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Wie den Ramadan zu Ende bringen?

IZ-Reihe über den Alltag der Muslime in ­Deutschland

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Öffentliche Ramadanzelte (hier Hamburg) werden zu einer deutschen Tradition.
Foto: IHG Hamburg

(iz). Inmitten der Vorfreude begann der Ramadan und wir warfen uns in die Anbetung: Fasten, Qur’anlesen, das Tarawwih-Gebet und so viele nützliche Handlungen, wie sie uns jemals möglich sind. Allzu schnell erscheint der Vollmond am Himmel. Der Monat ist halb vorbei und unsere Gedanken wenden sich den letzten zehn Tagen des Ramadan zu.

Der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte, dass die Handlungen ihren Wert in ihrem Ende finden. Die letzten Tage des Fastenmonats werden die wichtigsten für jeden Einzelnen sein. Sie sind das Siegel des Monats. Allah blickt am stärksten auf sie, um zu sehen, ob unsere Absicht rein und unsere Entschlossenheit stark genug war.

Der Prophet, Allahs Heil und Segen auf ihm, sagte in einem bekannten Hadith: „Handlungen sind wie ein Gefäß. Ist der obere Teil gut, wird der untere Teil gut sein. Aber wenn der Anfang verdorben ist, wird der Boden ebenfalls verdorben sein.“ Im Siegel einer Handlung offenbart sich die wahre Absicht einer Person; wenn die Handlung nicht länger so leicht ist, wie sie zu Beginn gewesen sein mag. Das gilt für das Ende des Ramadan, wenn die Tage des Fastens und die Nächte im Gebet ihren physischen Preis fordern und das Energieniveau absinkt. In diesem Augenblick, wenn es schwierig wird, kommt der wahre Kern einer Person ans Tageslicht.

Allah sagt im Qur’an: „Sie möchten ­Allah und diejenigen, die glauben, betrügen. Aber sie betrügen nur sich selbst, ohne zu merken.“ (Al-Baqara, 9) Möge Allah uns davor bewahren und uns die wahre Aufrichtigkeit in allen Handlungen geben. Möge er uns die Stärke gewähren, unsere Anstrengungen zu verdoppeln, statt nachzulassen. Unsere Meisterin ‘Aischa, möge Allah mit ihr zufrieden sein, überlieferte: „Der Prophet strengte sich in den letzten zehn Nächten des Ramadan stärker an als im restlichen Monat.“

Muslime sollten den Monat gut abschließen. Nicht einfach nur darauf warten, dass er zu Ende geht. Wir sollten gerade die letzten Augenblicke nutzen und sie mit Handlungen füllen, die Allah am meisten zufriedenstellen. Wir sollten unseren Gast im gleichen Ton verabschieden, in dem wir ihn begrüßten.

Für Muslime ist das Ende des Ramadan nicht nur eine Quelle der Traurigkeit. Es ist obendrein ein Anlass zur Freude. Denn es ist an diesem Tag, an dem wir eine der größten Handlungen der Anbetung abschließen, die Allah für ebendiese Umma vorgeschrieben hat. An diesem Tag brechen wir unser Fasten und haben erneut freizügig an allen Segnungen Anteil, die Allah uns gewährt hat.

Der Tag des ‘Id
Dieser Tag ist ‘Id Al-Fitr. Es ist verboten, an jenem Tag zu fasten. Es ist angeraten, sich zu bemühen, zumindest einen Bissen vor dem Feiertagsgebet zu uns zu nehmen. Das war die Praxis des Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben.

Außerdem ist das ‘Id-Gebet eine überaus empfohlene Sunna für die gesamte Gemeinschaft – Männer und Frauen, alt und jung. Jeder sollte sich bemühen, daran teilzunehmen. Umm Atijja überlieferte, wie der Gesandte Allahs, Heil und Segen auf ihm, die jungen unverheirateten Frauen, ältere Damen, diejenigen, die sich in ihre Häuser einschlossen, und die menstruierenden Frauen aufforderte, zum Feiertagsgebet hinauszugehen. Die Menstruierenden jedoch blieben jenseits des Ortes für das Gebet [Musalla, nicht die übliche Moschee, sondern üblicherweise eine Freifläche] und nahmen draußen an den Bittegebeten teil.

