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„Ich bin stolz auf mein Land“

„IZ-Begegnung“ mit dem Schriftsteller Feridun Zaimoglu über Istanbul, die Türkei und deutsch-türkische Traditionen

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Foto: Feridun Zaimoglu beim IZ-Symposium „Muslimische Identitäten in Europa“ im September 2014

(iz). Im September erschien der neue Roman „Siebentürmeviertel“ von Feridun Zaimoglu. Er handelt von einem kleinen deutschen Jungen, der in der Türkei aufwächst, weil sein Vater aus dem Dritten Reich flüchten musste. Es ist aber auch eine Geschichte über das alte Istanbul. Mit Zai­moglu sprachen wir über Flucht, die syrischen Flüchtlinge in der Türkei und das heutige Istanbul.

Islamische Zeitung: Herr Zaimoglu, Ihr vielbeachteter neuer Roman „Siebentürmeviertel“ handelt von einem deutschen Jungen, der gemeinsam mit seinem Vater aus dem Dritten Reich flüchtet und in Istanbul, im Siebentürmeviertel aufwächst. Wie kam es dazu zu diesem Roman?

Feridun Zaimoglu: Die Eltern meiner Eltern, also meine Großeltern mütterlicher- und väterlicherseits sind Heimatvertriebene. Sie sind geflohen aus dem Kaukasus zur Zeit der stalinschen Deportationen mütterlicherseits, und väterlicherseits die Großeltern sind Bulgarienflüchtlinge. Man muss sich vorstellen, dass – ich spreche dann immer von dem postimperialen Trauma – das Reich zerfällt und schrumpft zu einem Kernland und dort treffen sich sozusagen die Flüchtlinge aus aller Welt. Und das Wissen um die 1200 bis 1500 deutsche Flüchtlinge zur Zeit des Dritten Reiches, dieses Wissen gehörte gewissermaßen zum Wissensschatz bei uns in der Großfamilie.

Ich habe mich daran erinnert und dann kam ich sehr schnell darauf, auch diese Geschichte aufzuschreiben. Es ist bei mir immer so, am Anfang ist eine Idee, dann gärt es in mir, dann mache ich mir Notizen. Es hat also Wochen gedauert, bis ich erstens dachte, ja Mensch, ich möchte nicht die Erzählerperspektive haben, sondern es muss eine aus der Ich-Perspektive geschrieben sein, es muss ein Deutscher sein, ein deutsches Kind, es muss in dieser Zeit sein, in dieser goldenen Zeit, da viele Menschen verschiedener Herkünfte und verschiedener Glaubensanschauungen und –Richtungen auf engstem Raum gelebt haben.

Mein Vater ist gebürtiger Siebentürmler. Dort hat er seine Kindheit und seine Jugend verbracht. Und ich möchte nicht die gängigen Istanbulbilder bedienen. Ich möchte nicht die Schauplätze zeichnen, nicht die Orte, an denen sich das Bürgertum bzw. das Großbürgertum austobt. Und so kam das eine zum anderen.

Islamische Zeitung: Wie haben Sie recherchiert, was waren Ihre Quellen, um ein authentisches und realistisches Bild vom Istanbul der 30er und 40er Jahre zu schaffen?

Feridun Zaimoglu: Meine erste Quelle war mein Vater, der gebürtiger Istanbuler ist bzw. die Leute im Siebentürmeviertel sagen nicht, wir sind Istanbuler, sondern wir sind Siebentürmler. Da war ich natürlich angestoßen eine richtige Recherche vorzunehmen, auch Geschichten gegenzuchecken, ob sie denn tatsächlich stimmen, denn es ist so eine Sache mit dem Erinnerungsvermögen. Also war ich in Istanbul vor ungefähr fünf Jahren und habe viel Zeit verbracht im Stadtarchiv. Denn das wichtigste, also die größte Herausforderung war zwar mich zu verwandeln in ein deutsches Kind, aber ich musste natürlich auch diese Zeit, diese Jahre ausleuchten. Also habe ich mir vorgestellt, ja vieles ist ja verschwunden, musste ich also diese Stadt nochmal aufbauen im Geiste. Also habe ich da die Magazine der damaligen Zeit durchgeblättert, ich habe die Inserate, die Anzeigen in den Magazinen, die Zeitungen gelesen. Die Zeitzeugenberichte, darin gewühlt. Ich habe Sachbücher gelesen. Ich habe mir ein Bild machen müssen und können über die gesellschaftlichen Ereignisse damals, auch so einfach Sachen wie, wie sah das in der Straßen aus, was wurde dann Jahre später abgerissen. Das alles musste ich recherchieren, aber das war dann zwar nicht einfach, aber es war möglich. Erst danach ging das Abenteuer los, nämlich die Verwandlung in einen deutschen Jungen.

