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Kommentar von Khalil Breuer über Chancen, die muslimische Selbstorganisation der politischen Bevormundung zu entziehen

Muslimische ­Zivilgesellschaft

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(iz). Die Präsenz des Islam in Deutschland hat in den letzten Jahren auch zu neuen Organisationsformen geführt. Aus dem politischen Islam sind die Verbände hervorgegangen, die sich heute als Interessenvertretung der Muslime verstehen. Sie sind gut organisiert und in Deutschland angekommen, obwohl sie teilweise auch mit staatlichen Mitteln aus dem Ausland gefördert werden.

Auf staatlicher Ebene sollen sie gewährleisten, dass die Rechte der Muslime gehört und idealerweise respektiert werden. Die neue Islamkonferenz gibt den Verbänden eine Perspektive auf staatliche Anerkennung und damit die Aussicht auf weiteren Machtzuwachs.

Neben diesen Akteuren sind jetzt auch private Stiftungen am Ball, die, mit beachtlichem Budget ausgestattet, sich der Sache der Muslime annehmen und unter anderem eine überfällige Eliteförderung betreiben. Sie tragen dazu bei, dass talentierte Muslime zu „Stützen der Gesellschaft“ im Staat werden. Diese Initiativen sind natürlich legitim und durchaus positiv zu bewerten, wenn sie auch gemeinsam haben, dass sie tendenziell hierarchisch, also „von oben nach unten“ agieren.

Für die Balance der Verhältnisse wäre also ein Element der muslimischen Zivilgesellschaft durchaus begrüßenswert. Ihre Idee wird auch von der IZ schon länger vorgestellt. An dieser Stelle ginge es also um die Förderung einer echten, jungen, basisdemokratisch denkenden Bewegung, die dem Organisationsprinzip „von unten nach oben“ folgt. Naturgemäß kann diese Bewegung nicht von vornherein von einem Verband integriert, gestaltet oder übernommen werden, sondern muss geradezu offen, transparent, frei sein und auch nach einem freien Wahlprinzip neue Köpfe hervorbringen.

Die beteiligten Muslime müssen gemeinsam ihre ideale Organisationsform finden und bestimmen können. In dieser Bewegung könnten sich dann auch Kräfte finden, die mit guten Gründen genug haben von der Denktradition des politischen Islam und sich zum Beispiel verstärkt über soziale und ökonomische Projekte Gedanken machen. Auf diese Weise könnte ein dritter Weg, jenseits der Gesetze des Individualismus und der Bürokratie denkbar werden.

Es ist dabei nicht weiter überraschend, dass dieses Potential nicht nur gesehen, sondern auch zum Ziel politischer Machenschaften wird. In Wahrheit kann aber niemand die muslimische Zivilgesellschaft vereinnahmen. Ihr geht es ja gerade um die Einschränkung politischer Macht.

Selbstredend ist es die Idee von Stiftungen, die diesen freien Weg exemplarisch begleitet. Im Gegensatz zu Vereinsstrukturen oder sonstigen Betriebsformen entzieht sich die Stiftung gerade der politischen Bevormundung. Verantwortungsvolle Politik lässt dies im Interesse der Lebendigkeit der muslimischen Zivilgesellschaft auch zu.

Die muslimische Zivilgesellschaft wird also drauf Wert legen, dass die Sphäre der Politik nicht all ihre zivilgesellschaftlichen Aktionen von vornherein symbolisch zu vereinnahmen versucht. Sie kann überhaupt nur entstehen, wenn es dabei nicht um die Idee zentralisierter Repräsentationsmacht geht.

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Khalil Breuer

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