Jeder, der zum ‘Id-Gebet kommt, sollte eine große rituelle Ganzkörperwaschung [Ghusl] machen, bevor er oder sie kommt. Man sollte die beste Kleidung, vorzugsweise neue, anziehen. Im Falle der Männer sollten diese das beste Parfüm verwenden. Mu’adh ibn Dschabal berichtete, dass „uns der Prophet befahl, wenn wir zur Musalla kamen, die bestmögliche Kleidung zu tragen. Denn das war einer der besten Wege, unsere Freude und unser Glück zu zeigen sowie die erhaltenen Segnungen“. Das ist eine der Gelegenheiten, bei der man sich mit der Kleidung nicht zurückhalten sollte. Denn der Tag dreht sich um den Stolz auf die Gunsterweise, die wir von unserem Herrn erhalten haben.

Schließlich empfiehlt es sich, die Nacht nicht zu vernachlässigen, die dem ‘Id vorausgeht. Obschon es kein Tarawwih-Gebet in ihr gibt, ist es gut, sie mit der Erinnerung Allahs und nächtlichen Gebeten zu füllen. Der Gesandte Allahs, Segen und Frieden auf ihm, sagte hierzu: „Das Herz eines jeden, der die Nacht des ‘Ids und die Nacht in der Mitte des Scha’ban mit Leben erfüllt, wird an dem Tag nicht sterben, an dem alle Herzen sterben.“

Tipps zur Vorbereitung
Diese zehn Tage vergehen schneller als wir glauben. Es ist wichtig, dass wir sie nicht ungenutzt verstreichen lassen. Gerade viele Frauen sind damit beladen, die Familie zu versorgen, die Kinder zu bespaßen, Einladungen zu planen und auch noch den Feiertag zu organisieren. Realistische Visualisierungen der Möglichkeiten vermeiden Stress.

Im Gegensatz zu heutigen Tendenzen, die Muslimen im Rahmen im Stile mondäner Lebensberatung einen „Katalog“ verpassen wollen, sei Gelassenheit empfohlen. Ramadan ist kein Wettkampf, dessen Erfolg sich an extra-Gebeten oder Seitenzahl des Qur’an misst. Das Fasten, als existenzielle Erfahrung ist der Akt selber. Es muss nicht um jeden Preis im Wahn einer Selbstverbesserung unterzogen werden.

Kein anerkanntes Fasten ohne Zakat Al-Fitr
Ibn ‘Umar berichtete, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden auf ihm, es für jeden Muslim – frei oder abhängig, männlich oder weiblich, jung oder alt – zur Pflicht machte, die Zakat Al-Fitr zu geben. Pro abhängiger Person wie Haushaltsmitgliedern handelt es sich dabei um ein Sa’ [medinensisches Volumenmaß] an haltbaren Lebensmitteln. „Er befahl, sie zu bezahlen, bevor die Leute zum ‘Id-Gebet hinauszogen.“ Und Imam At-Tirmidhi überliefert, wie der Prophet Leute entsandte, die in jeder Straße Mekkas ausriefen, dass die Zakat Al-Fitr eine Pflicht für jeden Muslim ist.

Aus diesen Äußerungen wird deutlich, dass die Zakat Al-Fitr eine Pflicht für jeden Muslim – ungeachtet seiner sozialen Stellung, Alter, Geschlecht oder Wohlstand – ist. Ausgenommen sind nur jene, die so arm sind, dass nicht genug besitzen, um den grundlegenden Bedarf ihrer Familie zu decken. Der Kopf eines jeden Haushalts muss für jede einzelne Person bezahlen, für die er oder sie verantwortlich ist.

