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Kindheit in der „Aktivitätskrise“

Ausreichende Bewegung bei Kindern in der Familie fördert Selbstvertrauen und ­Immunsystem

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Foto: AOK-Bundesvorstand, Jochen Tack

(iz/Agenturen). Kindern liegt Bewegung im Blut. Sie rennen, hüpfen, krabbeln, verwandeln Sofas zu Turngeräten und Treppenstufen zu Sprungbrettern. Ausreichend Bewegung – gerade bei Kindern – erscheint daher verständlich und ist lebensnotwendig. Die Sinne werden geschärft, Gleichgewichtssinn, Koordination und Reaktionsvermögen trainiert. Zu wenig Bewegung hingegen kann neben Übergewicht zu Haltungsschäden und mangelnden motorischen Fähigkeiten führen.

Mehrere Studien und eine Warnung der Weltgesundheitsorganisation lassen nun aufhorchen. Laut der AOK-Familienstudie 2018 wird sich in vielen deutschen Familien zu wenig bewegt. Das ist nicht genug. Zusätzlich verbringen Kinder, auch schon kleine, viel mehr Zeit mit Medien aller Art, anstatt zu spielen, zu toben und zu klettern. Die Erkenntnisse dieser Erhebung stellten nach Erklärung der AOK ein „klares Alarmsignal“ dar. Ein verschlechternder Faktor für diesen bedauernswerten Umstand sei der Zeitmangel vieler Eltern.

Für die Studie wurden beinahe 4.900 Familien mit Nachwuchs im Alter zwischen vier und 14 Jahren befragt. Demnach gaben mehr als 30 Prozent der Familien an, Bewegung spiele in ihrer freien Zeit keine oder nur eine geringe Rolle. Und nur weniger als die Hälfte geht täglich mit ihren Kindern zu Fuß oder fährt Rad. Ganz extrem ausgeprägt ist dieser Bewegungsmangel in Familien, bei denen die elterlichen Vorbilder entweder zu dick oder gar fettleibig sind; fast 50 Prozent aller Erziehenden.

Der repräsentativen Landzeitstudie „KiGGS“ (in die Daten von mehr als 12.000 Kindern flossen) des Robert-Koch-Instituts zufolge sind nur etwas mehr als ein Viertel aller Kinder und Jugendlichen zwischen drei und 17 Jahren täglich mindestens 60 Minuten körperlich aktiv. Dieser Richtwert entspricht einer Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Für die Gesundheitspsychologin Jutta Mata an der Universität Mannheim sei das „ein fast skandalöser Befund“. Mata arbeitete wissenschaftlich an der Studie mit. Sie meinte, im Grunde könne man von einer „Aktivitätskrise“ sprechen.

In Relation zur Abnahme der täglichen Bewegung in der relevanten Altersgruppe sieht die AOK ein weiteres Alarmzeichen: rasant gestiegene Mediennutzung. Die Mehrheit aller 4- bis 6-jährigen überschreite täglich die empfohlene Maximaldauer von 30 Minuten. Samstag und Sonntag sind es sogar 84 Prozent dieser Altersgruppe. Auch bei älteren Kindern sieht es kaum besser aus.

Nicht zu unterschätzen ist bei diesen traurigen Verhältnissen auch die Vorbildfunktion der Eltern. Nur elf Prozent gaben an, regelmäßig Sport zu treiben. Damit unterschreiten auch die Erwachsenen bei weitem die WHO-Empfehlungen. Dabei müssten, so Mata, Familien nicht einmal extra Trainingseinheiten einplanen. Sie rät, Wege zu Fuß zurückzulegen, Treppen hinauf zu laufen oder Radtouren mit den Kindern zu machen.

Für das Deutsche Kinderhilfswerk (DKHW) liegt die Ursache für den Bewegungsmangel der Heranwachsenden auch am Mangel geeigneter Spieltstätten. Das will man nun mit einem Spielraum-Förderfonds ändern, an dem auch deutsche Unternehmen wie die Firma Engelhard Arzneimittel beitragen. Mit dem Förderwerk sollen Aktionen und Ideen gefördert werden, die aktivierende und kinderfreundliche Spielorte im kinderlichen Umfeld schaffen sollen. Förderanträge mit entsprechenden Projekten können bis zum 30. September beim DKHW eingereicht werden. Bewerben können sich Vereine, Stiftungen, gemeinnützige Gesellschaften und Bürgerinitiativen.

„Selbstbestimmtes Spielen hilft Kindern, Risikokompetenzen zu erwerben und Selbstvertrauen zu gewinnen. Doch brauchen sie dafür kinderfreundliche, auf ihre Bedürfnisse abgestimmte, möglichst kreativ gestaltete Orte und nicht nur solche, die allein von Erwachsenen mit Geräten möbliert wurden“, sagte Claudia Neumann, Bereichsleiterin der Kinder- und Jugendbeteiligung beim DKHW und für den Fonds verantwortlich.

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Ali Kocaman

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