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Kampagne in Großbritannien soll auf die gesellschaftliche Verantwortung des Islam aufmerksam machen. Von Tasnim El-Naggar

Vom Propheten inspiriert

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(iz). Inspired by Muhammad“, „Inspiriert durch Muhammad“ – so heißt eine neue Kampagne, die im Juni in Großbritannien startete. Es ist eine positive, konstruktive Reaktion auf ein eher negatives, Besorgnis erregendes Ereignis: die „Exploring Islam Foundation“ (EIF) führte eine Umfrage zum Islamverständnis der britischen Bevölkerung durch, dessen Ergebnis für die in England lebenden Muslime recht enttäuschend war. Demnach glaubt 69 Prozent der Bevölkerung, dass Frauen im Islam unterdrückt seien und der Islam an sich keinen positiven Einfluss auf die Gesellschaft habe (50 Prozent). Nur jeweils 6 Prozent sind der Meinung, dass der Islam Gerechtigkeit und Umweltbewusstsein fördere.

Mit diesen Ergebnissen konfrontiert, hat sich die EIF etwas ganz Besonderes überlegt: seit kurzem hängen in Londons Innenstadt, an U-Bahn- und Busstationen und an Taxis große Werbeplakate in drei verschiedenen Variationen. Zum einen ist die deutsche Muslimin und ehemalige MTV-Moderatorin Kristiane Backer abgebildet, die sich, vom Propheten Muhammad inspiriert, für Umweltschutz einsetzt; ein anderes Plakat bildet den Sozialarbeiter Rupon Miah ab. Unter seinem Portrait steht: „I believe in social justice. So did Muhammad“ („Ich glaube an soziale Gerechtigkeit. Ebenso Muhammad“). Und schließlich ist da die Kopftuch tragende Anwältin Sultana Tafadar, die sich für Frauenrechte ausspricht.

Klickt man auf die Website der ­Kampagne, findet man jeweils Videos der drei sowie kurze und gut zu lesende Texte darüber, was sie in ihrem Engagement in Arbeit und Ehrenamt inspiriert hat. Sultana erzählt hier zum Beispiel, sie sei mit Blick auf eine vermeintliche Unterdrückung der Frau im Islam bereits öfter gefragt worden, ob ihr Beruf nicht dem Islam widerspreche. Sie aber sieht das überhaupt nicht so – ihr Beruf steht für sie im Einklang mit ihrer Religion; sie kann sie dadurch sogar erst recht leben und ihren Beitrag in der Gesellschaft leisten.

Auch sonst ist die Website der Kampagne äußerst anschaulich gestaltet. Neben den auf den Werbeplakaten sichtbaren Bereichen Soziale Gerechtigkeit, Frauenrechte und Umweltschutz be­schäftigt sich die Seite auch mit Wohlfahrt, Bildung, Gesundheit, Tierschutz, Menschenrechte und dem sozialen Zu­sam­menleben – alles Bereiche, die wichtig für die gesamte Gesellschaft sind und die in der Bevölkerung, wie die Umfrage bestätigte, oft Missverständnisse hervorruft. Klickt man auf einen Bereich, erscheint erst einmal links oben ein gro­ßes Zitat – ein Ausspruch des Propheten Muhammad. „Einer, der schläft, wäh­rend sein Nachbar hungert, ist nicht von uns“, steht da zum Beispiel, oder „Frauen sind ebenbürtigen Partner der Männer“ wie auch „Die besten Menschen unter uns sind solche, die anderen Menschen am nützlichsten sind“, oder „Suche nach Wissen, und sei es in China“.

Daneben wird ein Video sichtbar von Muslimen, die sich mit dem jeweiligen Thema bereits wissenschaftlich oder privat intensiv beschäftigt haben. Es erzählt dem Internet-Surfer mehr darüber, was das Thema mit dem Islam zu tun hat. Darunter ist links ein kurzes und allgemeines Statement zum jeweiligen Begriff zu finden, das einen kurzen Informationstext einleitet, durch den man einen ersten Überblick zum Thema bekommen kann. Was aber besonders hilfreich ist: Links neben dem Text gibt es eine Leiste mit Buchtipps. Falls Interesse geweckt wurde und man weiterlesen möchte, kann man hier weiterrecherchieren. Dass 60 Prozent der Befragten wenig Informationen über den Islam haben, viele von ihnen sie jedoch gerne hätten, zeigte die Umfrage; dem soll durch die Buchtipps abgeholfen werden.

Wer die neun Bereiche durchgegangen ist, ob Muslim oder Nichtmuslim, wird bereits auf bereichernde und kreative Weise mehr erfahren haben. Wer dann generelles Interesse am Islam bekommen hat, kann unten noch weitere drei Bereiche anklicken und dadurch mehr über den Islam, den Propheten oder die Muslime weltweit erfahren. Positiv ist, dass dieses allgemeine Wissen dem Surfer nicht aufgedrängt wird. Die Punkte sind durch ihr schlichtes und gleichzeitig kreatives Design durchaus sichtbar, stehen aber dennoch nicht im Vordergrund. Es sind vielmehr die genannten gesellschaftlichen Themen, um die es hier gehen soll, mit dem Ziel, über den Islam und die Muslime aufzuklären und das schief sitzende Bild über den Islam geradezurücken. „Wir wissen, dass es lange dauert, das Bild zu verändern, doch diese Kampagne kann helfen, die wahren Werte des Islam und die gesellschaftlichen Beiträge der Muslime zur britischen Gesellschaft zu vermitteln“, so die Stiftung, die sich allein aus Spenden finanziert.

Ein guter Schritt dahin ist diese Kampagne gewiss, auch wenn die Ergebnisse vorerst nicht konkret messbar sind; sie kann dazu beitragen, die britische Gesellschaft für ihre Minderheiten und ihre Botschaften für die Gesamtgesellschaft zu sensibilisieren, ebenso wie es britische Muslime an ihre Verantwortung für ihr Umfeld erinnern kann. Vielleicht kann sie darüber hinaus auch bewirken, dass in ein paar Jahren bei einer Wiederholung der Umfrage bereits die Ergebnisse zugunsten eines positiveren Islambildes ausfallen.

Webseite:
www.inspiredbymuhammad.com

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