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Kommentar: Die Schuld des Kontakts

Wer die Definitionsmacht innehat, entscheidet über die Moralität

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Foto: Freepik

(iz). Im Frühjahr schrieb der Kulturwissenschaftler Werner Schiffbauer über Kontaktschuld: „Wem Kontakte zu mutmaßlichen Islamisten nachgesagt werden, der gerät schnell in Verdacht, selbst einer zu sein. Dieser Logik der ‘Kontaktschuld’ folgt auch der Verfassungsschutz in seinen Berichten. Das befördert eine Kultur des Misstrauens.“

Je mehr sich die Politik über das Vehikel der Religionspolitik in die muslimischen Gemeinschaften involviert (siehe S. 15), desto relevanter wird diese Technik im Umgang mit Andersdenkenden. Je häufiger und je intensiver Muslime von staatlichen Förderungen und Projektfinanzierungen abhängig werden, desto mehr dürften sie unter dem Zwang stehen, ihre „Loyalität“ beweisen zu müssen. Das mag erklären helfen, warum der seit 1994 bestehende Zentralrat der Muslime nun sein Gründungsmitglied – die Deutsche Muslimische Gemeinschaft – aufforderte, die Mitgliedschaft ruhen zu lassen, bis Vorwürfe des „Islamismus“ gerichtlich geklärt seien.

Erschwerend kommt hinzu, dass der bisherige „Islamismus“-Begriff zuletzt eine Mutation ­erfuhr. Während seine bisherige Form zurecht wegen ihrer mangelnden Trennschärfe suspekt geworden ist, gibt es nun den „legalistischen ­Islamismus“. Dieser sei laut einer Definition des Verfassungsschutzes zwar nicht-gewaltorientiert, sondern versuche, seine „extremistischen Ziele mit politischen Mitteln“ im Rahmen der bestehenden Rechtsordnung durchzusetzen.

Mithilfe einer solchen Definition kann so jeder rechtstreue muslimische Bürger – oder ein Zusammenschluss aus solchen – als „Islamist“ etikettiert werden. Es reicht der simple Kniff der Unterstellung, man wolle „Teilbereiche der Gesellschaft islamisieren“. Umso effektiver wirkt diese Assoziationstechnik, wenn die oben beschriebene Kontaktschuld ins Spiel kommt. Verständlicherweise will niemand mit „umstrittenen“ Personen und Assoziationen in Verbindung gebracht werden.

IZ-Herausgeber Abu Bakr Rieger beschreibt dieses fast dauerpräsente Phänomen wie folgt:

„Wenn X mit Y oder Z auf einem Bild erscheint, oder X mit Y oder Z diskutiert, dann ist nicht per se gegeben, dass XYZ die gleiche Meinung haben oder sich in einem Boot befinden. Das ist das 1 x 1 für Leute mit Hirn und das Gegenmittel, dass X, Y oder Z nur in Echokammern ihr eigenes Echo genießen.“

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Sulaiman Wilms

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