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Kommentar: Der sekundäre Streit um das Kopftuch versperrt den Blick auf das Wesentliche. Von Sulaiman Wilms

Die Wiederkehr einer ewig gleichen Frage

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(iz). Kennen sie das? Sie möchten eine CD auspacken und es bleiben Reste der Verpackung und des Stickers hängen? So geht es mir mit der unreflektierten und im Islam zweitrangigen Debatte um das Kopftuch (ich glaube, dass sich Männer hier vornehm zurückhalten sollten). Wie bei der CD ist man mit der Verpackung beschäftigt, anstatt sich dem Inhalt zuwenden zu können.

Seit Jahren versperrt diese Sekundärfrage den Blick auf wesentlichere islamische Aspekte und relevantere Fragen in den Lebenswelten von Musliminnen. Sie hat sich vor allem als einträgliche Existenzberechtigung (wie auch bei der allgemeinen, so genannten „Islamkritik“) von PublizistInnen, ExpertInnen und AktivistInnen erwiesen, die ansonsten wegen ihrer monothematischen Ausrichtung in Vergessenheit geraten würden.

Jüngst meldete sich Seyran Ates (die sich einmal mit ihrem mutigen Engagement für miss­handelte Frauen zu Recht einen Namen machte) in der „Welt“ zu Wort. Für sie seien die GRÜNEN nicht mehr wählbar, weil dort zu viele „Kopftuchträgerinnen“ (man beachte die abschätzige Terminologie!) vertreten seien. Einmal davon abgesehen, dass es sicherlich gute Gründe gibt, jene Partei nicht zu wählen, so liegt die streitbare Anwältin ­ansonsten vollkommen daneben. Zu Recht haben ihr 20 grüne Politikerinnen in einem offenen Brief deutlich geantwortet.

Es irrt hier die neokonservative Ates, die sich wie viele so genannte „Kulturmuslime“ nur noch von ihrem Ressentiment gegen prak­tizierende Muslime leiten lässt. Wie viele ­grüne Politikerinnen tragen das Kopftuch? So viele können es sicherlich nicht sein.

Als ewig Gestrige haben Ates, Schwarzer & Co. längst jede Bodenhaftung verloren. Viel Umgang mit religiösen Musliminnen ­dürften sie aufgrund ihrer offenen Abneigung ­sowieso nie gehabt haben. Wäre dem nicht so, dann würden sie – bei allem bestehenden Gruppen­zwang in Sachen Kopftuch, den es leider auch hier gibt – erkennen, dass es eine große ­Zahl von Frauen gibt, die ihrem ­Schema längst nicht entsprichen. Sehr viele toughe, dyna­mische und gebildete Musliminnen – egal, ob „Konvertitinnen“ oder mit „Migrations­hintergrund“ – würden sich kaum dem ­Stereo­typ fügen, das Seyran Ates und ­andere von ihnen sorgsam pflegen.

Es ist schade, wenn Aktivistinnen für Frauenrechte zu jenen werden, die Musliminnen für ihre religiöse Praxis verachten.

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Sulaiman Wilms

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