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Kein angenommenes Fasten ohne Gebet? Nicht entmutigen, sondern motivieren!

Warum man am Gebet im Ramadan nicht verzweifeln, sondern den Monat als motivierend verstehen sollte

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wakatinawimbi.wordpress

(iz). Ein Jeder spricht von einer seelischen Ruhe, wenn er dem Internet für eine ungewohnt lange Dauer fernbleibt. Soziale Netzwerke und der, nicht immer nützliche, Informationsüberschuss bestimmen unseren Alltag. Besonders aber in der segensreichen Zeit des Ramadan ist ein Nachdenken über diese Tatsache notwendig. Zu den Besonderheiten des Fastenmonats gehört der soziale Schwerpunkt. Das Beisammensein beim Fastenbrechen und den Gebeten bildet eines der wesentlichen Element großer Weisheit unserer Tage. Längst versucht die digitale Teilhabe unsere persönliche abzulösen. Ramadanerfahrungen werden online geteilt, und gleichzeitig vielleicht weniger mit Nachbarschaft und Freundeskreis? Regeln und Ratschläge werden online gesucht, Imame und Wissende nicht mehr gefragt?

“Kein Fasten ohne Gebet”, hört man oft. Oder auch “fasten ohne beten ist hungern”. Gemeint ist, dass das Fasten im Ramadan nicht angenommen werde, wenn der Fastende seine Pflichtgebete nicht vollzieht. Jedes Jahr ist diese Norm demotivierend für Unzählige. Aus der notorischen Generation Internet, die offenbar nicht in der Tradition der Rechtsschulen und ihrer Wissensvermittlung steht, hört man dann Aussagen und Gutachten, Fatwas von randständigen Personen. Der einfache, junge Muslim ist berechtigterweise überfordert. Auf den ersten Blick, selbst auf den zweiten und dritten, ist nicht erkennbar, welcher konfessionellen Linie diese Webseiten, Facebook-Seiten und ihre Betreiber folgen. Man kann vom einfachen Muslim auch nicht erwarten, jede einzelne Seite zu analysieren. Die erfolgsversprechendste Methode wäre es wohl, das Internet als Wissensquelle zu verlassen und islamische Inhalte ausschließlich von qualifizierten Lehrern zu erlernen. Dann könnte man mit der nötigen Grundkenntnis und einer Gelassenheit, die Inhalte im Internet wahrnehmen.

Das Problem ist, dass die Falschen etwas ansprechen, wofür es Weisheit benötigt. Ich sprach für die Frage verschiedenen Gelehrten. Sie hatten gemeinsam, dass sie für einige Momente inne hielten, bevor sie mir antworteten. Und da beginnt der Unterschied. Ist die Tatsache, dass Allah die Verrichtung der Pflichtgebete voraussetzt um andere Taten anzunehmen, im Ramadan entmutigend oder ermutigend? Der erste Eindruck ist entscheidend. Für viele Muslime ist der Ramadan die ideale Zeit, sich auf ihren Glauben zu besinnen. Manchmal reicht leider aber ein schwacher Gegenwind und man verliert die Leidenschaft. Dr. Asadullah Yate, ein Gelehrter der malikitischen Rechtsschule betont, dass das Gebet durch solche Einwürfe im Ramadan wie eine Last verstanden wird, anstatt dass, was entsprechender wäre, es als für Geist und Körper notwendiger Akt wahrgenommen wird. Zudem sei eine solche Herangehensweise nicht typisch für die muslimische Bildung eines jungen Muslims. Demnach sei es lobenswert, wenn richtige Taten verrichtet würden. Man solle nicht Versäumnisse dagegen aufwiegen, sondern zur richtigen Zeit und auf die richtige Weise andere Aufgaben im Alltag etablieren.

Betrachten wir die Frage auf eine simple Weise. Das Fasten ist dem Muslim vorgeschrieben, es ist seine Pflicht. Gott lässt bekanntlich die Engel auf unseren Schultern jeweils unsere guten und schlechten Taten notieren. Unterlassen wir eine Pflicht, wird dies als schlechte Tat notiert. Es steht uns also theoretisch nicht offen, die Ausführung nach unserem Ermessen zu wählen. Führt man eine Pflicht aus, bekommt man im Regelfall eine gute Tat aufgeschrieben. Vorausgesetzt, man verrichtet sie mit der richtigen Absicht. Selbst wenige Gebete sind besser als gar keine. Nehmen wir das Beispiel des Fastenden, der seine Gebete nicht verrichtet, müssen wir feststellen, dass er mit dem Fasten definitiv das Richtige tut. Denn würde er nun demotiviert auch noch das Fasten vernachlässigen, lastete er sich weitere falsche Taten auf. Es wäre ein mehrfaches Unterlassen. Das Fasten ist hier keine unnötige Last.

