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“IZ-Begegnung” mit dem Musiker Mellow Mark über seine Musik und sein Leben

„Der Islam war für mich ein Schritt nach Vorn“

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(iz). Mellow Mark ist ein bekannter Musiker, der seit 2005 Muslim ist. Mit bürgerlichem Namen heißt er Mark Schlumberger; er hat den muslimischen Namen Daud [die muslimische Entsprechung von „David“] angenommen. Gerade wird sein drittes Album „Metropolis“ veröffentlicht, das erste, das er als Muslim eingespielt hat. Die IZ sprach mit ihm über seine Musik und seinen Weg zum Islam.

Angefangen mit Straßenmusik, entwickelte er sich zum versierten und auch renommierten Musiker. Mellow Mark ist durch seinen Islam wesentlich „bewusster“ in seiner Musik geworden. Er sieht sich selbst nicht als jemand an, der „muslimische Musik“ macht, sondern als einen Muslim, der Musik macht.

Islamische Zeitung: Daud, kannst Du etwas über dein bisheriges Leben und Deine musikalische Karriere erzählen?

Mellow Mark: Ich habe begonnen, Musik zu machen, als meine Eltern mit mir nach Bayreuth gezogen sind, weil ich dort zuerst noch keine Freunde hatte und in einer neuen Umgebung war. Ich habe damals angefangen, Gitarre zu spielen. Mein Interesse war nicht unbedingt, ein Instrument perfekt zu beherrschen, sondern Songs zu schreiben, Texte zu schreiben und Melodien selber zu machen, also kreativ zu sein. Deswegen habe ich mich nie zu sehr in ein bestimmtes Instrument vertieft, nur Klavier, Gitarre, Bass und Schlagzeug jeweils ein bisschen gelernt. Gitarre kann ich am besten, da hatte ich auch eine zeitlang Unterricht, und auch Gesangsunterricht. Ich habe dann angefangen, Straßenmusik zu machen und habe auch in verschiedenen Bands gespielt, dann aber gemerkt, dass ich eher meine eigene Musik umsetzen und nicht unbedingt Kompromisse machen möchte. Als Mellow Mark habe ich dann 1994 angefangen, meine eigene Musik zu machen; anfangs war das viel HipHop und Soul, was ich später dann mit Gitarre gemischt habe. 1996 bin ich nach Hamburg gezogen. Ich hatte damals Kontakt zu einem türkischen Rapper, dessen Musik ich produziert habe. Ich fand das sehr interessant, auch weil er viele muslimische Inhalte mit eingebracht hat. Die Gemeinschaft mit einem Muslim zu haben, ist glaube ich, auch wenn man es nicht direkt wahrnimmt, immer schon ein Einfluss. 1999 und 2000 habe ich dann bei dem Projekt „Loewenherz“ mitgewirkt, das damals viel im Fernsehen und in Zeitschriften war. Da ging es weniger um HipHop an sich, sondern mehr um poetische Texte verbunden mit Orchester-lastigen Beats. Als diese Phase vorbei war, habe ich eine kurze Zeit Straßenmusik gemacht, und dann kam das Mellow Mark-Ding. Es war beeinflusst von der Straßenmusik-Zeit und musikalisch eine Mischung aus Reggae, Ragga und Gitarrensongs. Mit der Zeit wurden die Songwriter- und Reggae-Einflüsse größer. Ich habe 2003 das erste Mellow Mark-Album veröffentlicht und bin im gleichen Jahr nach Berlin gezogen. Es war die Zeit nach dem Afghanistan-Krieg und kurz vor dem Irak-Krieg, es war ein, zwei Jahre nach dem 11. September; eine Zeit, die sehr politisch aufgeladen war, und daher wurde auch meine erste Platte sehr davon geprägt, obwohl ich mich eigentlich nicht als politischen Musiker sehe. Wir hatten mit dieser Platte unheimlich viel Erfolg, waren viel live mit der Band unterwegs und haben über hundert Konzerte im Jahr gemacht. Mit dem zweiten Album von 2004 haben wir versucht, musikalisch noch etwas draufzulegen. Das ist glaube ich auch gelungen, denn viele Leute finden das erste Album gut, das zweite aber musikalisch noch eine Spur weiterentwickelt. Nach dem zweiten Album waren wir auch noch einmal viel live unterwegs, auch international, und ich habe dadurch viel Erfahrung gesammelt. Ab Ende 2005 habe ich mich eine zeitlang sehr zurückgezogen, habe nur noch an neuen Songs gearbeitet und versucht, neue Einflüsse mit reinzubringen. Jetzt 2007 ist das neue Album da, es ist ein bisschen Songwriter, ein bisschen akustisch, mit einem Hauch von World Music, da ich auch mit Musikern aus dem World Music-Bereich gearbeitet habe. Reggae ist auf diesem Album nicht mehr vertreten.

