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„IZ-Begegnung“ mit dem Islamwissenschaftler Muhammad Sameer Murtaza über materielle und ideologische Aspekte der aktuellen Gaza-Krise

„Die simple Unterteilung in Gut und Böse“

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„Dies macht deutlich: Die Selbstmordattentate waren von vornherein konzipiert, um Zivilisten zu töten, unabhängig davon, dass der Islam dies nicht legitimiert, unabhängig davon, dass gegen die islamische Kriegsethik verstoßen wird.“ (Muhammad Sameer Murtaza)

(iz). Bei der jetzigen Gaza-Krise der ­letzten Woche geht es nicht nur um militär- und sicherheitspolitische Aspekte beziehungsweise den bloßen Einsatz von Waffen. Es geht auch darum, ­inwiefern ideologische Konstrukte in der Lage sind, eine Regierung dazu zu bewegen, gegen ihre Eigeninteresse und das ihrer Bevölkerung zu handeln.

Zum Thema sprachen wir mit Islamwissenschaftler Muhammad Sameer Murtaza. Er ist bei der Stiftung Weltethos beschäftigt und veröffentlichte jüngst das Buch „Islamische Philosophie und die Gegenwartsprobleme der Muslime“. Murtaza hat sich in den letzen Monaten mit ausgesprochenen Stellungnahme zur innerislamischen Debatte über den politischen Islam zu Wort gemeldet.

Islamische Zeitung: Lieber Muhammad Sameer Murtaza, Sie kommen gerade von einer Tagung zum Thema „gewaltfreier Wider­stand im Islam“ zurück. Was sind ihre ersten Gedanken anlässlich der erneu­ten, massiven und unverhältnismäßigen israelischen Angriffe gegen den Gazastreifen?

Muhammad Sameer Murtaza: Ich weiß, es mag zynisch klingen, aber hierbei handelt es sich doch um ein eingeüb­tes ritualisiertes Spiel zwischen ­israelischer Regierung und Hamas. Leittragende sind natürlich auf beiden Seiten die ­jeweilige Bevölkerung, insbesondere die palästinensische. Vor fast zwei Jahren habe ich mit meinem Artikel „Lasst uns die Feindbilder auf beiden Seiten einreißen“ aus meiner Sicht eigentlich alles ­Notwendige zu diesem Konflikt geschrieben. Man könnte diesen Artikel heute abdrucken und er hätte noch die gleiche Gültigkeit. Es gibt also keine wirkliche Entwicklung, sondern nur die Wiederkehr ewig gleicher Szenarien.

Und auch wir Muslime und Juden in Deutschland vermögen es nicht, aus diesem Kreislauf auszubrechen, sondern machen uns bereitwillig zu Zinnsoldaten dieses Konfliktes, übernehmen die ­simple Unterteilung in Gut und Böse, Schwarz und Weiß, so als gäbe es nicht auf beiden Seiten Täter und Opfer, Schuldige und Unschuldige.

Deswegen blicke ich auch nicht emotional, sondern sachlich-nüchtern auf diese militärische Auseinandersetzung, bei der keine der beiden Seiten sich ­einen Frieden erlauben kann. Blicken wir doch auf die Veröffentlichung von Verhandlungsdokumenten zwischen Israel und der palästinensischen Autonomiebehörde im Januar 2011, in denen die Palästi­nenser weitgehende Zugeständnisse gemacht hatten: Akzeptanz aller israelischen Siedlungen im Osten Jerusalems mit Ausnahme von Har Choma, die Begrenzung des Rückkehrrechts von Palästinensern auf 100.000, Aufgabe des Tempelberges, der unter internationale Aufsicht gestellt werden sollte und die Abtretung großer Teile Jerusalems an Israel. Doch die isra­elische Führung lehnte ab.