Islamische Zeitung: Da Sie seit einigen Jahren unter Flugangst leiden, waren aber die Reisen nach Istanbul nicht so einfach für Sie, denn Sie sind mit dem Bus in die Türkei gefahren.

Feridun Zaimoglu: Es ist natürlich eine harte Reise. Man steigt nicht ins Flugzeugt und ist nach ein paar Stunden dort und kann loslegen. Im Grunde genommen fängt es schon mit dem Einstieg in den Bus an. Wir waren in diesem Bus eine eingeschworene Gemeinschaft. Das Ganze dauert zwei Tage und zwei Nächte. Man fährt durch den halben Balkan. Und als ich ankam, hatte ich geschwollene, also richtig geschwollene Waden. Ich brauchte ein paar Tage, damit sie wieder abschwellen. Auf der Rückreise habe ich dann gedacht mir Trombosestrümpfe zu kaufen. Sieht nicht gut aus, aber ich kam dann mit schlanken Waden an.

Ich sage immer, was schlecht für mich ist, ist gut für den Roman. Es ist also mit vielen Strapazen verbunden. Immer wieder bin ich kurz eingenickt. Wenig Schlaf und auf engstem Raum, dann irgendwie sich zu Recht zu finden, das war schon hart. Aber ich habe dann auf der Anreise schon begonnen mich nicht auf das heutige Istanbul, sondern auf das Istanbul der damaligen Zeit einzustimmen. Insofern als das ich ja am eigenen Leibe diese Verlangsamung der Zeit erlebt habe. Es klingt vielleicht etwas seltsam, aber ich musste mir ja über einige Sachen klar werden. Ich musste mir klar werden, dass damals – das klingt vielleicht banal –die wenigsten in diesem Arme-Leute-Viertel in Istanbul ein Auto hatten, sondern entweder mit dem Bus oder zu Fuß unterwegs waren. Also Verlangsamung, so dass ich, als ich in Istanbul ankam, ziemlich lange und große Gewaltmärsche gemacht habe. Ich wollte ja nicht in eine Komfortzone vorstoßen. Ich sage immer, schreiben ist auch in der Vorbereitung ein Behaglichkeitsverlust. Aufgabe des Ichs, Selbstverlust, nur so geht es. Also während der Busreise fing ich an zu entfärben, fing ich an zu schrumpfen, fing ich an weniger zu werden.

Islamische Zeitung: Was hat sich im Siebentürmeviertel verändert, wenn man heute durch dieses Viertel geht?

Feridun Zaimoglu: Man könnte, wenn man heute durch die Gassen und Straßen schlendert, meinen es hat sich nicht viel geändert. Man sieht die morschen und windschiefen Holzhäuser. Man sieht kleine Moscheen mit kleinen Friedhöfen. Man sieht Menschen verschiedener Herkünfte. Als ich vor ein paar Monaten wieder in Istanbul war, habe ich festgestellt, dass man mit dieser alten Tradition nicht gebrochen hat. Ich sah syrische Flüchtlinge, ich sah Roma-Familien, die in diesen Holzhäusern untergebracht worden sind. Sehr lustig war es, dass türkische Kurden syrische Kurden als Apachen bezeichnet haben, und sagten, sie machen uns jetzt schlecht. Da kommen diese wilden Apachen und wir müssen denen doch mal beibringen, wie es ist. Es kommt also zu sehr lustigen Effekten, wirklich lustig, deswegen weil man dann nichts dabei findet, wenn zum Beispiel – man nennt sie unsere neuen Türken oder Afro-Türken – wenn afrikanischstämmige Menschen im fließenden Türkisch – ich habe sie nämlich nach dem Weg gefragt – einem erzählen, wo es langgeht.