Islamische Zeitung: Wann und wie bist Du dann zum Islam gekommen? Was hat jemanden wie Dich daran fasziniert?

Mellow Mark: Viele Leute benutzen dafür ja auch das komische Wort „konvertiert“, das ja auch für Computer-Files verwendet wird. In meinem Fall würde ich sagen, dass es in einer konstanten Entwicklung weiter ging. Den Islam anzunehmen, war ein großer Schritt in meinem Leben, aber es war in keinem Fall eine Umwandlung, sondern eher ein Schritt nach Vorn. So empfinde ich das. Dieser Schritt hat schon sehr lange in der Luft gelegen, er wurde aber ein bisschen verhindert durch die politische Situation, diese ganze Diskussion und die damit verbundene schwierige Position für Muslime in der Öffentlichkeit. Muslime haben es heutzutage schwer dadurch, dass es so viele Klischees gibt und so weiter. Ich war eigentlich schon früher zum Islam eingeladen und mein Herz hat auch sehr positiv darauf reagiert. Einerseits durch Bücher, andererseits durch den Kontakt mit Muslimen und letztlich auch durch die Muslime hier in meiner Umgebung ist es mir dann leicht gefallen, diese Entscheidung zu treffen.

Islamische Zeitung: Manche andere Musiker, die Muslime geworden sind, haben – zumindest zunächst einmal wie im Fall von Yusuf Islam – mit dem Musikmachen aufgehört. Hast Du dir diese Frage auch einmal gestellt?

Mellow Mark: Das ist eine gute Frage. Ich bin persönlich natürlich durch das Beispiel Yusuf Islam mit der Frage sehr schnell konfrontiert worden, Musiker zu sein in dieser Welt heutzutage, in dieser Branche, wo es sehr schwer ist, den Din in der Gesellschaft von Menschen auszuüben, die zum Beispiel Alkohol trinken oder ähnliches. Es gibt sehr viele schwierige Situationen auf diesem Weg. Ich bin aber schon relativ früh von meinen Mitmuslimen bestärkt worden, die mir gesagt haben: „Dein Talent ist dir von Allah gegeben worden, und es ist Deine Aufgabe, mit dem Schatz, den Allah dir geschenkt hat, dem Vermögen, das Allah in Deine Hände gelegt hat, nämlich Musiker zu sein, im Leben gut umzugehen und es nicht zu zerstören oder zu verhindern.“ Sie haben mich also darin bestärkt, meine Musik mit der richtigen Absicht weiterzuverfolgen, meine Musik Allah zu widmen und meine Texte und Songs auf dem Weg Allahs zu schreiben und zu singen. Und auch ein Du’a [Bittgebet] zu machen, dass Allah mir die richtigen Musiker schickt und die richtigen Gelegenheiten, Musik zu spielen, und dass Er mich beschützt vor den möglichen schlechten Einflüssen aus dieser Branche. Islamische Zeitung: Inwiefern hat sich Deine Musik und auch Deine Herangehensweise geändert, seitdem Du Muslim bist?

