Birmingham, auf der viele muslimische Schüler sind. Die Muslime haben eben viele Kinder; es gibt zurzeit über 500.000 muslimische Kinder im Schulalter, daher braucht es viele muslimische Schulen.

Islamische Zeitung: Welche unterschiedlichen Arten von muslimischen Schulen gibt es in Großbritannien?

Idris Mears: Etwa 30 der Schulen sind das, was wir „Daru’l-Ulum“ nennen, es sind Sekundärschulen für Jungen und Mädchen. Die Kinder besuchen sie ab 11 Jahren und sie sind auf die Ausbildung von Imamen und Gelehrten ausgerichtet, das heißt es wird überwiegend Arabisch, Qur’an und andere islamische Studien angeboten. Doch da die meisten Kinder noch im schulpflichtigen Alter sind, müssen die Schulen nach dem Gesetz ein volles Curriculum anbieten. Üblicherweise widmen sie sich am Vormittag den traditionellen Studien und am Nachmittag dem allgemeinen Curriculum. Das bedeutet, dass die Schüler täglich eine lange Zeit mit Lernen verbringen, und es sind recht harte und fordernde Bedingungen für die jungen Menschen. Es gibt eine relativ hohe Abbrecherquote an diesen Schulen. Diejenigen, die diese Schulen absolvieren, sind dann meist Gelehrte mit einem guten Wissen vom Din. Mittlerweile werden die Abschlusszertifikate der Daru’l-Ulums auch an den Universitäten als Scheine in den jeweiligen Bereichen anerkannt, etwa in Arabisch, denn die Universitäten wissen, dass der Standard im Arabischen, der in den Daru’l-Ulums erreicht wird, viel höher ist als der, den die Studenten in den Universitäten erreichen. Was es in den Daru’l-Ulums im Vergleich zur Universität nicht gibt, ist eine Art kritische Analyse – es wird in einem traditionellen Rahmen unterrichtet, der nicht dazu anregt, Fragen zu stellen. Das ist eine interessante Bildungsfrage.

Islamische Zeitung: Wie ist es um den Nachwuchs an muslimischen Lehrern bestellt?

Idris Mears: Es gibt inzwischen Schulen, an denen alle Lehrer Muslime sind. Und wenn es nichtmuslimische Lehrer sind, dann sind sie meist für ganz spezifische Bereiche angestellt worden, nicht aber in den entscheidenden Positionen, die das Klima der Schule prägen. Wichtiger noch als die Entwicklung von Curricula ist ohnehin die Entwicklung von Lehrerpersönlichkeiten, die gute Vorbilder abgeben. Sehr wichtig wäre auch ein besserer Zusammenhalt unter den Lehrern, etwa eine Art Lehrergilde, ein Austausch von Erfahrungen und gutem Verhalten und eine gemeinsame Identität als muslimische Lehrerinnen und Lehrer, bei der man nicht nur eine Verantwortung gegenüber den Kindern, sondern auch gegenüber seinen Lehrerkollegen, seinen Brüdern und Schwestern im Islam, hat. Jede Schule sollte sicherstellen, dass ihre Lehrer eine ständige Fortbildung genießen können, durch die sie sich weiterentwickeln können. Diese Dinge laufen in den muslimischen Schulen schon recht gut. Beim Unterrichten muss man stets auf die unmittelbare Situation eingehen, daher ist es manchmal schwierig, in längeren Zeiträumen zu denken und grundsätzliche Fragen anzugehen. Weiterbildung hilft den Lehrern, eine breitere Sicht von Bildung zu entwickeln. Ich sehe, dass viele junge muslimische Lehrerinnen und Lehrer eine Vision von Bildung entwickeln, die ein Teil dessen sein wird, was die Muslime der Gesellschaft anzubieten haben. Denn am Ende gibt es nur Bildung an sich, nicht islamische Bildung, und man leistet diese auf die beste Art und Weise. Und als Muslime haben wir eine Einsicht darin, was Kinder brauchen, und nicht nur muslimische Kinder, sondern Kinder allgemein.

Islamische Zeitung: Wie sehen die britischen Medien und die Bevölkerung die muslimischen Schulen?

