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IZ-Reihe: Bekannte Muslime. Von Yasin Alder

Nana Asma’u

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(iz). Nana Asma’u, möge Allah ihr barmherzig sein, lebte von 1793 bis 1864 im Bereich des nördlichen heutigen Nigeria und war die Tochter des großen Schaikh ‘Uthman Dan Fodio. Sie war islamische Gelehrte, Beraterin ihres Vaters, Lehrerin und Dichterin und wurde zum Vorbild für viele muslimische Frauen. Ihr Andenken ist noch heute in der Region und im ganzen subsaharischen Afrika lebendig.

Schaikh ‘Uthman Dan Fodio, islamischer Gelehrter und Schaikh einer Qadirija-Sufi-Tariqa, leitete ein dynamisches muslimisches Gemeinwesen mit Zentrum in Sokoto, das – wie sein Name – in jener Zeit und danach weit über Afrika hinaus Berühmtheit erlangte. Diese Gemeinschaft widmete sich der Wiederbelebung und Umsetzung der authentischen islamischen Lebensweise, der Sunna, wie sie vom Propheten Muhammad, möge Allah ihn segnen und ihm Heil schenken, und den frühen Generationen in Medina, der Stadt des Islam, vorgelebt worden war. In großer Bescheidenheit lebend und mit viel Fleiß arbeitend, widmete die Gemeinschaft unter Leitung von Schaikh ‘Uthman Dan Fodio sich der Verbreitung des Islam, der Etablierung der islamischen Gesetze und der authentischen Lebensweise und ging gegen unislamische Bräuche und Praktiken vor, die aus vorislamischen schwarzafrikanischen Traditionen stammten, etwa im Bereich magischer und abergläubischer Praktiken, welche auch unter Muslimen noch weit verbreitet waren.

Nana Asma’u, die des Arabischen sowie der regionalen Sprachen Haussa, Fulfulde und Tamaschek mächtig war, war im politischen, sozialen und Bildungsbereich tätig und spielte eine maßgebliche Rolle im Rahmen der muslimischen Gemeinschaft ihrer Zeit. Sie war sogar Augenzeugin in mehreren Schlachten, über die sie später in ihren Schriften berichtete. Gleichzeitig managte sie einen Haushalt, der mehrere hundert Personen umfasste. Nana Asma’u wie auch die Lebenswirklichkeit der Frauen in ihrer Umgebung widerlegen das Klischee, dass muslimische Frauen im öffentlichen Leben und innerhalb der muslimischen Gemeinschaften keine Rolle spielten, ja davon ausgeschlossen seien. Das Gegenteil war der Fall. Sie unterrichtete sowohl Frauen als auch Männer in islamischem Wissen und stand in Kontakt mit anderen Gelehrten im gesamten subsaharischen Raum. Als weibliche islamische Gelehrte war sie im muslimischen Afrika jedoch keinesfalls eine Ausnahme, vielmehr führte sie eine Tradition fort, die viele andere gelehrte Frauen umfasste und weit zurückreicht. Der Sitz der muslimischen Gemeinschaft unter der Leitung von Schaikh ‘Uthman Dan Fodio war zunächst der kleine, ländliche Ort Degel, nahe Gobir im nordwestlichen heutigen Nigeria. Der Schaikh, der auch viele bedeutende schriftliche Abhandlungen verfasst hat, begann von dort aus ab etwa 1774, den Islam zu verbreiten und gegen unislamische Bräuche und Verhaltensweisen vorzugehen. Schon bald geriet die Gemeinschaft des Schaikh in Konflikt mit den Königen von Gobir, deren mit unislamischen Praktiken durchsetzte Lebens- und Regierungsführung nicht zu übersehen war. Als es zu Unterdrückung und Ausschreitungen kam, unternahm Schaikh ‘Uthman Dan Fodio mit seinen Leuten eine Auswanderung (Hidschra) in eine abgelegenere Region. In der folgenden Zeit kam es auch zu kämpferischen Auseinandersetzungen, zum Dschihad, seitens der Muslime unter Führung des Schaikh.

Nana Asma’u erhielt eine klassische islamische Ausbildung und Erziehung im Sinne der besten muslimischen Charaktereigenschaften. Nach dem Tode ihres Vaters übernahm ihr Halbbruder Muhammad Bello, selbst ein herausragender Gelehrter, die Führung. Er begründete im Zuge der kriegerischen Auseinandersetzungen das Khalifat von Sokoto, das eine weite Ausdehnung erreichte. Auch Nana Asma’us Mann Gidado Dan Laima war Gelehrter und später Wazir des Khalifats von Sokoto. Die Wichtigkeit der islamischen Bildung und Ausbildung breiter Bevölkerungsschichten nahm zu jener Zeit gerade bei den Sufi-Tariqas eine große Bedeutung ein. Als Nana Asma’u in den Dreißiger Jahren ihres Lebens war, begann sie, weibliche Lehrerinnen auszubilden. Ihre Rolle als führende Persönlichkeit unter den Frauen war fest etabliert, als sie 40 war, und sie als „Uwar Gari“ (Mutter von allen) bekannt war. Sie bildete vor allem Frauen aus, die bereits die Jahre des Kinderaufziehens hinter sich hatten und so frei reisen konnten, oder solche, die noch nicht verheiratet waren. Diese Schülerinnen wurden „‘yan-taru“, weibliche Schüler, genannt und von weibilichen Lehrerinnen angeleitet, die Nana Asma’u bestimmt hatte. Diese Schülerinnen wiederum verbreiteten ihr angeeignetes Wissen unter ihren Schwestern in ihren Nachbarschaften. Die Inhalte umfassten etwa die Unterweisung im Qur’an, den Gebeten über Beschreibungen historischer Sufi-Frauen, Berichte über siegreiche Schlachten, Nachrufe auf fromme Persönlichkeiten und eine Biographie des Propheten Muhammad. Viele der von Asma’u verfassten Gedichte und Verse sind im Grunde Lehrgedichte. Diese Art der Wissensvermittlung hat im Islam eine wichtige Tradition, da durch die gereimten Verse das Wissen leichter auswendig gelernt werden und mündlich weitergegeben werden konnte. Die Schülerinnen lernten aber nicht nur mündlich, sondern sie lernten auch das schreiben, und kopierten so auch Lehrtexte und Werke. Nach ihrer Ausbildung unterrichteten sie andere Frauen in den Häusern und gaben ihr Wissen an ihre Kinder weiter. So verbeiteten sich Bildung und Wissen unter den Frauen, und die Frauen wurden im Sinne der muslimischen Gemeinschaft zu bewussten Musliminnen gebildet, deren Leben, wie das der Gemeinschaft insgesamt, auf Allah ausgerichtet war, und zwar auch im alltäglichen Leben und Arbeiten. Der Glaube und das rechte Handeln eines Menschen waren wichtiger als Reichtum oder politische Errungenschaften. Das Leben von Nana Asma’u und ihrer Gemeinschaft sowie ihr poetisches Werk mit ausgewählten Übersetzungen kann in einem sehr empfehlenswerten und preisgünstigen Taschenbuch, verfasst von den Wissenschaftlerinnen Mack und Boyd, nachgelesen und nachempfunden werden. (Von Yasin Alder)

Literaturhinweis: Mack, Beverly B. und Jean Boyd: One Woman’s Jihad. Nana Asma’u, Scholar and Scribe. Indiana University Press, 2000. ISBN 0-253-21398-3 (auch z.B. über amazon.de erhältlich)

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