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Kiel: Veranstaltungsreihe der IHg war gut besucht. Von Mounira Ghribi

"Entdecke den Islam" mit aktuellen Themen

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(iz) „Entdecke den Islam“, unter diesem Motto fand eine viertägige Veranstaltungsreihe der IHg-Kiel (Islamische Hochschulgruppe Kiel) statt. Vom 17. Mai – 20. Mai präsentierte die IHg-Kiel eine Reihe von Vorträgen und Podiumsdiskussionen und befasste sich mit drei der aktuellsten und meist diskutierten Themen in der deutschen Gesellschaft. Zu den Referenten gehörten unter anderem der Islamwissenschaftler und Religionspädagoge Dr. Ali-Özgür Özdil und die Medienwissenschaftlerin Dr. Sabine Schiffer.

Die Auftaktveranstaltung begann mit Selma Öztürk und ihrem Vortrag zum Thema „Warum ich kein Kopftuch trage?“. In ihrem etwa einstündigen Vortrag über die Probleme, Vorurteile und Hindernisse legte Frau Öztürk neben den persönlichen Schwierigkeiten vor allem auch die juristische Perspektive dar. Zu dieser Veranstaltung wurde auch eine Podiumsdiskussion angelegt, doch von den sechs eingeladenen Politkern der gängigen Parteien kam nur eine Vertreterin der GRÜNEN. So stellte sich neben Selma Öztürk und Ali-Özgür Özdil die Landtagsabgeordnete für Flüchtlings- und Migrationspolitik, Luise Amtsberg, den Fragen des Publikums. Öztürk kritisierte vor allem, wie sich Dritt-Personen das Recht nehmen zu entscheiden, ob sich eine muslimische Frau mit Kopftuch diskriminiert fühlt oder nicht. „Man kann auch mit Kopftuch eine emanzipierte, erfolgreiche und Powerfrau sein.“ Es folgte eine ausgiebige Diskussion. „Es war eine konstruktive Debatte, die wir nicht so schnell unterbrechen wollten“ begründet Younes Al-Amayra von der IHg die Überziehung.

Am Dienstag kam Dr. Ali-Özgür Özdil wieder in die Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins, um den Interessierten einen Einblick in die bisher unbefriedigende Arbeit bezüglich des Islamunterrichts an deutschen Schulen zu gewähren. Der Leiter des Islamischen Wissenschafts- und Bildungsinstituts in Hamburg ist sowohl in Hamburg als auch in Schleswig-Holstein an der Fortbildung der Lehrer für diesen Unterricht intensiv beteiligt gewesen und kennt die Umstände, mit denen dieses Programm zu kämpfen hat. Eine sehr umfangreiche Problematik wurde deutlich. Das Hauptproblem liegt vor allem darin, dass über vier Millionen Muslime und somit die größte Minderheit der Bundesrepublik nicht als Religionsgemeinschaft anerkannt wird. Zu dem brachten die in einigen Bundesländern gegründeten Runden Tisch nicht immer den erwünschten Erfolg. In Schleswig-Holstein einigte man sich trotz Scheiterns des Runden Tisches auf das Unterrichten von Islamkunde an deutschen Grundschulen. Doch die Lehrerfrage brachte neue Schwierigkeiten mit sich. Welche Anforderungen müssen sie erfüllen? Während die muslimische Seite den Lehrern das Praktizieren ihres Glaubens abverlangt, ging es dem Bildungsministerium lediglich um den „muslimischen Hintergrund“. Doch Dr. Özdil musste bei der Fortbildung in Schleswig-Holstein bald feststellen, dass die ausgewählten Lehrkräfte sich wenig bis gar nicht mit ihrem Glauben auseinander setzten. „Hier wird immer gleich gedacht, jeder Türke ist ein Muslim – unabhängig davon, ob dieser Türke überhaupt an Gott glaubt oder nicht.“ Dabei gilt beim Religionsunterricht das Trias – Lehre, Lehrer und Schüler haben dieselbe Konfession. Warum wird diese Regel beim Islamunterricht nicht berücksichtigt?

Der letzte Vortrag der Islam-Woche wurde am Mittwoch von Dr. Sabine Schiffer gehalten. Die Medienwissenschaftlerin vom Institut für Medienverantwortung (IMV) beschäftigte sich mit der medialen Bedeutung der Islamophobie. Augenscheinlich verhindert die Erinnerungskultur um den Holocaust nicht, dass der Antisemitismus weiterbesteht und andere Prägungen von Rassismus entstehen. Das Feindbild Islam und die damit verbundende Islamfeindlichkeit scheint all jene aufzuscheuchen, die sich in der rückwärtsgewandten Betrachtung der Geschichte niedergelassen haben.

Neben der historisch ausgerichteten Diskursanalyse beschäftigte sich Frau Dr. Schiffer auch mit vielen aktuellen Diskussionen. Der Fall Faruk Sen wurde ebensowenig ausgespart, wie der Nahostkonflikt, der als Punkt für Polarisierungen in seiner Funktion für die eine oder andere Argumentation mit einbezogen wurde – denn gegenseitige Ressentiments speisen sich einerseits immer aus einem wahren Kern und andererseits aus den darum herum konstruierten Mythen, Verschwörungs-theorien und Dämonisierungen, die teils Absicht sind, teils auf Fehlschlüssen beruhen. Ohne Schönfärberei, aber auch ohne Dramatisierung und dennoch äußerst interessant und spannend, trug Frau Dr. Schiffer alles Relevante zum Thema zusammen. Sie zeichnete ein menschliches Bild von Konflikten und erklärte Zusammenhänge, die letztlich auf der Hand liegen, aber oft von kontraproduktiver Aufgeregtheit überdeckt werden.

Die IHg-Kiel, die sich vor knapp einem Jahr entschied als Interessenvertreter und Ansprechpartner der muslimischen Studierenden zu dienen, ist mit dem Verlauf der Woche zufrieden. „Es kamen viele Leute, seien es Muslime oder Nicht-Muslime, jung oder alt. Wir sind zufrieden.“ Das Fazit ihrer Islam-Woche geht aus den Diskussionen und Vorträgen aller drei Tage hervor: Immer noch von großer Bedeutung ist die Aufklärungsarbeit, die vor allem von den Muslimen selbst betrieben werden sollte. Außerdem muss die deutsche Gesellschaft ihren rund vier Millionen muslimischen Mitbürgern mit Toleranz und Akzeptanz entgegentreten und mit ihnen reden.

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