IZ News Ticker

Kommentar: Die Islamkonferenz ist gescheitert. Auch, weil sie „heiße“ Begriffe nicht abrüsten will. Von Khalil Breuer

Schwierige Debatte

Werbung

(iz). In schwierigen Debatten kann man sich auch schwer verheben. So liest man heute sogar in der ehrwürdigen FAZ diese bemerkenswert abstruse Logik: „Extremismus und Terror gehören zu den Gründen, warum eine Minderheit der Muslime nicht integrationswillig ist; das wiederum ist einer der Gründe für islamfeindlichen Extremismus und Terror.“ Das Zitat weist nur auf das eigentliche Dilemma um die Rolle der Muslime in Deutschland hin. Von Beginn an ist die nüchterne Auseinandersetzung um den Islam in Deutschland auch zum Bürgerkrieg der Begriffe mutiert. Eine geistige Abrüstung ist hier leider gescheitert.

„Islamismus“ ist nach wie vor eine Schnittmenge, in die wahllos harmlose Funktionäre, Orthodoxe, Moscheebesucher, aber auch Schwerverbrecher, Mörder und Kriminelle eingeordnet werden. Die Markierungshoheit ist heute eine Machtfrage um die Benennung, „wer ein so genannter Islamist ist und wer nicht“, ringen Politiker, private Verfassungsschützer, Geheimdienste und Journalisten. Viele Muslime meiden bereits die Öffentlichkeit, weil die schnelle Einordnung in die Lager des „Islamismus“ natürlich auch gefährlich sein kann. Wie kann so eine konstruktive, freiheitliche Debatte entstehen? 

Schade ist, dass das Bundesinnenministerium von Beginn an von der Idee des „guten Muslim“ als radikalem Gegensatz zu Verbrechern geprägt war. Nach der Beamtenlogik ist gut, wer möglichst wenig praktiziert, sich fortlaufend abgrenzt und im Übrigen kaum noch Inhalte hat. Das Auswahlverfahren rund um die guten „Extremisten“ war zu keinem Zeitpunkt transparent. Das Wochenmagazin „Freitag“ brachte die fatale Wirkung dieser Dialektik treffend auf den Punkt: „Den Muslimen wird indirekt suggeriert, eine Vereinbarkeit ihrer religiösen Praxis mit dem deutschen Grundgesetz sei nur zu erreichen, wenn man die Randpositionen jener politisch ausgewählten Repräsentanten übernehme und sich vom Kern der islamischen Lehre distanziere.“

Bis heute war das Ministerium übrigens recht einseitig beraten, wenn es um Strategien des Umgangs mit den Muslimen geht. Die Panikmacher, die FAZ-Kopf Bahners einst ausmachte, sind noch immer auf höchster Ebene zugegen. Die Konferenz als „Integrationsfrage“ ignoriert dabei noch immer: Die Jahre vergehen, eine große Zahl deutscher Muslime – also Muslime, die Deutsch sprechen und für die Zukunft stehen – haben mit Verlaub keine Integrationsprobleme und rufen zu Recht nach Anerkennung, möglichst in diesem Jahrhundert. 

Die Protektion einiger guter „Vorzeige-Muslime“, ganz nach den Wünschen eines Ministeriums,  hat auch Tücken. Die Chance, die absolute Mehrheit aller Muslime, in den Kampf gegen Terroristen einzubinden – wohl sogar über normale Bürgerpflichten hinaus – wurde bereits durch das ideologische Festhalten am unbestimmten „Islamismus-Tatbestand“ vertan. Nur, noch peinlich ist auch die neueste bürokratische Idee, zwischen „Islamfeindlichkeit“ und „Muslimfeindlichkeit“ zum Wohle der Gesellschaft zu unterscheiden. Hier verliert man endgültig die muslimische Intelligenz im Lande.

Ja, die DIK ist gescheitert. Hinzufügen muss man aber auch, dass dies auch für den Koordinationsrat der Muslime gilt. Dieser Zusammenschluss der Muslime hat bisher keinen Euro in eine alternative Konferenz oder in eine würdige Repräsentanz der Muslime in Berlin investiert. Das politisch motivierte Denken der Verbände zeigt sich immer wieder in dem Umstand, dass es ihnen grundsätzlich nur um die eigene Macht und die eigene Position geht. Peinlich wird es, wenn dann auch noch der NSU-Prozess zur Profilierung missbraucht wird.

Leider ist die Selbstreflektion bei vielen Verbandsfunktionären, die das Scheitern der Bundesregierung in Integrationsfragen deklarieren, nicht sehr ausgeprägt. Im Gegensatz zum Bundestag, zum ADAC oder zur Nationalelf, wo Muslime mit unterschiedlichster Herkunft längst erfolgreich integriert sind, findet man dagegen – zumindest in den „türkisch geprägten Verbänden“ – kaum deutschstämmige Muslime. Nur ein Zufall oder eben eine Zustandsbeschreibung?

The following two tabs change content below.
Avatar

Khalil Breuer

Avatar

Neueste Artikel von Khalil Breuer (alle ansehen)

Euch gefällt der Artikel? Hier könnt ihr ihn teilen!

Facebook
Twitter
Instagram
Lade...

Wenn Sie diese Seite weiter benutzen, akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies. mehr Informationen

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Verwendung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Unsere Partner führen diese Informationen möglicherweise mit weiteren Daten zusammen, die Sie ihnen bereitgestellt haben oder die sie im Rahmen Ihrer Nutzung der Dienste gesammelt haben. Sie stimmen der Verwendung von Cookies zu, wenn Sie "Akzeptieren" klicken.

Schließen