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Kommentar: Nach dem Mord in Dresden gelten immer noch Denkregeln, meint Khalil Breuer

Amtsdeutsch

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(iz). Im Grunde ist es eine einfache Denkregel: Individuelle Verrückte oder Einzeltäter und ihre Taten können niemals stellvertretend für eine – angeblich hinter ihnen stehende – Religion oder Kultur gesehen werden. Es ist auch logisch, dass es wohl Terroristen geben kann, die Muslime oder Christen sind, aber es keinen islamischen oder christlichen Terrorismus geben kann.

Diese Denkregeln werden, so beklagen es zumindest Vertreter der betroffenen Minderheiten, natürlich auch von auf Verkaufszahlen schielenden Medien gebrochen. So werden Exzesse in muslimischen Familien beispielsweise schnell als „Ehrenmorde“ beschrieben; bei deutschen Familien handelt es sich dagegen um ein nüchternes „Familiendrama“. Man könnte diese Taten auch einfacher einordnen: Es sind Verbrechen.

Natürlich fällt auch die Ermordung der 32-Jährigen Ägypterin Marwa ins Gewicht. Sie musste, so war es ihr denkwürdiges Schicksal, nach typischen, islamophoben Beleidigungen nochmals vor dem Landgericht erscheinen, weil die Dresdner Staatsanwaltschaft das vorherige Urteil des Amtsgerichtes gegen den Täter als zu niedrig empfand.

Die Zurückhaltung deutscher Medien in der Bewertung dieses Falles, das allgemeine Desinteresse an den Hintergründen der Tat und die geflissentliche Ausblendung des politisch-soziologischen Hintergrunds des Täters sind evident.

Auch der Politik fällt neben barockem ­Amtsdeutsch erschreckend wenig ein. Der schräge Satz „in diesem konkreten Fall ­haben wir uns mit einer Stellungnahme zurückgehalten, weil die Umstände nicht hinreichend klar gewesen sind, um eine so weitreichende politische Erklärung abzugeben“ des stellvertretenden Regierungssprechers Thomas Steg ist nicht nur bezeichnend, sondern schlicht skandalös.

Bemerkenswert ist auch der Umstand, dass ein Polizist den Ehemann des Opfers anschoss, obwohl dieser die Tat natürlich verhindern wollte. Ist dieser Irrtum ein Indiz, dass bereits in den Köpfen vieler Menschen ein Ägypter eher als potenzieller Krimineller eingestuft wird?

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Khalil Breuer

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