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Kommentar: Die Mehrheit hat Recht. Es gibt keine Alternative zum Abzug aus Afghanistan. Von Khalil Breuer

Der unverhältnismäßige Krieg

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(iz). Die Unverhältnismäßigkeit zieht sich wie ein roter Faden durch den so genannten “Krieg gegen den Terror”. Das jüngste Massaker am Hindukusch und dessen angeblich militärische Notwendigkeit sprechen dabei Bände. Es ist die Verhältnismäßigkeit, die staatliches Handeln und die Durchsetzung von Werten im menschlichen Rahmen hält. Wenn es am Korrektiv der Verhältnismäßigkeit mangelt, liegt der Verdacht nahe, dass diese Einschränkung möglicher staatlicher Totalität, von den politisch Verantwortlichen – also von Politikern – nicht mehr ausreichend verkörpert wird. Die Unfähigkeit Fehler einzugestehen, gehört hier ebenfalls zum Bild des neuen Berufspolitikers.

Das hölzerne Auftreten des Verteidigungsministers in der Aufarbeitung einer menschliche Tragödie belegt, dass es ihm nicht mehr um unsere Bundeswehrsoldaten, sondern am sturen Festhalten von Prinzipien geht. Auch der SPD-Kanzlerkandidat, auf dem seit der Kurnaz-Affäre bereits der Verdacht menschlicher Kälte liegt, zeigt keine ehrliche Alternative auf. Trotz der Bemühung blumiger Ideale in den zahlreichen Wahlkampfreden, macht sich die Mehrheit der Bevölkerung nichts vor: Prinzipientreue ist am Hindukusch nahezu unmöglich geworden. Hier haben sich die Interessen moderner Geopolitik, das Streben der USA nach Dominanz in Asien, die Schurkenwirtschaft der Kriegsherren und die profanen Interessen von Sicherheits- und Rüstungsindustrie längst fatal vermischt.

Das Sicherheitsargument und die romantische Vorstellung, dass unsere Soldaten die nationale Sicherheit am Hindukusch verteidigen, ist in einer globalen Welt mit ihren zahlreichen Rückzugsgebieten nicht anderes als eine Farce. Die Präsenz einer großen Armee, die wie jede Armee Alkohol, Prostitution und Übergriffe ins Land bringt, wird die Menschen im islamischen Afghanistan uns natürlich nicht näher bringen. Außerdem verleugnen die Befürworter des Einsatzes den banalen Fakt, dass keiner der global agierenden Terroristen ein Afghane war. Die Taliban sind nichts anderes als eine archaische nationalistische Bewegung, deren Frauenfeindlichkeit auch einen Muslim empören muss.

Gut und Böse ist ein politisches Unterscheidungsmerkmal, dessen Anwendung in Afghanistan immer schwerer fällt. Ob wir wollen oder nicht, in diesem Konflikt wird Freund und Feind fragwürdig, zerbrechen die Ideale. Weder sind die Bundeswehrsoldaten dabei mörderische Besatzer, noch sind alle tot am Boden liegenden Bartträger Terroristen oder Taliban. Menschlich bedenklich wäre für uns die Zementierung eines unbefragbaren Rechtfertigungsmuster, dass letztlich jedes Kriegsverbrechen rechtfertigt, so lange es gegen Taliban oder Terroristen geht. Die Politik belügt uns mit unglaubwürdigen Abzugsversprechungen, die Mehrheit Bevölkerung sollte bei ihrer Forderung bleiben: Wir müssen raus aus Afghanistan.

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Khalil Breuer

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