Idris Mears: Eines der Dinge, unter denen wir wirklich leiden, ist eine falsche Vorstellung unter der Bevölkerung – nicht von Muslimen generell, aber gerade von muslimischen Schulen. Sie haben ein Bild davon, was muslimische Schulen sind und welche Art von Muslimen sie hervorbringen, das mehr mit ihren Ängsten zu tun hat und nicht mit der Realität muslimischer Schulen und der Schüler, die sie besuchen. Die Leute, die terroristische Akte begangen haben, kommen nicht von muslimischen Schulen, in keinem einzigen Fall. In der Regel sind es Leute, die durch ihren Besuch staatlicher Schulen entfremdet worden sind und an einer Art Identitätskrise litten, die auch durch Rassismus verursacht wurde. Denn was die staatliche Schule vermittelt ist: Du hast deine Identität als Immigrant, und diese ist eine ethnische Identität. Die muslimischen Schulen hingegen vermitteln, dass man seine Identität durch sein Muslimsein hat, und Islam nicht an solche Kategorien wie Ethnie oder Rasse gebunden ist. Die muslimischen Schulen sind viel selbstsicherer und stolzer, was ihre Identität betrifft, und deshalb auch flexibler. Wenn man unsicher ist und nicht mit anderen Menschen umgehen kann, tendiert man dazu, sie zu entmenschlichen. Die muslimischen Schulen sind ein Gegenmittel gegen den Terrorismus und nicht deren Verursacher, nur sehen die Medien dies leider nicht so.

Islamische Zeitung: In welchen Bereichen gibt es Verbesserungsbedarf an den muslimischen Schulen?

Idris Mears: Ich denke, die muslimischen Schulen müssen aufhören, lediglich Produkte des bestehenden Bildungssystems zu sein. Es gibt so viele Regelungen und Prüfungen, die die Schulen dazu drängen, sich sehr ähnlich zu sein, ob muslimische oder nichtmuslimische Schule. Die vorherrschende Idee, welche Bildung man vermittelt und auf welche Art von Gesellschaft man die jungen Menschen vorbereitet, wirkt ebenso sehr in die muslimischen Schulen hinein wie in die anderen Schulen. Es gibt vielleicht ein etwas größeres Verständnis von spiritueller Entwicklung in den muslimischen Schulen. Ich denke, sie müssen grundsätzlicher darin sein, worauf sie die jungen Leute vorbereiten. Dies können sie nur dadurch erreichen indem sie sich nicht nur auf Bildung in muslimischen Schulen konzentrieren, sondern auf Bildung in allen Bereichen der Gesellschaft. Muslimische Bildung muss lokaler werden und stärker in die Lage versetzt werden, ihre Ideale in der allgemeinen Bildungsdebatte auszudrücken, um so auch andere Schulen beeinflussen zu können, nicht nur muslimische Schulen. Es sollten auch mehr Muslime in Führungspositionen gelangen und an den allgemeinen Curricula für alle Schulen mitarbeiten. Sie sollten nicht nur an ihre eigenen Bedürfnisse denken, sondern beginnen, an die Bedürfnisse aller zu denken.

Islamische Zeitung: Gibt es in den muslimischen Schulen auch nichtmuslimische Schüler?

Idris Mears: Ja, aber nur eine handvoll. Eine Prozentzahl kenne ich nicht. Es sind nicht selten Kinder von nichtmuslimischen Lehrern, die in muslimischen Schulen unterrichten und erkennen, dass es eine sehr gute Umgebung für ihre eigenen Kinder ist. Manchmal sind es auch Kinder aus dem nichtmuslimischen Verwandtenkreis von Familien, die Muslime geworden sind. Prinzipiell schauen die muslimischen Schulen nicht darauf, ob die Kinder Muslime sind oder nicht. Wenn Eltern ihnen das Vertrauen schenken, ihre Kinder auszubilden, dann bemühen sie sich, dies auf bestmögliche Art und Weise zu tun.

Islamische Zeitung: Wie sehen Sie die generelle Situation muslimischer Jugendlicher in Großbritannien?