Aber natürlich muss man nur kurz um die Ecke biegen, und schon entdeckt man einen Reiche-Leute-Bunker. Ich finde es immer schwierig bis nicht gut und zuweilen Verabscheuungswürdig, wenn man die Armen vertreibt. Ich habe feststellen müssen, dass leider in Istanbul unter dem Deckmantel der Modernisierung ganze Viertel eingeebnet werden, und das man die Originale durch Imitate ersetzt. Das sieht natürlich furchtbar aus. Es ist einfach schlechter Geschmack.

Es ist immer so, dass die Armen vertrieben werden. Sie können nicht mehr wieder kommen. Wir sprechen von sogenannten gated communities, also bewachten Reiche-Leute-Siedlungen, die dann für die alten Anwohner nicht mehr zu betreten sind. Sie sind plötzlich in ihrem eigenen Viertel unerwünscht und sie gelten als Unbefugte, die in der Peripherie in irgendwelchen Plattenbauten unterkommen.

Islamische Zeitung: Passend zu aktuellen Debatten in Deutschland spielt Flucht eine wichtige Rolle in Ihrem Roman. War das nur ein Zufall oder so beabsichtigt?

Feridun Zaimoglu: Wenn man mich fragt, wovon mein Roman handelt, dann sage ich, dies ist eine Geschichte der Heimatfindung. Man kann vielleicht von diesem Begriff der Heimatfindung oder von dem Versuch ein sicheres Land anzusteuern den Sprung machen zu den heutigen Flüchtlingen. Tatsächlich habe ich in Istanbul sehr viele syrische Flüchtlinge gesehen. Viele sagten, wir sind dankbar, dass man uns hier aufgenommen hat. Viele hatten wirklich sehr traurige, brutale Geschichten zu erzählen. Sie sind geflohen, weil sie gestorben wären, wenn sie da geblieben wären. Das muss man sich vor Augen halten. Aber erst mal haben sie ihre Dankbarkeit ausgedrückt, dass die Türkei sie aufgenommen hat. Aber sehr viele, ich traf auf sehr viele, die sagten, wir sind auf der Durchreise. Wir wollen nach Europa. Wir wollen ins Herzland Europas. Wir wollen nach Deutschland bzw. wir wollen nach Schweden.

Islamische Zeitung: In einem leidenschaftlichen Debattenbeitrag für die FAZ hatten Sie diejenigen kritisiert, die bemängelten, dass Deutschland keine Willkommenskultur habe.

Feridun Zaimoglu: Ich bin stolz auf mein Land, auf Deutschland, weil die Menschen hier – ohne jetzt großen Wind zu machen – tatsächlich die Flüchtlinge aufgenommen haben. Man sagt immer Ehrenamtliche, aber was steckt denn dahinter? Das sind Menschen, die Tag und Nacht im Einsatz waren und denen es überhaupt nicht darum ging gelobt zu werden. Sie waren zur Stelle. Sie haben geholfen. Und die großherzigen Menschen, ich spreche von Tausenden und Abertausenden, von guten Menschen, die gilt es zu loben. Und ich war sehr befremdet als Menschen aus ideologischen Gründen, Menschen ohne Bodenhaftung, dies alles übergangen haben und glaubten feststellen zu müssen, dass es in Deutschland keine Willkommenskultur gäbe. Das ist ein Fremdwort, damit kann ich nichts anfangen. Ich spreche lieber von der Gastfreundschaft der Deutschen.