Die Frage lautet: Will Israel keinen Frieden oder kann es sich diesen nicht erlauben? Ich glaube, dass die jüdische Siedlungsbewegung, eine Art jüdische Taliban, inzwischen innenpolitisch ein dermaßen großer Machtfaktor ist, dass keine israelische Regierung sich erlauben kann gegen diese vorzugehen, wenn man nicht innenpolitisch Schaden erleiden will. Für die jüdischen Siedler lösten die Eroberungen 1967 einen religiösen Impuls aus, diese Gebiete zu besiedeln, damit sie niemals wieder zurückgegeben werden. Prominente jüdische Rabbiner – nicht weniger extremistisch als die Hamas – legten das religiöse Recht so aus, dass die Aufgabe der Siedlungen ­religiös verboten sei und man in diesem Falle sogar Widerstand gegen die Staatsgewalt leisten müsse, da diese im Falle einer Auflösung der Siedlungen illegal handele. Hierbei wird die innenpolitische Sprengkraft deutlich, die in einer Auseinandersetzung mit der Siedlungsbewegung stecken würde und vor der sich der Staat scheut. Und so annektiert Israel weiter systematisch Teile des palästinensischen Gebietes.

Nicht anders ist es auf Seiten der Hamas, die sich bis heute nicht von ihrer Charta von 1988 verabschiedet hat, in der ein Ausspruch Hasan Al-Bannas zitiert wird, der lautet: „Israel wird ­bestehen und so lange bestehen bleiben, bis der Islam es annulliert.“ Das ist dann auch der ganze Tenor dieser Charta, der aus einem politischen Konflikt einen religi­ösen macht. Sicherlich gibt es in der Hamas realpolitisch denkende Köpfe, die wissen, dass Israels Existenz von Bestand sein wird und man zwangsläufig Israels Existenzrecht anerkennen muss, aber diese Einsicht wird nicht von allen geteilt.

Bis heute weigert man sich realpolitisch einzugestehen, dass Israel ehemals musli­mischen Grund und Boden erobert und sich wiederholt erfolgreich verteidigt und bewährt hat. Dieser ehemalige islamische Boden ist verloren, dies gilt es um den Friedenswillen zu akzeptieren. Zudem ist Israel im Gegensatz zu den Palästinensern außenpolitisch die richtigen Bündnisse eingegangen, die den Staat weiter stärken und festigen.

Im Grunde sind Israelis und Palästinenser Geiseln ideologischer Bewegungen, die ihre Ziele als wichtiger ­erachten als das Menschsein. Wenn aber eine Ideologie losgelöst wird von der Wirklichkeit des menschlichen Lebens, dann wird sie destruktiv.

Islamische Zeitung: Sie sagten, Sie hätten auch Palästinenser getroffen, die sich in dem gewaltfreien Widerstand engagieren. Wie sehen solche Menschen die bisher dominanten ­politischen Bewegungen, Hamas und Fatah?

Muhammad Sameer Murtaza: Das ist richtig. Vor einigen Wochen gab es an der Johannes Gutenberg-Universität einen Vortrag eines Palästinensers aus dem Dorf Ni’lin, wo man seit längerem den gewaltlosen Widerstand gegen die israelische Besatzung probt. Bedauerlicherweise war die Veranstaltung nur von wenigen Muslimen besucht.

Wie auch immer, gewaltloser Widerstand wird in Palästina in immer mehr Dörfern wieder praktiziert, da man einge­sehen hat, dass der bewaffnete Widerstand, wie ihn die Hamas praktiziert, sinnlos ist, da Israel nun einmal die Supermacht des Nahen Osten ist. Diese „Bewegung“ ist weder der Hamas noch der Fatah zuzurechnen, vielmehr repräsentiert sie das einfache palästinensische Volk. Oft Bauern, die um ihre Lebensgrundlage fürchten, da Israel ihnen den Grund und Boden wegnimmt. Ideologien interessieren sie nicht. Und so ­findet dieser Widerstand auch unter palästinen­sischer Flagge statt und nicht unter dem Emblem von Hamas oder Fatah, die auch nicht als wahre Repräsentanten des paläs­tinensischen Volkes betrachtet werden. Viele Vorwürfe, die man vor den Wahlen 2006 an die Fatah richtete, wirft man nun auch der Hamas vor. Insofern ist das Manifest der „Jugend von Gaza“ nicht nur auf Gaza und nicht nur auf die Jugend zu beschränken, sondern es scheint vielmehr eine allgemeine Haltung gegenüber den Interessenvertretern des palästinensischen Volkes darzustellen.

