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Kommentar: Über ein Phänomen dieser Zeit. Von Cemil Sahinöz

Die schlimmste aller Religionen

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(iz) “Alles was du besitzt, besitzt irgendwann dich.“ – Tyler Durden

Nein, es sind ja nicht alle Religionen schlecht, lieber Leser. Doch gibt es da einige besondere, die einen gesonderten Status im Attribut “schlimm“ verdient haben.

Und in meinen Augen ist keine “Religion“ schlimmer als die Religion des Neuzeit-Menschen: Der Kapitalismus!

In der Tat… Kapitalismus ist das niederträchtigste, das verlogenste, das menschenfeindlichste, was die Menschheit je hervorgebracht hat!

Da wird einem ständig und überall, von allen Seiten, befohlen: Kauf das, kauf dies, tu´ das! Das schlimme dabei ist, wir tun es auch noch wirklich!

Da wird einem vorgegaukelt, dass man sich besser fühlen wird, dass es einem besser gehen wird, dass man Freude am Leben haben wird, wenn man Produkt x kauft.

Was bitte schön, kann mir Produkt x an Lebensfreude bieten? Überlegen wir mal – welches Produkt kann uns im Leben Freude bereiten? Und es hört ja bei Produkt x nicht auf!

Wenn ein Unternehmer im Jahr 2010 20.000 Euro Umsatz macht und damit absolut zufrieden ist, ist es wiederum schlecht, wenn er im Jahr 2011 den genau gleichen Umsatz macht. Er muss ja, laut dem Kapitalismus, höher liegen als im Vorjahr… Ansonsten hat man etwas falsch gemacht. Denn der Kapitalismus-Gott befiehlt dir: Du sollst immer reicher werden!

Angenommen, man verdient im Monat 1.500 Euro brutto. Und man kommt mit diesem Geld wunderbar aus. So wird man dazu verleitet, mehr zu kaufen und damit immer mehr von Produkten abhängig zu werden. Das Geld würde plötzlich nicht mehr reichen. Man bräuchte mehr Geld. Wenn man dann aber 2.000 Euro pro Monat verdienen würde, würde man sich wieder von anderen Produkten abhängig machen, und das Geld würde wieder nicht reichen… und immer so weiter…. Nur auf diese Weise kann es ja “reiche“ Menschen geben..

Machen wir uns nichts vor: Es gibt in einer Gesellschaft nur dann reiche Menschen, wenn der Großteil der Menschen den ganzen Mist kauft und für einen Mindestlohn arbeitet.

Sie müssen für 5 Euro pro Stunde arbeiten, damit ihr Chef Millionär wird. So funktioniert die Religion “Kapitalismus“.

Nennen wir es also beim Namen: Wer andere Menschen für 5 Euro pro Stunde arbeiten lässt, ist nichts anderes als ein Sklaventreiber.

Und meine muslimischen Geschwister brauchen sich bei diesem Thema nicht heraus zu reden…

Denn obwohl es dutzende Hadithe und Ajats [Verse des Qur'an] gegen Zinsen gibt, erfinden wir täglich neue Fatwas, um doch Zinsen zu nehmen.

Eine beliebte Fatwa lautet: Wenn es eine Notwendigkeit ist und kein Luxus, dann kann man Zinsen nehmen! Hm… Hört sich eigentlich gut an. Natürlich nur, wenn man es auch wirklich so umsetzen würde.

Denn wie notwendig ist es, dass ich mir ein Haus für 200.000 Euro mit Zinsen kaufe, wo ich doch in meiner Wohnung ungestört meine Religion ausleben kann?

Oder wie notwendig ist es, dass ich mir mit 20 Jahren einen dicken BMW mit Zinsen kaufe, wo das Auto doch nur ein Fortbewegungsmittel von Punkt A nach B sein soll und kein Ego-Aufblas-Mittel?

Und das Wort “Luxus“ ist ja wohl das subjektivste was es gibt. Wo fängt Luxus an und wo hört er auf?

Eine andere sehr beliebte Fatwa lautet: Wir leben in einem nichtmuslimischen Land…. Das ist ja mal wieder ganz typisch, oder?

Da frage ich mich ganz ernsthaft, was denn bitte schön noch ein muslimisches Land in dieser globalisierten Welt ist? Gibt es dieses tatsächlich noch?

Kann man wirklich noch die Begriffe Daru'l-Harb, Daru'l-Islam, Daru'l-'Aqd usw. anwenden? Wo sind hier die Grenzen…?

Wenn die sogenannten „muslimischen Länder“ sich an das Zins-Gebot halten würden, dann sollten sie sich doch keine Sorgen um die Finanzkrise machen, oder?

Denn wenn Zakat die Brücke zwischen Arm und Reich bildet, dann sind Zinsen Dynamit für diese Brücke!

Wir alle unterstützen die Religion des Kapitalismus, indem wir Zinsen nehmen, und tragen dadurch tatkräftig zur Zerstörung dieser Brücke bei. Da brauchen wir uns nichts vorzumachen.

Ein Hadith wie: „Zinsen zu nehmen, ist schlimmer, als würde man 70 mal Geschlechtsverkehr mit der eigenen Mutter in der Ka'ba haben“ (aus der Abschiedspredigt), oder Ajats, in denen gesagt wird, dass Menschen, die Zinsen nehmen, gegen Allah und den Prophet eine Kriegserklärung ausgesprochen haben (Sure Al-Baqara, 178-179), werden nicht ernst genommen, weil man sie ganz einfach uminterpretieren kann. Denn es heiße ja „Zinsen nehmen“…

Wer ganz schlau ist, ändert einfach den Namen ab. Dann heißt es nicht mehr „Zinsen“, sondern man erfindet einfach einen neuen Namen… Geht auch ruck-zuck.

Denn das Geschäft mit den Zinsen ist ganz einfach: Man verdient nicht mehr, weil man arbeitet, sondern weil man Geld hat. Nicht für Leistung wird man bezahlt, sondern dafür, dass man Geld hat. Sie verleihen Geld und bekommen es mehrfach wieder. Dafür müssen sie nicht arbeiten.

Im Übrigen sind Zinsen im Christentum und im Judentum genauso verboten. Und mit „genauso“ meine ich, dass es verboten ist und sie es trotzdem tun. Da soll mal einer sagen, dass wir nicht alle Geschwister im Glauben sind…

Es hilft alles nichts, liebe Leser. Geld macht weder glücklich noch schafft es Intelligenz.

Das Gute an der ganzen Geschichte ist, das Allah ja im Qur'an sagt, dass Er denen Wissen geben wird, die es wollen, aber das Geld nur denen, denen Er es geben will. Ein Trost…

Denn glauben Sie mir: Wenn es anders herum wäre, bestünde die Gesellschaft aus 95 Prozent reichen Dummköpfen. Den Witz, der jetzt eigentlich kommen müsste, verkneife ich mir.

Ahoi…

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