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Kommentar von Malik Özkan über den Einstieg des Emirats Abu Dhabi bei Daimler

Stuttgart bleibt ­christlich

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(iz). Die Harmonie zwischen den Kulturen kann so einfach sein. Wie das geht, zeigt sich ­beispielhaft in dem sonst – wenn es um die mögliche „Machtergreifung“ von Muslimen geht – so kritischen und gut überwachten ­Baden-Württemberg. Dabei hilft die ­fun­damentale Trennung in der Bewertung ­ökonomisch und politisch motivierter Vorgänge. Der von der Absatzkrise gebeutelte Autobauer Daimler hat sich flugs ein ­zweites islamisches Emirat als Großaktionär ins Haus geholt. Dafür wird der Autobauer ausdrücklich gelobt.

Die Geschäftsbeziehung des Daimler-Konzerns ist sogar für den sonst so emsigen Verfassungsschutz kein Grund, etwa eine islamistische Verschwörungstheorie zu bemühen. Etwas ganz anderes wäre es natürlich, wenn eine Moscheegemeinde Spendengelder von ­einer Monarchie annehmen würde. Miss­trauen, Skepsis und Furcht vor fremder Einflussname wären in diesem Fall natürlich an der Tagesordnung.//1r//

Das alte Stuttgart wird auch nach dem Einsatz fremder Milliarden weiter christlich bleiben. Kann es auch harmloser sein? Man will gemeinsam Elektroautos bauen und junge Leute – wenn sie denn Visa bekommen – in Stuttgart und Abu Dhabi ausbilden. Bedenkenträger gibt es keine. Die ­militärische Komponente von Daimler, die den Investoren wohl ebenfalls ­zugänglich wird, ist sowieso kein Thema. In Sachen Wirtschaftskooperation mit den islamischen Ländern ziehen so alle an einem Strang. Seit Jahren bemüht sich die Landespolitik, mehr arabische Investoren in den Südwesten zu bekommen. Geld ist eben ein­facher zu integrieren als Gastarbeiter. Im Halbjahrestakt besuchen Ministerpräsidenten die Monarchien am Golf und bitten mit Engelszungen und freundlichst um ­lukrative Wirtschaftsverträge. Kein Wort ist zu hören von der islamkritischen Politik zu Hause, noch wird von den Medien, wie bei Besuchen in China, ein einziges Wort zur Menschenrechtslage eingefordert.

Die Fakten haben eben auch beim ­Daimler-Deal ihre eigene Überzeugungskraft. Das islamische Geld sichert nämlich tausende Arbeitsplätze in Deutschland. Mit 9,1 ­Prozent steigt die Golfmonarchie Abu ­Dhabi zum wichtigsten Anteilseigner auf und ­verweist damit den treuen Aktionär ­Kuwait auf den zweiten Platz. Hier ist kein ­Hedge-Fonds am Werk. Die Hochzeit zwischen dem konservativen Musterländle und der konservativen Monarchie könnte nicht ­harmonischer ausfallen.

Auf einen Einstieg von Abu Dhabi, mit seiner islamisch orientierten Verlässlichkeit, war bereits seit Monaten gehofft worden. „Lieber die braven Muslime vom Golf als eine feindliche Übernahme durch gierige Chinesen”, hieß es in Stuttgart. Nicht nur in Stuttgart. Im Oktober hatten die ­Emirate die Mehrheit an der Dienstleistungs­­s­parte Ferrostaal des Münchener LKW-Herstellers MAN übernommen. Zu dem Konzern soll auch eine kleine Rüstungsfirma gehören. Auch in Bayern gab es – im Gegensatz zu dem großzügigen Finanzierungsangebot aus dem Emirat Sharjah, dass eine harmlose Imamschule in München finanzieren wollte – keine Probleme mit dem Investment der mächtigen Muslime. Es ging ja auch nicht um Seelen, sondern nur um Geld.

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