Idealerweise aber sind solche Gedankenwege gar nicht notwendig, weil die Absicht die Gebete zu vollziehen vorhanden ist und ihr entsprechend gehandelt wird. Das Gebet ist im islamischen Recht, nach hanafitischer, schafiitischer und malikitischer Schule die Basis der guten Tat. Ein Sprichwort der Gelehrten lautet, dass die Ibadat, die Gottesdienste wie das Klopfen an einer Tür seien. In dem Sinne öffne Gott nur die Tür und nehme die guten Taten an, wenn man auch anklopft. Und es ist verständlich, dass Allah voraussetzt, man solle sich an Ihn wenden, wenn man möchte, dass Er die gottesdienstlichen Handlungen akzeptiert. Der Imam Ferid Heider mahnte in dieser Hinsicht an, keine extreme Haltung anzunehmen und erinnert an den Prophetenausspruch, dass kleine, regelmäßige Taten besser seien, als große Taten, die keine Regelmäßigkeit hätten.

Vernachlässigung des Gebets ist Selbstbestrafung. Dass gute Taten aber ohne Gebet nicht angenommen werden, sollte nicht ausgerechnet im Ramadan den Leuten vorgeworfen werden. Ein Hinweis auf die Wichtigkeit des Gebetes hätte auch das restliche Jahr stattfinden können. Und eben mit einer feinen Art, die Verständnis für den Gedanken hervorruft. Für die gefragten Gelehrten kann der Hinweis nicht richtig sein, wenn er beim Hörer/Leser Zweifel an der Allweisheit Allahs weckt, wonach Er als allsehender Schöpfer, die guten Taten sehe, sie aber aufgrund des vernachlässigten Gebetes nicht werte. Zunächt sei ein Verstehen der Natürlichkeit und Bedingungslosigkeit des Gebetes angebracht und warum Allah dieses zu einer unwiderruflichen Pflicht und Voraussetzung für vieles anderes machte.

Als direkteste und persönlichste Verbindung zu Allah, für Den beispielsweise auch das Fasten ist, muss das Gebet als Fundament der Beziehung des Geschöpfes zu Seinem Schöpfer erfahrbar sein. Im Einklang mit der Existenz des etablierten Gebets im Alltag des Dieners, entfaltet sich die Weisheit aller anderen Taten erst in all ihrer Fülle. Dass auch bei Vernachlässigung des Gebets, einige Lehren erlebbar sind, deutet nur auf die Gnade Allahs. Gleichzeitig ist es ein Vorgeschmack, ein Hoffnungsspender.

Der Ramadan selbst ist die ideale Zeit, das Gebet zu etablieren. Die Routine, die sonst durch das Gebet hätte hergestellt werden können, kommt durch diesen Monat. Die Atmosphäre im segensreichen Monat ist unterstützend. Es heißt, die Teufel seien in dieser Zeit angekettet. Das bedeutet, dass nur die eigene Schlechtigkeit einen negativ beeinflussen kann. Den Feind voll und ganz in sich selbst zu wissen, ist ein großer Vorteil. Welche Zeit, in der man sich selbst reflektieren und begreifen kann, könnte besser sein, um das Gebet im Alltag zu etablieren?

Wer versucht, den Ramadan richtig anzugehen, wird es leicht haben, zu beten. Regelmäßige Besuche der Moschee, das tägliche Rezitieren des Qur’an, die ausdauernde Erinnerung an Allah, die Begegnung mit Menschen, die tägliche Anstrengung und Disziplin – all das ist der beste Nährboden für die Energie des Gebetes.

Man sollte nicht verzweifeln, dass eine gute Tat nicht angenommen wird. Allah ist der Allbarmherzige. Und Er ist allwissend. Er kennt Absicht und Umtände. Man sollte handeln und Sorge tragen dafür, dass die Absicht bestmöglich ist.

 

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