Das Andere ist allerdings, dass man bitte schön sehr vorsichtig sein soll, und viele haben das nicht gemacht, jene als fremdenfeindlich und als Nazis hinzustellen, wenn sie Ängste hatten. Wir sprechen davon, dass Hunderttausende Menschen von heute auf morgen durch die Schranken gebrochen sind. Es gab keine Vorbereitungszeit. Die Frau Bundeskanzlerin hat es gemocht das Volk, die Bevölkerung nicht darüber zu unterrichten. Und das viele Menschen sauer sind, weil man sie auf gut Deutsch veräppelt, das kann ich sehr sehr gut verstehen. Ich habe fast jeden Tag einen Auftritt, ich komme sehr viel herum. Da hatte ich auch die Gelegenheit mit vielen Menschen zu sprechen. Ich würdige die Gastfreundschaft, die ungebrochene Gastfreundschaft der Menschen und ich verstehe völlig – und nennen wir das Kind beim Namen – die Überschwemmungsängste der Menschen hier, die sagen, wir wurden überrumpelt. Man hat uns nicht aufgeklärt, man hat uns nicht gesagt und sagt es immer noch nicht, wohin das führen soll. Müssen wir uns jetzt schämen, müssen wir uns jetzt immer sagen lassen, dass wir provinziell sind, dass wir uns jetzt verschanzen wollen? Darum geht es doch nicht. Es ist doch erstaunlich, dass viele fremdstämmige Deutsche genau dieselben Bedenken und Befürchtungen hatten. Darauf wurde dann – wie es Politiker ja immer tun – seltsam eingegangen, und man hat dann gesagt, ja wir sehen die Ängste der einfachen Menschen und wir wollen was dafür tun, aber im Grunde genommen wurde eine Überrumpelungstaktik vollzogen. Damit kann ich natürlich auch nicht einverstanden sein.

Islamische Zeitung: Sie waren zwecks Recherche oft in Istanbul. Istanbul ist eine pulsierende Metropole. Was waren Ihre Eindrücke? Was sind die großen gesellschaftlichen Herausforderungen dort?

Feridun Zaimoglu: Ich muss zunächst einmal feststellen, dass ich kein Türkei- und Türkenexperte bin. Und mit Türken meine ich die echten, die klassischen Türken in der Türkei. Ich finde es eigenartig, wenn hier in Deutschland Menschen sich andienen als Türkeiexperten und ziemlich pauschalisieren. Egal ob sie jetzt sich einverstanden erklären mit den Verhältnissen dort oder das hart kritisieren.

Es gibt tatsächlich einige kritikwürdige Entwicklungen. Dieses ist aber leider überliefert. Das ist jetzt keine Entwicklung, die erst die letzten 10, 12 Jahre sich vollzogen hat. Ich sehe einen gewissen Grobianismus, ich sehe den Abschied von der Feinheit, ich sehe den Hang zum Simplifizieren, ich sehe den Hang die Menschen in ihren Komplexen und ihrem Größenwahn zu bestätigen. Ich sehe vornehmlich in Istanbul, dass man zwar viel von der Vergangenheit spricht und viel davon spricht, die „Hinterlassenschaft unserer Ahnen“ zu erhalten, aber das verträgt sich nicht mit der brutalen Zerstörung historisch gewachsener Viertel. Das verträgt sich nicht mit dem schlechten Geschmack bestimmter Frömmler. Ich mache den Unterschied zwischen den Gläubigen und jenen Frömmlern, denen es ja völlig egal ist, was jetzt da passiert. Sie haben einen recht brutalen Zugang zu der Realität.

Also die große Gefahr ist die Politik der brutalen Abrissbirne. Man muss ja nicht gleich über die große Politik sprechen. Man kann sich das anschauen, was da passiert in Istanbul. Wir sprechen – Himmel Herr Gott – von der ehemaligen Reichskapitale, wir sprechen von der Hauptstadt zweier Weltreiche, und wir sprechen in diesem Zusammenhang auch von der Zerstörung großartiger Bauten, Viertel und stattdessen baut man irgendwelche Klötze hin und möchte – und das ist meine große Kritik –aus Istanbul eine Hauptstadt machen, die dann charakterlos wird. Also mittlerweile hat man es mit Touristenghettos zu tun.