Mellow Mark: Ich bin viel bewusster und viel aufmerksamer geworden, so hoffe ich jedenfalls. Ich habe bei mir selbst gemerkt, dass ich viel dankbarer bin für Erfolge, für Arbeit, für schöne Momente, und dass ich viel stärker, zäher und widerstandsfähiger bin in schwierigen Momenten, die mit der Musik zusammenhängen, zum Beispiel bei langen Reisen, oder wenn das Publikum nicht reagiert oder der Sound sehr schlecht ist. Ich bin bei solchen Dingen sehr viel geduldiger und bescheidener geworden und gleichzeitig dankbarer für die schönen Momente. Natürlich haben sich auch meine Texte ein wenig verändert, aber es hat sich nicht geändert in dem Sinne, dass ich jetzt nicht mehr mache was ich will. Ich mache das, was ich will, und insofern ist es gleich geblieben, dass das, was ich mache, aus dem Herzen kommt und dass meine Texte und Musik immer spezielle Hintergründe haben, spezielle Erfahrungen, spezielle Erkenntnisse oder Gefühle, die ich selber hatte, die in der Musik enthalten sind.

Islamische Zeitung: Wie reagieren Deine Bandmitglieder, andere Musikerkollegen oder auch Deine Fans darauf, dass Du jetzt Muslim bist?

Mellow Mark: Die Reaktionen sind im Moment noch relativ wenige, weil ich ja auch nicht herumlaufe und der Welt groß verkünde „ich bin jetzt Muslim geworden, alles ist jetzt anders, ihr müsst jetzt auf mich reagieren“. Was mir aufgefallen ist, nicht nur bei mir selbst: Ich habe viele Leute eingeladen, zu uns ins islamische Zentrum zu kommen und mit Muslimen mal zu reden, ich habe viele von meinen Freunden eingeladen. Sehr viele von den langjährigen und sehr engen Freunden reagieren nicht auf die Einladung und kommen überhaupt nicht, während andere, die man erst seit kurzem kennt, die man vielleicht sogar nur spontan getroffen und eingeladen hat, oft viel interessierter sind und dann auch öfter vorbeikommen. Vielleicht liegt das daran, dass in den Köpfen der Leute ein bestimmtes Bild von mir ist und es für sie schwer ist, ein neues Bild von mir anzunehmen; während die Leute, die mich gerade erst kennen lernen, dieses Bild von Anfang an bekommen. Meine Familie hat sehr positiv reagiert, und die Leute in meiner Band sind eigentlich alle sehr offen und nicht negativ. Mir ist wichtig, dass meine Musik grundsätzlich weiterhin für alle Menschen ist, aber da ich selber auch Muslim bin, wird die Musik für Muslime noch viel intensiver, lebendiger und viel besser verständlich sein, und die Texte auch. Ich glaube und hoffe, dass die meisten jungen Muslime und vielleicht auch einige von den älteren sich in dieser Musik auch wiederfinden und etwas damit anfangen können. Gleichzeitig ist die Musik aber auch für alle anderen Menschen gedacht, einfach nur, um Musik zu hören. Es ist keine speziell muslimische Musik, sondern ein Muslim, der Musik macht.

Islamische Zeitung: Dein neues Album ist ja musikalisch anders als die vorherigen. Kannst Du etwas mehr darüber erzählen?

Mellow Mark: Im Prinzip habe ich in meinen Texten vielleicht ein neues Level erreicht, weil ich sowohl Muslime als auch Nichtmuslime mit meinen Songs erreichen möchte. Ich möchte den Leuten nicht das Gefühl geben, eine politische Meinung zu verbreiten, wie das früher oft bei mir der Fall war, sondern mir geht es als Künstler darum, meine Gefühle mitzuteilen, die ein verschiedenen Momenten verschieden sind. Ich würde sagen, dass das Album eher poetischer geworden ist, und zeitloser. Beim neuen Album ist alles anders und auch nichts. Alles ist anders, weil die Zeit weitergegangen ist; jedes Album steht für eine bestimmte Zeit und jeder Künstler macht zu einem bestimmten Zeitpunkt bestimmte Gefühle, Gedanken und Erfahrungen durch, und die spiegeln sich dann in dem Album. Dadurch ist dieses Album eben anders. Gleichzeitig ist es so, wie ich mich sonst auch ausgedrückt habe, nur dass es eben in diesem Zeitrahmen entstanden ist und mit dem Hintergrund, dass ich Muslim geworden bin. Ich hatte mich lange Zeit zurückgezogen und zwei Jahre an diesem Album gearbeitet, es steckt sehr viel Zeit und Liebe darin. Im Vergleich zu den anderen Alben ist es kein Mix von verschiedenen Rhythmen, sondern hat einen durchgehenden Sound und eine durchgehende Stimmung, es ist homogener. Heute laden sich Leute oft einzelne Songs herunter oder machen sich Mix-CDs, bei diesem Album lohnt es sich aber, es zu besitzen und es sich ganz anzuhören. Es ist ein Kunstwerk aus einem Guss.

