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Kalender: Was macht die Zeitrechnung der Muslime aus?

Muster des Mondes

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Im Jahre 638 unserer Zeitrechnung, sechs Jahre nach dem Tod des Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, erkannte der zweite Khalif des Islam, ‘Umar ibn Al-Khattab, die Notwendigkeit eines Kalenders zur Regelung der Angelegenheit der Muslime an. Dies war zuallererst eine praktische Frage.

Der Austausch mit den zivilen und militärischen Vertretern in den neuen Gebieten des Islam musste datiert werden. Aber Persien benutzte einen anderen Kalender als Syrien, wo sich einer der Schwerpunkte des Khalifats befand. Und Ägypten wiederum verwendeten einen weiteren. Jedes dieser Zeitsysteme hat einen anderen Anfang. Die Sassaniden, die herrschende Dynastie in Persien, benutzten den 16. Juni 632, das Datum der Thronbesteigung von Yazdagird III., des letzten sassanidischen Monarchen. Syrien, welches bis zur Öffnung durch die Muslime Teil des byzantinischen Reiches war, benutzte eine Form des römischen „julianischen Kalenders“, der am 01. Oktober 312 vor unserer Zeitrechnung begann. In Ägypten kam der koptische Kalender zur Anwendung, dessen Beginn der 29. August 284 nach unserer Zeitrechnung war.

Auch wenn diese Maßsysteme des Jahres alle solar waren und sich daher an den Jahreszeiten ausrichteten und 365 Tage enthielten, verfügte jeder über ein unterschiedliches System, durch das regelmäßig Tage hinzugefügt wurden, um die Tatsache zu korrigieren, dass die tatsächliche Länge des solaren Jahres nicht 365 Tage, sondern 365,2422 Tage ist.

Im Arabien vor dem Islam wurden verschiedene Systeme zur Einteilung von Zeit verwendet. Im südlichen Arabien orientierten sich einige Kalendersysteme am Mondkalender, während andere lunisolar waren, dass heißt, sie berechneten die Monate entsprechend der Mondphasen, aber errechneten die Tage außerhalb des Mondzyklus, um den Kalender mit den Jahreszeiten zu synchronisieren. Kurz vor der Ankunft des Islam scheinen die Himjariten einen Kalender in der julianischen Form gehabt zu haben, der allerdings 110 vor unserer Zeitrechnung mit der Zählung der Tage begann. Im zentralen Arabien wurde der Verlauf des Jahres durch die Position der Sterne in Relation zum Sonnenauf- oder Sonnenuntergang bestimmt. Dabei wurde der Verlauf des Monats in 28 gleiche Teile aufgeteilt, die in Zusammenhang mit der Lokalisierung des Mondes in jeder aufeinander folgenden Nacht des Monats standen. Die Namen dieser Monate sind im islamischen Kalender bis heute erhalten geblieben. Das legt den Schluss nahe, dass es vor dem Islam eine Art von lunisolarem Kalender gab, auch wenn nicht bekannt ist, ob er jenseits von Ereignissen mit lokalem Charakter eine gesondere Jahreszählung kannte.

Es gab zwei weitere Gründe, warum ‘Umar die bestehenden Sonnenkalender verwarf. Der Qur’an (Sura Junus, 5) erwähnt, dass die Zeit durch den Mond bestimmt werden sollte. Nicht nur das, die Kalender von Persern, Syrern und Ägyptern wurden mit anderen Religionen und Kulturen identifiziert. Der Khalif entschied daher, einen Kalender zu schaffen, der genau auf die Bedürfnisse der muslimischen Gemeinschaft zugeschnitten war. Dies war ein (lunarer) Mondkalender, er sollte 12 Monate haben, jeder von ihnen mit 29 oder 30 Tagen. Dies ergab für den islamischen Kalender 354 Tage, 11 weniger als der Sonnenkalender. Der Khalif ‘Umar bestimmte als Beginn der islamischen Zeitrechnung die Hidschra, die Auswanderung des Propheten Muhammad und der Muslime von Mekka nach Medina, wo sie religiöse und politische Autonomie erlangten. Demnach fand die Hidschra am 1. Muharram 1 nach dem islamischen Kalender statt. Dieses Datum entspricht dem 16. Juli 622 nach unserer Zeitrechnung. Heute ist es im Westen üblich, das Kürzel n.H. zu verwenden (beziehungsweise AH (Anno Hegira) im englischsprachigen Raum).

Weil der islamische Mondkalender 11 Tage kürzer ist als der solare, ist er nicht mit dem Jahreszeiten synchron. Seine Feiertage, die jedes Jahr auf die gleichen Tage des lunaren Kalenders fallen, bewegen sich durch das solare Jahr. Ein vollständiger Zirkel braucht 33 Jahre. Durch diese 11-tätige Differenz zwischen Mond- und Sonnenkalender besteht die Schwierigkeit, Daten des einen in den anderen Kalender zu übertragen.

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