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Kommentar: Kopftuch und Sexualität

Die Bedeutung des Kopftuches kann nicht nur auf das Politische reduziert werden

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Was ist die Bedeutung des Kopftuches? Diese Frage wird heute oft vorschnell allein politisch gedeutet. Das gängige Muster ist bekannt: eine kopftuchtragende Frau will politisch sagen: „der Islam gehört in die Öffentlichkeit“, die Muslima ohne Kopftuch: „mein Islam ist privat“. Fügt man nun noch die Adjektive „liberal und fundamentalistisch“ hinzu, dann hat man eine politische Debatte, die andere Motivationen zum Tragen des Kopftuches bewusst ausschließen. Solche Debatten über Äußerlichkeiten können auch langweilen.

Islam wird in einer ganzheitlichen Welt der Bedeutungen gelebt und gedacht. Es ist heute augenscheinlich, dass die Mehrheit der jungen kopftuchtragenden Frauen dies nicht etwa tut, weil sie einer bestimmten Parteiung angehören wollen. Für viele europäische muslimische Frauen ist das „Problem Kopftuch“ eher ein Symbol für eine verdrängte Debatte um die Rolle der Frau und der Sexualität in der europäischen Gesellschaft. Das Kopftuch wird für diese Frauen zum Ausdruck der Selbstbestimmtheit der muslimischen Frau, die ihren Körper verhüllt, weil er ihr, nicht aber der Gesellschaft gehört. Hierher gehört wohl auch, dass viele Belehrungen über das Kopftuch von biederen Männern stammten, zu deren Selbstdefinition gehört, wie eine Frau eben für sie auszusehen hat.

Die heutige Dominanz des Sexuellen in der Gesellschaft beschäftigt dabei nicht nur Muslime. Auf vielen Veranstaltungen mit Muslimas zeigt sich, dass vor allem Männer über das Kopftuch plaudern wollen. Heute ist Sexualität zwar allgegenwärtig, ein offenes Gespräch über die Rolle von Sexualität aber genauso selten. Macht und Sexualität können in der westlichen und der islamischen Gesellschaft missbraucht werden. Konsum und Glauben verändern auch Ausdruck und Bedeutung von Sexualität. Wie dies geschieht, ist für beide Blickwinkel durchaus spannend.

Das Thema ruft nach echter Streitkultur. Gerade in der Debatte um Sexualität von Jugendlichen, Vernutzung von Frauen in der Werbung oder Massenprostitution können muslimische Frauen insofern durchaus gesellschaftlich mitreden. Die Übergewichtung der öffentlichen Sexualität als ein Sinnbild der Freiheit wird heute gerne romantisiert, könnte aber auch Gegenstand einer inhaltlichen, dann tieferen politischen Debatte zwischen Frauen sein. Übrigens: Egal ob sie Musliminnen sind oder nicht.

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