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Kommentar: Serie von Brandanschlägen gegen Berliner Moscheen reißt nicht ab. Von Sulaiman Wilms

Vom Ressentiment zum Verbrechen?

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(iz/Agenturen/igmg.de). Erneut ist es in Berlin zu einem Anschlag auf eine Moschee gekommen. In der Nacht zum Samstag, den 08. Januar haben Unbekannte versucht, das älteste, noch bestehende Moschegebäude Deutschlands im Stadtteil Wilmersdorf in Brand zu setzen. Glücklicherweise konnte das Feuer, das von einem Fußgänger entdeckt wurde, von Polizeibeamten gelöscht wurden. Der oder die Täter hinterließen an der Moschee eine Nachricht. Menschen kamen dabei nicht zu Schaden.

Das Verbrechen unbekannter Täter ist nicht das erste seiner Art in Berlin. Allein die repräsentative Sehitlik-Moschee am Columbia-Damm, ein als Moschee erkennbares Gebäude beim alten osmanischen Friedhof Berlins, wurde vier Mal attackiert. Hinzu kamen die An-Nur-Moschee sowie ein iranisches Kulturzentrum. Berliner Politiker wie Innensenator Körting und die gründe Bundestagsabgeordnete Künast zeigten sich betroffen.

Die Senatsverwaltung für Inneres berät nach Angaben einer Sprecherin derzeit mit der Polizei, inwieweit sich Maßnahmen zur Verhinderung der Brandanschläge ergreifen lassen. Vor zwei Wochen erklärte Körting noch, dass er “glücklicherweise noch kein Klima” sehe, in dem Moscheen permanent so geschützt werden müssten wie die jüdischen Einrichtungen in Berlin. “Ich hoffe auch nicht, dass wir ein solches Klima bekommen.”

Der derzeitige Sprecher des KRM, Erol Pürlü, zeigte sich entsetzt und besorgt über den erneuten Anschlag auf eine Moschee: “Wir verurteilen diesen feigen Anschlag auf das Schärfste. Die Serie von Übergriffen auf Moscheen muss endlich ein Ende finden. Die Täter müssen schnellstens gefasst und der Justiz gestellt werden.” Die verbrecherischen Taten könnten indes das Resultat eines angespannten gesellschaftlichen Klimas sein, glaubt Pürlü. “Daher fordern wir Politik und Gesellschaft zu mehr Wachsamkeit und Sachlichkeit auf.”

Bei einem Besuch in der Sehitlik-Moschee erklärte Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD), dass “Gewalt gegen Menschen, die ihren Glauben leben, in keiner Form” hinnehmbar sei. Er sei empört angesichts der Anschläge auf die Berliner Moscheen. “Angesichts einiger sehr harscher, öffentlicher Äußerungen gegenüber Muslimen rufen wir ausdrücklich dazu auf, verbal abzurüsten. Wer sich öffentlich äußert, muss sich der Wirkung seiner Worte und seiner Verantwortung bewusst sein”, verlautbarte Mazyek in einer Presseerklärung seines Verbands.

Da Berlins Behörden kaum handfeste Informationen über Täter und ihre Motive veröffentlichten, kann hier nur spekuliert werden. Aber, angesichts einer immer ruppiger werdenden Islamdebatte auch in so genannten “Qualitätsmedien” der deutschen Tages- und Wochenpresse, drängt sich die berechtigte Frage auf, inwieweit Medien und die auf sie – zwangsweise- reagierenden Politiker den theoretischen und emotionalen Grundstein legen, auf dem potenziell anti-muslimische Einzeltäter ihr Weltbild aufbauen.

Auch wenn es vereinfachend ist: Die öffentliche Debatte über den Islam und auch über die hiesigen Muslimen eskaliert seit 10 Jahren zusehends. Jedes Negativereignis – wie der jüngste, noch nicht aufgeklärte Anschlag auf eine Kirche im ägyptischen Alexandria – dient als weitere Eskalationsstufe im innerdeutschen Diskurs. Nicht nur Ton und Emotion haben sich verschlechtert, auch die daraus abgeleiteten – oftmals populistischen – Forderungen orientieren sich längst nicht mehr am Maßstab gesellschaftlicher oder verfassungsmäßiger Verhältnismäßigkeit.

In einer Art Feedbackschleife wirkt sich dieser Diskurs auch negativ auf die heterogene muslimische Gemeinschaft auf und befördert den bestehenden Zug ins Private und in die Atomisierung. Angesichts dieser Ereignisse wäre auch an muslimische Repräsentanten die wichtige – und bisher nicht beantwortete – Frage zu stellen, was sie zur Lösung dieses Problems beitragen können. Die rein auf politische “Anerkennung” orientierte Vorgehensweise konnte leider bisher nicht zur Verbesserung des gesellschaftlichen Binnenklimas gegenüber Muslimen beitragen. Hierfür braucht es eine konzertierte Aktion aller mehrheitsfähiger muslimischen Vereinigungen, Individuen und Medien.

Insbesondere dem letzten Bereich kommt eine hohe Bedeutung zu, dass der Großteil des gesellschaftlichen Diskurses über den Islam insbesondere in den Medien verschiedener Art geführt wird. Deutschlands Muslime – aber auch all jene, denen an einer echten Begegnung und am gesellschaftlichen Frieden gelegen ist – müssen sich gemeinsam überlegen, ob auf diesem Bereich in den letzten Jahren genug getan wurde.

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