Allein dieser gewaltlose Widerstand kann meines Erachtens an die Empathie der Israelis wie auch der Weltgemeinschaft appellieren und Veränderungen bewirken. Dass dies gelingen kann, zeigt sich gerade daran, dass die israelischen Soldaten mit dieser Art der Konfrontation völlig überfordert sind. Mir ist da eine Sequenz aus der Dokumentation von Ni’lin in Erinnerung geblieben. Die israelischen Soldaten versuchten durch Heckenschützen die Aktivisten des gewaltlosen Widerstandes zu töten und hierdurch den Widerstandswillen weiterer Aktivisten einzuschüchtern.

Hierzu wollte man sich Zugang zu den Dächern palästinensischer Häuser verschaffen. Die Dorfbewohner aber, Männer, Frauen, Kinder, versperrten ­friedlich die Zugänge zu den Dächern. Die isra­elischen Soldaten waren dermaßen entnervt und überfordert, dass sie einem kleinen Mädchen in die Hand ­schossen, um Gewalt zu provozieren. Doch die Dorfbewohner blieben diszipliniert und ruhig. Und den Soldaten blieb nichts anderes übrig als abzuziehen.

Macht dieser Widerstand Schule und verbreiten sich solche Aufnahmen, dann kann dies die israelische Friedensbewegung wiederbeleben, Sympathien für die Palästinenser in der internationalen Gemeinschaft wecken; und endlich Bewegung in die festgefahrene Situation bringen. Wie gesagt kann, muss aber nicht sein. Aber es ist allemal besser, als die sinnlose Gewalt fortzusetzen.

Islamische Zeitung: Die erste, so genannte „Intifada“ war mehrheitlich durch eben jenen unbewaffneten Widerstand und eine kategorische Verweigerungshaltung gegenüber der isra­elischen Besatzung geprägt. Welche Faktoren haben hier diesen dramatischen Wechsel verursacht und wie wichtig waren dabei die Entstehung neuer ideologischer Gruppierung, welche Angriffe gegen die Zivilbevölkerung bis hin zu Selbstmordattentaten legitimierten und einsetzten?

Muhammad Sameer Murtaza: Ohne den ganzen historischen Ablauf nun wiederzukäuen muss doch grundsätzlich gesagt werden, dass jeder gewaltlose Wider­stand an seine Grenze stößt, wenn die übermächtige Gegenseite mit brutalster Gewalt reagiert, statt eine konstruktive politische Lösung zu suchen. Wie oft ist den Palästinensern nun schon ein autarker Staat, in dem sie menschenwürdig leben können, versprochen worden? Ist also Israel insofern an der Gewalt, die sich gegen es richtet, Mitschuld?

Der israelische Brigadegeneral Benjamin Ben Elieser, der von 1983 bis 1984 Koordinator der israelischen Politik in den besetzten Gebieten war, gab damals zu Protokoll, dass man keine ­langfristigen politischen Konzepte hinsichtlich der ­Palästinensergebiete habe. Er warnte schon damals, dass eine so unklare Situ­ation dazu führen könne, dass die Paläs­tinenser irgendwann mit Gewalt reagieren könnten.

Pläne bewaffnete islamisch-ideologische Bewegungen in Palästina zu gründen, gab es bereits 1957 seitens des Muslimbruders Khalil Al-Wazir. Interessanterweise lehnte die Führung der Muslimbruderschaft in Palästina dies konsequent ab und wollte sich stattdessen auf die Erziehung einer neuen Generation von Muslimen konzentrieren. Enttäuscht verließ Al-Wazir schließlich die Muslimbruderschaft und gründete gemeinsam mit Arafat die Fatah. Ab Mitte der 1970er Jahre geriet die Muslimbruderschaft seitens der nationalistischen Gruppen zunehmend unter Druck. Man verhöhnte sie und ließ anfragen, wann denn die Erziehung der Muslime ­abgeschlossen sei und man damit rechnen könne, dass sie sich am Widerstand beteiligen.

Zunehmend rutschte die Muslimbruderschaft aufgrund des zunehmenden Mitgliederschwundes in eine organisato­rische Krise. Es waren vor allem die jungen Menschen in Palästina, die sich nicht mehr vertrösten lassen wollten, sondern ihr Recht auf ein menschenwürdiges Leben und eine Zukunft einforderten, notfalls auch mit Gewalt. Und wenn die Muslimbruderschaft nicht wollte, dann gründete man eben neue Bewegungen wie den Islamischen Dschihad.

