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Kommentar: Freundschaft und Provokation. Gül wirkt sympathisch und souverän. Von Abu Bakr Rieger

„Alternativen“

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(iz). Der Deutschlandbesuch des türkischen Ministerpräsidenten, Abdullah Gül, ist nichts anderes als positive Werbung für die türkisch-deutschen Beziehungen. Das ist im Interesse beider Länder und gut so. Auch der Bundespräsident konnte sich bei dem Empfang des „türkischen Freundes“ profilieren. Wulff ist ein glaubwürdiger Treuhänder dieser Beziehungen geworden; hat er doch mit seiner Aussage, wonach der Islam durchaus Teil Deutschlands sei, türkische Sorgen um die faire Integration muslimischer MitbürgerInnen beruhigt. 

Gül stellte andererseits klar, dass die Beherrschung der deutschen Sprache für jeden Zuzügler die natürliche Bedingung einer erfolgreichen Existenz in unserem Land ist. Muslime, die in Deutschland geboren sind und die deutsche Sprache sprechen, sind natürlich sowieso Deutsche. Es wird Zeit, dass die hiesigen türkischen Organisationen eine entsprechende, neue Identität geben. Die beiläufige Anmerkung Güls, wonach aus türkischer Sicht der Nachzug von Ehepartnern nicht an deutschen Sprachkenntnissen scheitern sollte, ist eher eine Nuance, denn ein ernster Konflikt.

Für viele Beobachter ist die neue Türkei dennoch eine Provokation. Es ist ja auch ärgerlich: Die muslimische AK-Partei gibt erstmalig den Religionen innerhalb der Türkei ihr einstmals konfisziertes Vermögen zurück (das EU-Land Bulgarien tut dies gegenüber seiner muslimischen Minderheit übrigens nicht), demokratisiert in großen Schritten das Land und verhinderte erfolgreich einen Staatsstreich der Militärs. Jahrzehntelang haben dagegen große Teile der westlichen Intelligenz zu den diversen Formen des militanten, anti-religiösen und anti-demokratischen Säkularismus in der Türkei geschwiegen. Auch die mögliche Assoziation zwischen säkularer Ideologie und Terror wird hierzulande gerne übersehen.

Es bleibt ein historischer Fehler, die Türkei nicht mit offenen Armen und möglichst schnell in die EU aufzunehmen. Leider hat sich die CDU-Vorsitzende Angela Merkel entschieden, ihren künstlich wirkenden Konservativismus mit ein wenig Distanz zur Türkei zu garnieren. Das ist ein besonders kurioser Umstand, da die AK-Partei und die konservative Union im Grunde verwandt sind. Wie auch immer: Die Türkei kann die Kälte Berlins in der EU-Frage verkraften. Statt sich die großen Schuldenberge Europas aufzuhalsen, gibt es für das junge Land  ja genügend Alternativen. Gül warb so mit heiterer Gelassenheit um das Wohlwollen Deutschlands.

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Abu Bakr Rieger

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