Idris Mears: Es ist wichtig, mit sich selbst im Reinen zu sein. Ist man dies nicht, wird man in seinen Reaktionen nicht ausgewogen sein. Es gibt junge Menschen in der muslimischen Gemeinschaft, die unzufrieden sind mit ihren Eltern, denn sie sehen, dass der Islam, den ihre Eltern leben, nicht dabei geholfen hat, mehr Gerechtigkeit in die Gesellschaft zu bringen. Und sie sehen eine Gesellschaft, in der Ungerechtigkeit existiert. Ein Aspekt junger Menschen ist der Wunsch und das Verlangen nach Gerechtigkeit, und manchmal führt das Unvermögen, dies zu erreichen, sie zu einer Art von Zynismus, der auch zu Nihilismus führen kann. Diese Art von jungen Leuten wird dahingehend radikalisiert, in der Art und Weise des Kampfes für eine gerechtere Gesellschaft die Grenzen der Weisheit zu übertreten. Es ist wichtig, ihnen nicht diese Sehnsucht nach sozialer Gerechtigkeit, die Sehnsucht nach Besserem zu nehmen, sondern ihnen die Mittel zu geben, etwas zu erreichen, was sie sehen können. Junge Menschen wollen eine Veranschaulichung, dass diese Dinge funktionieren. Ich denke, dass das Unbehagen der Jüngeren nicht als etwas Negatives gesehen werden sollte. Vielmehr muss die muslimische Gemeinschaft als Ganze sich fragen, warum sie diesen jungen Menschen keine Wege gezeigt hat, ihr natürliches Jungsein in eine positive Richtung zu kanalisieren. Solche Fragen müssen gestellt werden. Und es müssen auch Fragen nach den Prioritäten gestellt werden, auch im Hinblick auf die muslimischen Schulen. Wenn es die Priorität ist, eine Art Musterbürger hervorzubringen, der ein Produzent und Konsument ist und kein Streben darüber hinaus hat, dann ist man nicht Teil der Heilung, sondern Teil der Krankheit. Muslimische Schulen sollten beginnen, sich solche tieferen Fragen zu stellen, statt nur ihre unmittelbaren Bedürfnisse im Blick zu haben.

Islamische Zeitung: Fehlt es jungen Muslimen auch an einem Bewusstsein für den Ort, an dem sie leben?

Idris Mears: Muslimische Jugendliche müssen die Ganzheitlichkeit ihrer menschlichen Natur entwickeln. Allah hat sie als Ihm Dienende erschaffen, aber es gibt auch den sozialen Aspekt des Menschseins. Jeder hat seine Leute, aber jeder hat auch eine Verbindung zu dem Ort auf der Erde, an den Allah ihn gesetzt hat, ein Gespür für die Örtlichkeit. Das ländliche England ist ein wunderschönes Beispiel, wie Menschen in einer Landschaft gelebt haben. Und die schönsten Landschaften sind die, die der Mensch geformt hat. Dies ist ein historischer Prozess, der von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Dies ist ein Teil davon, was es bedeutet, ein menschliches Wesen zu sein; und Islam ist die Vervollkommnung des menschlichen Wesens. Daher ist es wichtig, dass die Muslime diese Liebe für die Verbundenheit mit den Orten, an denen sie sind, entwickeln. Was mit den jungen Muslimen mit Migrationshintergrund passiert ist, die in die Ghettos der Städte gekommen sind, ist dass sie eigentlich nicht wissen, wo sie sind; sie haben keine Verbindung zu England als Ort. Sie werden dann mehr von der Werbung und von der so genannten Straßenkultur und Mode angezogen, all den Aspekten, die ein „fashion victim“ ausmachen. Sie leben in einer Blase, bestimmt von einer Medienwelt, und es hat auch einen Aspekt von Gangmentalität, von Subkultur, die sie von den älteren Menschen entfernt und in sich abgeschlossen hält. Und Subkultur bedeutet in dieser Gesellschaft leider auch, mit Drogenabhängigkeit in Berührung zu kommen. Dies ist ein großes Problem unter jungen Muslimen, ebenso wie der schnelle Reichtum durch das Drogendealen, der falsche Vorbilder setzt.

Islamische Zeitung: Sehr geehrter Herr Mears, wir danken für das Gespräch.

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