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Jeder zweite Muslime fühlt sich in der Eidgenossenschaft ausgegrenzt

Schweiz: Erste Pilotstudie über Diskriminierung veröffentlicht

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Foto: Stephan Maurer, flickr | Lizenz: CC BY-SA 2.0

(iz). Zum Anfang des Jahres wurde eine Erhebung über Diskriminierungserfahrungen Schweizer Muslime veröffentlicht. Die Studie des Meinungsforschungsinstituts gfs.bern ag wurde 2016 vom Schweizer Ableger der Union Europäisch-Türkischer Demokraten in Auftrag gegeben. „Zur breiten Diskussion über die Situation gegenüber Politik, Behörden und Medien besteht bisher wenig Einblick in der Schweiz“, hieß in der Studien-Einleitung, die von den Demoskopen lanciert wurde.

Durchgeführt wurde sie in einer möglichst breiten Trägerschaft, um Zugang zu auskunftswilligen Personen zu schaffen. Diese Träger waren: Koordination Islamischer Organisationen Schweiz, Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich, Türkische Gemeinschaft Schweiz, Federation Islamischer Vereine Schweiz, Türkisch-Islamische Stiftung, MÜSIAD Schweiz sowie die Basler Muslimkommission. Über 5.000 Muslime gaben ihre Adressen an die Meinungsforscher , die letztendlich die Antworten von 511 Personen auswerteten. gfs-Chef Golder bezeichnete die Erhebung zwar als nicht repräsentativ, dennoch sprach seine Einrichtung von einer „Pilotstudie“. Kritiker monierten die angebliche Überrepräsentanz türkischstämmiger Muslime und von „Konservativen“.

Trotz fehlender Anerkennung und empfundener Diskriminierung als Gruppe bestätigten 78 Prozent der befragten Personen, dass sie sich als Muslime in der Schweiz als Einzelperson integriert sähen. Und 69 Prozent zeigten sich zufrieden mit dem Leben in der Eidgenoss­enschaft. Allerdings zeigten sich auch 82 Prozent überzeugt, dass Muslime weniger als Indi­viduen, sondern viel mehr als Gruppe beziehungsweise Glaubensgemeinschaft benachteiligt würden. Wie in anderen europäischen ­Ländern ist auch hier das Kopftuch ein Anker, an dem sich Diskriminierungserfahrungen festmachen. 42 Prozent der teilnehmenden Frauen stimmten der Frage zu: „Wenn ich mit dem Kopftuch in die Öffentlichkeit gehe, werde ich negativ darauf angesprochen oder gar ­beschimpft.“ Noch höher ist der Anteil der ­befragten Frauen (56 Prozent), die in der ­Öffentlichkeit wegen ihrer Kleidung körperliche Gewalt erleben mussten.

Die absolute Mehrheit der TeilnehmerInnen ist der Ansicht, dass die Schweiz in ihrer Gänze nicht genug gegen Rassismus (74 Prozent) und Islamfeindlichkeit (80 Prozent) unternehmen würde. Hingegen erlebte nur eine Minderheit der Schweizer Muslime direkt Hasskriminalität am eigenen Leibe. Zu den häufigsten Sphären, in denen die Teilnehmenden in den 12 Monaten zuvor Diskriminierungen erfuhren, gehören: Arbeitssuche, Öffentlichkeit, Berufsleben, Wohnungssuche, Verwaltung und im Bildungssektor.

Verantwortlich für die allgemeine Stimmungslage sowie ihre Erfahrungen machten die befragten Muslime insbesondere Politik und Medien. Obwohl sich 45 Prozent gerne politisch engagieren wollen und sich mehr Muslime in öffentlichen Ämtern wünschen, machten 86 Prozent einzelne Politiker für das Schüren antimuslimischer Stimmungen verantwortlich. Überhaupt nur 14 Prozent fühlen sich in der Politik als Muslime vertreten. Wesentlich größer ist das Vertrauen in und die wahrgenommene Akzeptanz durch öffentliche Organe. Hier hat eine Mehrheit aller Befragten eine positive Einstellung gegenüber Gerichten, der Polizei sowie der Lokalverwaltung. Als zweiten Hauptverantwortlichen für die gegenwärtige Stimmungslage machten Muslime die Medien aus. Beinahe drei Viertel aller Schweizer Muslime zeigten sich überzeugt, Berichterstattung würde ihr Leben negativ beeinflussen. (sw, lm)

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