Die erste Intifada 1987 stellte dann auch einen Paradigmenwechsel für die Muslimbruderschaft dar, die schließlich mit der Hamas ihren bewaffneten Arm gründete, was in den Reihen der Muslim­brüder nicht unumstritten war. Somit reihte sie sich in den ohnehin schon existenten bewaffneten Widerstand ein und wurde ein Bestandteil des Kreislaufes der Gewalt.

Eine neue Stufe der Radikalisierung des Konfliktes auf palästinensischer ­Seite stellten schließlich die Selbstmordattenta­te dar, die ab dem 16. April 1993 began­nen. Gleichwohl hielt ein reaktives und nihilistisches Denken bei einigen Gelehr­ten Einzug, das sie dazu brachte, Selbstmordattentate islamisch zu legitimieren, stellt Religion nicht die Triebfeder für die Selbstmordattentäter dar. In Gholamazads Buch „Selbstbild und Weltsicht islamistischer Selbstmord-Attentäter“ wird deutlich, dass es vielmehr das durch die Besatzung geschaffene ­perspektivlose und als Schande empfundene Leben ist, das einen Todeswunsch bei diesen Menschen auslöst, um sich von diesem qualvollen Leben zu erlösen. Lieber wollen sie „ehrenhaft“ Sterben, als ein „schändli­ches“ Leben fortführen. Diese Menschen werden schließlich von der Hamas ange­worben, die deren hoffnungslose Situation schamlos ausnutzt.

Islamische Zeitung: Diese Organisationen ziehen ihre Legitimation ja aus dem Anspruch, „islamische“ zu sein. Ist es dann nicht eine erhebliche Schizophrenie, wenn sie zu islamisch verwerflichen Mitteln greifen?

Muhammad Sameer Murtaza: Der Ursprung der Selbstmordattentate ist ganz bestimmt nicht Ergebnis einer religiösen Reflexion, sondern vielmehr aus der Not heraus geboren worden. Der spirituelle Hamas-Führer Ahmad Yassin rechtfertigte einmal, dass man zu Selbstmordattentate deshalb greife, da Israel ihnen keine andere Wahl lasse. Würde Israel aufhören palästinensische ­Zivilisten zu ermorden, so würde man im Gegenzug auch israelische Zivilisten schonen.

Dies macht deutlich: Die Selbstmord­attentate waren von vornherein konzipiert, um Zivilisten zu töten, ­unabhängig davon, dass der Islam dies nicht legitimiert, unabhängig davon, dass gegen die islamische Kriegsethik verstoßen wird. All die reaktiven nihilistischen Rechtsgutachten, die dann später nachgereicht wurden, dienten nur dazu, um das ­Ganze dem Scheine nach oder aus einer reaktiven Haltung heraus als islamisch zu legi­timieren. Dies war dann eben nichts anderes als eine Indienstnahme der ­Religion und ein Rückfall in das Stammesdenken. Natürlich stellen diese Gelehrten sich selber nicht für solche Aktionen zur Verfü­gung. Dazu suchte man sich lieber Menschen, die ohnehin suizidgefährdet sind.

Islamische Zeitung: Ist es nicht eine weitere Schizophrenie, wenn die Hamas, die angeblich demokratisch legitimiert sein soll, gegen das Interesse ihrer eigenen Bevölkerung handelt?

Muhammad Sameer Murtaza: Die letzten Wahlen in Palästina liegen nun schon sechs Jahre zurück. Wie lange ist man demokratisch legitimiert, wenn es keine Möglichkeit gibt, die Regierung abzuwählen? Aber dies ist auch nicht der Punkt. Der Gazastreifen wird für die Hamas selber immer unkontrollierbarer. Gruppen wie der Islamische Dschihad, aber auch Ableger der Al Qaida provozieren Israel seit 2008 mit Raketenbeschuss.

Diesen Bewegungen ist das palästinen­sische Volk gänzlich egal, da man ein übergeordnetes ideologisches Ziel verfolgt und dafür das Leid und den Tod palästinensischer Zivilisten bereitwillig in Kauf nimmt.

