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Kinderbücher: „Jeder hat seinen Platz auf der Welt“

Bücher können dabei helfen, Kindern Toleranz und Weltoffenheit näherzubringen. Von Rainer Nolte

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Foto: Designed by Freepik

Bonn (KNA). Kinder sind wie Schwämme, heißt es. Sie saugen alles auf, was ihnen begegnet. Meinungen und Einstellungen werden früh geprägt. Umso wichtiger sei es, ihnen Toleranz und Weltoffenheit nahezubringen, sagt der Berliner Psychologe Kazim Erdogan. „Das ist das A und O, damit kann nicht früh genug anfangen werden.“ Ein Weg, Kindern und Jugendlichen solche Werte zu vermitteln, seien Bücher. Viele Verlage haben Titel im Sortiment, die sich mit den Themen Flucht und Integration beschäftigen.

„Ich würde mir sehr wünschen, dass Multikulturalität, Toleranz und gegenseitige Wertschätzung bei den Kindern schon beginnt“, so Integrationsexperte Erdogan. Eltern, Kinder und Jugendliche sollten schon früh für solche Themen sensibilisiert werden. Ob die Bücher sich direkt mit Flüchtlingen oder indirekt mit Ausgrenzung und fremden Kulturen beschäftigen, sei für die Wertebildung gleich. „Jeder Weg, den man hier einschlägt, ist ein richtiger Weg“, erklärt Erdogan im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Anschaulich erzählt wird etwa die wahre Geschichte von Rahaf in „Bestimmt wird alles gut“ von Kirsten Boie (Klett, ab 6 Jahre). Der Leser erfährt darin, wie die Zehnjährige den Krieg in Syrien und die Flucht samt grausamer Schlepper erlebte. Der Horizont wird gleichzeitig durch ein kleines Deutsch-Arabisch-Lexikon im Anhang erweitert. Solche Erzählungen machen nachvollziehbar, was in den Nachrichten oft abstrakt bleibt.

Dieses Ziel verfolgt auch der Comic „Der Traum von Olympia – Die Geschichte von Samia Yusuf Omar“ (Carlsen, ab 12). Ihm liegt der Fall einer jungen somalischen Sportlerin zugrunde, die bei Olympia in Peking antrat, in ihrem Land aber keine Zukunft sah – und auf der Flucht nach Europa im Meer ertrank. Autor Reinhard Kleist erhielt für den Comic 2016 den Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis.

Mit derselben Ehrung wurde zwei Jahre zuvor „Akim rennt“ ausgezeichnet (Dubois, ab 6). Das skizzenhafte Bilderbuch erzählt mit wenig Text und eindrücklichen Bildern eine Geschichte, die das Schicksal vieler Kinder zeigt, die auf der Flucht vor Gewalt sind. Für lesefreudigere Jugendliche ist das Buch von Brigitte Blobel gedacht: In „Kein Weg zu weit. Ein Mädchen zwischen Flucht und Hoffnung“ (ab 14) wird teilweise sehr unverblümt das Leben und die Flucht von Azmera aus Eritrea geschildert – sowie die Ungerechtigkeit, die sie erleben muss.

Im Buch „Ayda, Bär und Hase“ (Hanser, ab 5) von Navid Kermani lernen Kinder, wie die fünfjährige Ayda sich in der neuen Heimat Köln zurechtfinden muss. Mit der Hilfe eines Hasen und Bären ist das persische Mädchen schließlich nur noch selten „üzüntülü“ – traurig.

Kindern kann in Büchern auch indirekt vermittelt werden, dass Anderssein nicht befremdlich sein muss. In „Frau Löwin will auf Reisen gehen“ (Arena, ab 4) kommen bei einem Geschichtenwettbewerb unterschiedliche Tiere zu Wort. Eine der bleibenden Botschaften ist: „Jeder hat seinen Platz auf der Welt!“

Oft nehmen Autoren die Tierwelt als Vorlage, um Vorurteile auszuräumen. Der kleine Schafjunge und sein Vater tun sich in „Alles Schweine, oder was?“ (Klett, ab 4) schwer damit, im Land der Schweine heimisch zu werden. Doch dann kommt es zu einem unverhofften Zusammentreffen mit Nachbar Bodo Grunz – eine witzige und erhellende Geschichte. Ähnlich verhält es sich bei „Lillemi und Wolf“ (Arena, ab 5). Bunt illustriert, heißt es darin: „‘Da unten liegt ein Wolf in deiner Hängematte!’ – ‘Er ist böse und brummig!’ – ‘Aber…’ Lillemi sah bestürzt aus. ‘Ihr kennt ihn doch gar nicht!’“

Wer weltoffen sein soll, muss die Erde in ihrer Vielfalt erst einmal kennenlernen. „Wo trinkt so mancher Esel zu viel Schnaps?“ fragt das Buch „Ich kenn ein Land, das du nicht kennst …“ (Tulpina, ab 4) – und klärt über allerlei Skurriles rund um den Globus auf. Den multikulturellen Horizont von Kindern können beispielsweise auch der „Atlas der Abenteuer“ (Klett, ab 8) und das außergewöhnliche, detailreiche Landkartenbuch „Alle Welt“ (Moritzverlag, ab 6) immens erweitern.

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