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Kommentar: Ein Spektakel ist noch keine Wende. Von Khalil Breuer

"Klatschen unter der Kuppel"

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(iz) Nach dem irakischen Expansionskrieg, der zehntausenden Zivilisten das Leben gekostet hat und nach grundsätzlichen Rechtsbrüchen – bis hin zur dauerhaften Etablierung von mittelalterlichen Lagern – ist es nicht besonders schwierig, sich positiv von der sagenhaften Außenpolitik eines George Bush positiv abzusetzen.

Die westlichen Medien waren sich schon Sekunden nach der Rede sicher: Die Mehrheit aller Vernünftigen, Araber und Muslime lieben und folgen nun Barack Obama. Nachfragen keine. Stattdessen ein “Seht doch, wie sie begeistert jubeln!” auf allen Kanälen. Pünktlich wie immer meldete sich auch zum Fest das Phantom, live aus der Höhle, dass mit gewohnt schlichter Rhetorik sicher stellte, dass man aus westlicher Sicht – als Araber und guter Muslim – zukünftig nur entweder für Obama oder den internationalen Terrorismus sein kann.

Der Verbündete Ägypten – in dem jedes Jahr nach Menschenrechtsberichten tausende Kritiker einfach verschwinden – hatte für die historische Rede voller freundlicher Unverbindlichkeiten den Rahmen abgesteckt. Es wurden 2.500 begeisterte, konsequent jubelnde Zuhörer organisiert. Diktatoren in der Region dürften nach der Rede gelassen bleiben. Obama – so hörte man staunend – wolle als Konsequenz geläuterter amerikanischer Außenpolitik die Demokratie in Staaten wie Ägypten vorerst nicht mit Gewalt bringen!

Sonst gab es wenig konkretes. Dafür einige Widersprüche. Einen neuen Nahostplan, wie manche arabische Stimmen gefordert hatten, legte Obama – in dem trotz der Scheinwerfer eher düster wirkenden Kuppelsaal – schon gar nicht vor. Die Logik der US-Strategie in Afghanistan und Pakistan – wieder auf dem Rücken hunderttausender Zivilisten ausgetragen – zweifelte Obama sowieso nie ernsthaft an. Die für Millionen armen kleinen Männer oder Frauen auf den arabischen oder amerikanischen Straßen wirklich interessante Frage, wie es in dieser Welt mit der aggressiven, imperialen Dollarpolitik Amerikas ökonomische Gerechtigkeit geben soll, fiel ebenfalls unter den Tisch.

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Khalil Breuer

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