Wenn also Israel wirklich den Gazastreifen von der Hamas „befreit“, dann wird es diese bald schon vermissen, denn die Al-Qaida steht bereit, diesen zu übernehmen und sie wird im Gegensatz zur Hamas unberechenbar sein.

Hinsichtlich des Wohles der palästinensischen Bevölkerung möchte ich auch den Bogen nach Deutschland schlagen. Es ist davon auszugehen, dass – je ­länger dieser Krieg gegen Gaza andauert – ein hier lebender fehlgeleiteter Muslim auf den bescheuerten Gedanken kommen könnte, er diene der Sache Palästinas, wenn er vielleicht hier gegen Juden, Synagogen oder sonstige jüdische Einrichtungen vorgeht. Nichts würde den Paläs­tinensern, dem Islam und den hier leben­den Muslimen mehr schaden!

Die deutschen Juden tragen keine ­Verantwortung für das Handeln der israelischen Regierung. Wenn jemand wirklich etwas Konstruktives für die Palästinenser tun möchte, dann soll er auf die Webseite des gewaltlosen Widerstandes in Ni’lin gehen (www.nilin-village.org), diese verbreiten, seinen Bundestagsabge­ordneten, die außenpolitischen Sprecher der Fraktionen im Bundestag und das Auswärtige Amt anschreiben. Damit ist den Palästinensern mehr geholfen, als mit allem anderen, was im Übrigen auch die Aussage des Referenten aus Ni’lin war.

Damit man mich nicht missversteht: Es geht nicht darum, in das simple Schwarz-Weiß-Schema zurückzufallen, sondern sich für den Frieden zu engagieren, Frieden sowohl für die Palästinenser, wie für die Israelis. Damit Israelis keine Raketenangriffe oder Selbstmordattentäter mehr fürchten müssen und die Palästinenser endlich ihre Lebensbedingungen verbessern können sowie sicher sind vor gezielten Tötungen, willkürlichen Verhaftungen, Folter und Raketenbeschuss sind. Nur ein pragmati­scher Frieden, wo beide Seiten geben und nehmen, kann den Weg zu der viel schwie­rigeren Aufgabe ebnen: Versöhnung.

Islamische Zeitung: Bisher war die „theologische“ Debatte im Nahen ­Osten über den politischen Islam und seine Methoden eher ernüchternd. Glauben Sie, dass hier irgendwann einmal ein Wandel eintreten wird?

Muhammad Sameer Murtaza: Ich bin immer wieder verblüfft über die Fehleinschätzungen und die eurozentrische Sicht europäischer Politiker, dies gilt für Afghanistan wie auch den Arabischen Frühling.

Die islamisch-ideologischen Bewe­gun­gen, die sich ab 1928 bildeten, sind durch ihre bald hundertjährige karikative und politische Arbeit dermaßen tief in den arabischen Gesellschaften verwurzelt, dass es trotz der Negativerfahrungen ­eines ideologischen Staates wie dem Iran und der algerischen FIS klar war, dass sich nach Panarabismus und Sozialismus (die beide gescheitert sind), alle Hoffnung auf die islamischen Ideologen richten ­würde. Dass ist nun deren Zeit.

Hier ist also kein Raum, um kritisch den ideologischen Islam zu hinterfragen, hinter die Slogans zu blicken oder zu erkennen, dass viele islamische Fachbegriffe hier nur noch Schale ohne Substanz sind, und damit gefüllt werden können mit politischen Beliebigkeiten, so wie man es halt gerade braucht.

Raum hierfür ist erst, wenn die Ideologen scheitern sollten und keine Lösung für die Probleme ihrer Bevölkerung anbieten können. Dies wird aber auch der Religion insgesamt schaden, denn schließlich lautet ja das vollmundige Versprechen der Ideologen: Der Islam ist die ­Lösung. Bewähren sich jedoch die Ideologen, dann wird diese Realisierung des Islam seinen endgültigen Siegeszug ­fortsetzen.

Die Zukunft ist also aus menschlicher Sicht offen und spannend.

Islamische Zeitung: Lieber Muhammad Sameer Murtaza, vielen Dank für das Interview.

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