Man glaubt Modernisierung sei es, wenn man gewissermaßen die üblichen internationalen Geschäfte ruft, wenn sie dort ihre Geschäfte und Läden haben, so dass meinetwegen Istanbul aussieht wie Düsseldorf oder wie New York. Was ist das denn? Man kann – und das ist die große Heuchelei – auf der einen Seite sagen, wir wollen das erhaltenswürdige erhalten, und auf der anderen Seite aber Politik für die groben Reichen machen, die ihre Reiche-Leute-Bunker bauen. Mittlerweile gibt es ja eine völlig andere Skyline. Wie kann das sein, dass man eine Metrobrücke bauen kann, die sich wie ein Rammbock in das organische Gewebe des Viertels Süleymaniye ragt. Man muss nur herumgehen und mit den Menschen sprechen.

Wir zerstören die Stadt Istanbul, wir zerstören all das, was in Jahrhunderten gewachsen ist. Ich meine damit nicht eine Musealisierung, aber man setzt da Bausünden hin, für die man sich vielleicht heute noch nicht schämt, aber was weg ist, ist weg. Und dann kommt das große Gejammer in 10, 20 Jahren: Was haben wir getan! Und jene, die sich dagegen aussprechen, die das erhalten wollen, die werden beschimpft als Agenten fremder Mächte. Komisch, das finde ich sehr sehr komisch. Das ist etwas, was in der türkischen Republik von Anfang an gegeben hat. Also die Zerstörungswut, die Verarschung der Armen, die völlige Arroganz auch der Regierenden, und so kann es für mich als einer, der kein Türkeiexperte ist, als einer, der nur seine Einblicke und Eindrücke in Worte fassen kann, so kann es für mich nicht in Ordnung gehen, wenn ich zerstörte Viertel sehe und nur Kopistenoasen und Imitate erblicke. Das macht mich traurig.

Islamische Zeitung: Nicht selten hat man in Deutschland das Gefühl, dass die hier lebenden türkisch- und kurdischstämmigen Menschen sehr beeinflusst sind vom politischen Klima in der Türkei. Das führt dann auch mitunter zu populistischen Ausfällen gegen die Gesellschaft, in der man lebt.

Feridun Zaimoglu: Also die Türkisch- und Kurdischstämmigen hier in Deutschland, die dem deutschen Staat zum Beispiel vorwerfen, sie würden im Vergleich zur Türkischen Republik nur wenige Leute aufnehmen und trotzdem sich so anstellen, die bleiben nicht bei der Wahrheit. Denn würden sie bei der Wahrheit bleiben, würden sie sagen, ja sie werden zwar aufgenommen, die syrischen Flüchtlinge, aber was ist denn mit staatlichen Hilfsleistungen? Also hier hilft man den Leuten auch. Ich finde es über allen Maßen ärgerlich, dass man hier, dass die hier lebenden Türkisch- und Kurdischstämmigen, zu feigen sind zu sagen: wir sind hier geboren, wir sind hier aufgewachsen, das ist unser Land. Viele sind feige, das festzustellen. Dass diese jetzt die Konflikte des Landes ihrer Eltern hier austragen, sich dafür interessieren, da fällt mir nur ein: man kann doch nicht hier in Deutschland leben und von Teilhabe und Teilnahme sprechen, und aber andererseits sich herzlich wenig darum schären und so tun, als wäre das Urlaubsland, das Land der Eltern immer noch gewissermaßen die Heimat. Man kann darin eine Art Schizophrenie oder Heuchelei erkenn. Ich bevorzuge da eher das Wort Heuchelei. Das geht so nicht.

Es wäre schlecht, und das finde ich auch nicht in Ordnung, einfach mit der Vergangenheit, als mit dem Land der Eltern zu brechen, auf diesen Reichtum zu verzichten, so meine ich das nicht! Was ich meine ist, man möchte auf allen Hochzeiten tanzen. Man möchte hier nicht etwa sagen, was interessiert mich bitte schön, was dort passiert. Gut, als politisch denkender Mensch kann es mich interessieren, dann aber bin ich einer, der auf die Verhältnisse dort blickt, und sich dann eine Meinung bildet. Aber hier geht darum, dass viele Deutschtürken und Deutschkurden glauben, sie seien im Grunde genommen auch in die Konflikte eingebunden, und das kann nicht gut sein für den sozialen Frieden hier.

Islamische Zeitung: Lieber Herr Zaimoglu, wir bedanken uns für das ­Gespräch.

 

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Eren Güvercin

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