Haltbare Lebensmittel
Sie wird in den haltbaren Grundnahrungsmitteln des Landes gegeben, in dem man sich aufhält – wie Reis, Pasta oder Datteln. Die Bedingung ist, dass sie haltbar und lagerfähig ist. Das ist die allgemein anerkannte Position bei der malikitischen und schafi’itischen Schule. Die Hanafiten erlauben den Gebrauch von Geld. Wenn die Zakat Al-Fitr gezahlt wird, muss die Qualität der ausgehändigten Lebensmittel mindestens so gut sein wie jene, die man alltäglich konsumiert. Passender ist, die bestmögliche Qualität zu nehmen.

Die Menge, die für jede Person gegeben werden muss, ist ein Sa’ des Gesandten Allahs. Dabei handelt es sich um vier Madd, oder Handvoll, wie sie den Händen des Propheten entsprechen. Es wurde berechnet, dass es sich dabei um ca. zwei Kilogramm Reis oder Getreide handelt. Demnach bezahlt eine dreiköpfige Familie sechs Kilo haltbarer Lebensmittel usw.

In Deutschland hat es sich infolge neuer Rechtsmeinungen eingebürgert, dass Muslime stattdessen Banknoten in die Spendendosen von Moscheegemeinden werfen oder Geld an Hilfsorganisationen überweisen. Von Zeit zu Zeit sieht man auch in manchen Moscheen Mitglieder Geld, vor Beginn des Feiertagsgebets, einsammeln. Bei dieser Lösung bleiben Fragen. Erreichen die Spenden, wie es vorgesehen ist, die Empfänger am Feiertag, damit sie diese Gelegenheit erleben können, ohne sich Sorgen um ihre Versorgung machen zu müssen? Oder fließen sie in allgemeine wohltätige Zwecke oder gar in den Unterhalt von Moscheegemeinden? In Anbetracht der unzähligen Flüchtlinge in Deutschland, sowie der Suppenküchen und sogenannten Tafeln erübrigt sich das modernistische Argument, diese Lösung sei praktischer.

Die beste Zeit für die Zakat Al-Fitr liegt zwischen Beginn der Morgendämmerung am Feiertag und dessen Gebet selbst. Es ist allerdings erlaubt, sie ein oder zwei Tage zuvor zu zahlen. Letzteres erlaubt eine Verteilung der Lebensmittel vor dem Gebet.

Wer den Zeitpunkt verpasst, hat den Zeitrahmen für die Zakat Al-Fitr überschritten. Ihre Fälligkeit bleibt bestehen. Der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte: „Wenn ihr sie vor dem Gebet bezahlt, wird sie angenommen. Zahlt ihr aber nach dem Gebet, ist sie wie jede andere Spende.“ Sollte es keine lokale Autorität geben, der man sie bezahlen kann, ist es erlaubt, sie an diejenigen aus dem direkten Umfeld zu geben, die sie wirklich benötigen. Außerdem muss erwähnt werden, dass sie nur an muslimische Empfänger ausgehändigt werden kann. Wer anderen Kategorien helfen möchte, soll das tun, aber dann außerhalb der Zakat Al-Fitr.

Sie erfüllt zwei Funktionen. Erstens reinigt sie den Besitz, denn der Gesandte Allahs sage: „Soweit es die Reichen unter euch betrifft, so wird Allah sie reinigen. Und für die Armen unter euch wird Allah mehr geben, als sie gegeben haben.“ Zweitens ermöglicht sie für die Armen und Mittellosen, an der Freude des ‘Id teilzuhaben, ohne gezwungen sein zu fragen. So sagte der Prophet: „Erspart ihnen an diesem Tag die Notwendigkeit, [bettelnd] herumzugehen.“ (mit Malik Özkan und Naima B. Roberts)

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Laila Massoudi

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