IZ News Ticker

IZ-Serie: Das Lehrgedicht „Murschid Al-Mu’in“ von Ibn ‘Aschir enthält die wesentlichen Elemente des Islam. Von Dr. Asadullah Yate

Was wir über den Din wissen müssen (1)

Werbung

Angesichts der jetzigen, entwicklungsbedürftigen Lage der islamischen Bildung in Deutschland – insbesondere bei Kindern und Jugendlichen – ­stellen viele sich die Frage, woher das dafür notwendige Wissen stammen soll. Jenseits der lobenswerten Ausnahmen funktionierender wie fundierter Wissensvermittlung besteht augenblicklich vielfach ein Mix aus importierten Lehrmethoden und -inhalten einerseits und andererseits aus der Nutzung des Internets („Schaikh Google“).
Daher liegt es also nahe, zu fragen, woher wir denn unser Wissen nehmen sollen. Vielleicht hilft ein Blick auf erprobte Lehrmethoden. Dazu zählt auch die Tradition der Lehrgedichte. Diese waren früher der Vermittlung grundlegender Inhalte beispielsweise an Heranwachsende gedacht.
Ironischerweise enthalten diese aber immer noch eine solche Dichte des islamischen Wissens, wie sie bei uns nicht überall zu finden ist.
Zu den bekanntesten Werken dieser Gattungen, in denen die Lebenspraxis der Leute von Medina verständlich zusammengefasst wurde, zählt das „Al-Murschid Al-Mu’in“ des marokkanischen Gelehrten Muhammad Abdulwahid ibn ‘Aschir. Bis in die letzte Generation hinein galt es für junge Frauen aus gutem Hause in Marokko als angemessen, dass sie dieses Lehrgedicht vor ihrer Ehe auswendig beherrschen sollten.
Die in den kommenden IZ-Ausgaben veröffentlichte Übersetzung des Lehr­gedichts und die teilweise angefügten Erläuterungen sind einer anhaltenden Vortragsreihe über dieses Standardwerk entnommen.

(iz). Die Übersetzung des Titels „Al-Murschid Al-Mu’in“ von Ibn ‘Aschir bedeutet wörtlich „der rechtleitende Führer“ (Al-Murschid) und „der helfende“ (Al-Mu’in). Der Untertitel lautet „das, was hilft, die wesentlichen Elemente des Dins zu wissen“. Es stammt von dem „höchst gelehrten Abu Muhammad ‘Abdulwahid ibn ‘Aschir“.

Seine Familie stammte ursprünglich aus Andalusien, er selbst verbrachte aber den Großteil seines Lebens im marokkanischen Fes. Seine Familie stammte von den ­Ansar in Medina ab. ‘Abdulwahid ibn ‘Aschir starb im 11. Jahrhundert islamischer Zeitrechnung. Der Autor des „Murschid Al-Mu’in“ war nicht nur wegen seiner Kenntnis des islamischen Rechts bekannt, sondern auch wegen seines Wissens von der arabischen Grammatik, der Konjugation von Verben, vom Tasawwuf und vom Tafsir.

In der ersten Zeile heißt es:
„Hier spricht ‘Abdulwahid ibn ‘Aschir …“

Die Kommentatoren sagen, dass dies üblich ist, um sich selbst bekannt zu machen als Autor eines bestimmten Werkes. Ein Buch des Wissens oder eine Fatwa wird nicht anerkannt, wenn nicht auch seine Quelle bekannt ist.

1. Es beginnt mit dem Namen Allahs, des Allmächtigen.

2. Alles Lob gebührt Allah, dem Einen, der uns Wissen gelehrt hat von dem, was zu wissen Er uns auferlegte.

Das entscheidende Wort hier, Mukallaf, ist jene Person, die die Pubertät erreicht hat, geistig gesund und Muslim ist. Dadurch wird sie verpflichtet, die fünf Säulen der Schari’a zu erfüllen.

3. Dann ewiger Segen und Friede auf ­Muhammad, seiner Familien, seinen ­Gefährten, und er ist die Person, der Nachahmung gebührt.

Hier wird das Wort „Qudwa“ verwendet, und im Qur’an findet sich dazu auch der Begriff „Iswatun Hassana“. Er, der Prophet, ist das „schöne Vorbild“, dem man in allen Lebensdingen folgt.

4. Hilfe kommt von Allah, dem Glorreichen, in der Niederschrift dieser Zeilen, die dem Ungebildeten von Nutzen sind.

Um uns selbst historisch einzuordnen: Der Prophet sagte, dass die beste Generation die seinige sei, dann jene, die ihm folgt, dann die darauf folgende… Im Laufe der Zeit kommt es also immer zu einem kontinuierlichen Verlust von Wissen. Auch wenn – wie wir anmerkten – Ibn ‘Aschir diese Arbeit über „die notwendigen Elemente des Dins“ zusammengestellt hatte, so übersteigt ihr Inhalt das Wissen von vielen in der heutigen Umma.

5. Diese Zeilen sind geschrieben in der ‘Aqida [Glaubenslehre] von Al-Asch’ari, dem Fiqh von Imam Malik und in der Tariqa von Imam Al-Dschunaid, des Reisenden auf dem Weg [Salik].

Al-Asch’ari war ein Imam und ein Gelehrter, der alle notwendigen Dinge des Iman [die Elemente der Glaubenslehre, die das Unsichtbare behandeln] in einem formal nachvollziehbaren System formulierte. Er tat dies in Verteidigung des Islam gegen die von der Sekte der Mu’tazilija eindringenden Elemente.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass er sowohl die absolute Macht Allahs bestätigte, als auch zur gleichen Zeit die Freiheit des Dieners [von Allah] innerhalb dieses Rahmens.

Das Fiqh von Imam Malik, die Parameter der Schari’a, ist natürlich in dessen „Muwatta’“ und in der „Mudawwana“ enthalten. Imam Dschunaid wurde oft als der „Imam der Sufis“ beschrieben, weil dieser vollkommen ausgeglichen war. Er

war auch ein Richter, ein Rechtsgelehrter und ein Mufti. Imam Dschunaid war ein Experte der äußeren Wissenschaften und zur gleichen Zeit ein großer Sufi.

Euch gefällt der Artikel? Hier könnt ihr ihn teilen!

Facebook
Twitter
Instagram
Lade...

Wenn Sie diese Seite weiter benutzen, akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies. mehr Informationen

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Verwendung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Unsere Partner führen diese Informationen möglicherweise mit weiteren Daten zusammen, die Sie ihnen bereitgestellt haben oder die sie im Rahmen Ihrer Nutzung der Dienste gesammelt haben. Sie stimmen der Verwendung von Cookies zu, wenn Sie "Akzeptieren" klicken.

Schließen