Islamische Zeitung: Du hast kürzlich auch ein Konzert in Marokko gegeben. Welche Erfahrungen hast Du dabei gemacht?

Mellow Mark: Mein Konzert in Marokko kam dadurch zustande, dass ich in letzter Zeit viel mit zwei Musikern aus dem Maghreb zusammengearbeitet habe, nämlich Momo Djender und Rhani Krisha. Das Festival in Zagora ist ganz neu, Rhani Krisha und Momo Djender waren dort vertreten, und als eine Band, die dort spielen sollte, ausfiel, haben sie empfohlen, mich dorthin zu holen. Wir mussten uns kurzfristig innerhalb von zwei Tagen entscheiden und los fliegen. Solche Dinge sind mir selten passiert, als ich noch nicht Muslim war, aber dadurch, dass eben auch ein so enges Verhältnis unter uns besteht, ist es so gekommen. Wir sind dort sehr gut angekommen und waren sehr beliebt. Eine Band aus Deutschland, aus Europa, die aber mit einem muslimischen Sänger dort auftritt, das war glaube ich eine ganz interessante Mischung. Es waren sehr viele Leute auf diesem Festival, vielleicht 5.000 oder 6.000, und die Stimmung war extrem gut. Die Leute haben gerufen, Sprechchöre gemacht, haben uns auf der Straße angesprochen. Wir sind dort sehr nett aufgenommen worden. Es lag glaube ich einfach daran, dass wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren. Alhamdulillah, ich bin sehr dankbar dafür, dass wir die Reise machen durften und dann auch noch so gut bei den Leuten angekommen sind. Ich wünsche mir noch mehr Kontakt zu anderen muslimischen Musikern, denn es ist noch einmal eine ganz besondere Ebene, wenn man zusammen das Gebet macht und dann auch zusammen Musik macht und auf die Bühne geht. Beim Musikmachen kommt es sehr viel darauf an, dass man mit seinen Musikern gut harmoniert, und Muslime untereinander, so verschieden sie sind, haben eben doch den gemeinsamen Nenner des Islam und zum Beispiel auch das gemeinsame Gebet, und das verbindet und hilft unglaublich, auch dabei, zusammen Musik zu spielen oder einen Auftritt zu machen.

Islamische Zeitung: Was hast Du dir für die nächste Zeit vorgenommen?

Mellow Mark: Mein neues Album erscheint am 10. August [die IZ führte das Gespräch vor diesem Zeitpunkt], im Moment ist noch die Zeit der Geburtsvorbereitungen – die Wehen haben schon eingesetzt, und wir bemühen uns, das Baby zur Welt zu bringen. Die Single „Metropolis“ ist bereits erschienen, und wir hoffen, dass die Radios sie häufig spielen werden. Auf meiner Myspace-Seite (www.myspace.com/mlomark) kann man sich auch kostenlos Lieder von mir anhören. Wir haben im August eine Straßenmusik-Tour geplant, man kann das auf meiner Internet-Seite www.mellowmark.de verfolgen. Im Herbst wollen wir viele Konzerte spielen und ich hoffe, dass sich das Album gut verbreitet. Vor kurzem hat Nena ein Lied von meinem letzten Album auf ihr eigenem Album veröffentlicht, in einer eigenen Version, das ist für mich natürlich ein Kompliment. Ich hoffe auf viele Auftritte und auf die Möglichkeit, mehr Muslime in Deutschland und in der Welt kennen zu lernen, und dass auch Muslime sich meine Musik anhören und hoffentlich gut darauf reagieren.

Islamische Zeitung: Lieber Daud, vielen Dank für das Gespräch!

Die neue CD von Mellow Mark „Metropolis“ ist bei Homeground Records veröffentlicht worden.

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