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Kommentar: Kampf gegen Extremismus, aber wie? ZMD stößt eine Debatte an. Von Khalil Breuer

V-Leute unter Muslimen?

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(iz). In einem deutschen Universitätssaal machte ich vor einigen Jahren ein merkwürdige Beobachtung: In einer Diskussionsrunde hielt ein Mann aus dem Publikum plötzlich eine scharfe und polemische Rede. Danach setze er sich völlig ruhig wieder hin. Ich dachte mir still, war die Rede überhaupt echt oder handelte es sich bei dem Mann nur um einen „agent provocateurs“? Also jemand, der einmal prüft, wem diese radikale Rede im Saal gefallen könnte.

Es ist unter Muslimen ein weit verbreiteter Verdacht. Zumindest, Teile von Gruppen extremer Muslime – so der einhellige Tenor – könnten auch durch V-Leute unterwandert sein. In einigen wichtigen Fällen – so bei der Ulmer Szene und bei der so genannten „Sauerlandgruppe“ – gibt es klare Indizien, dass V-Leute entscheidende Beiträge zur Radikalisierung dieser Muslime beigetragen haben. Den Schaden hatten später Millionen Muslime im Lande, die durch eine verschwindend kleine Minderheit diskreditiert wurden.

Die mögliche Unterwanderung dieser Gruppen könnte allerdings ein riskanter Irrweg sein, wie auch das Beispiel des rechten Terrorismus in Deutschland zeigt. Der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime, Aiman Mazyek, hat nun diese Debatte aufgegriffen. In der „Süddeutschen Zeitung“ äußert er den Verdacht, „dass es auch unter den radikalislamischen Salafisten V-Leute gibt“. Mazyek warnte gleichzeitig vor dieser Entwicklung: „Hier gilt jetzt höchstes Augenmaß, damit wir nicht die gleichen Fehler wie beim Rechtsextremismus machen und am Ende mit Staatsgeld dieses Milieu mitfinanziert und aufgebaut wird.“ Mazyek forderte den Staat weiter auf, gerade nach de jüngsten Ereignissen, auch radikal-islamfeindliche Internetseiten im Interesse der öffentlichen Sicherheit zu beobachten.

Wichtiger als alle, gute gedachten staatlichen Programme wird aber sein, dass gebildete Muslime die mögliche einseitige Politisierung des Islam durchschauen. Alle Extremisten stellen ihre politischen Ziele über das islamische Recht. Das Recht schützt vor jedweder Instrumentalisierung und vermittelt jungen Muslimen Klarheit im Umgang mit Extremen – übrigens ganz egal, ob sie ein Radikaler oder ein V-Mann anspricht.

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Khalil Breuer

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