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Kommentar von Martin Zabel zur französischen Intervention in Mali

„An Tragik kaum zu übertreffen“

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Berlin (iz). Es ist schon paradox und an Tragik kaum zu übertreffen – französische Armeeeinheiten befreien eine Stadt, die allgemein hin als eine der wichtigsten Stätten muslimischer Gelehrsamkeit gilt. Und doch geschieht dies nicht zum ersten Mal. Im November 1979 besetzen fanatische Terroristen den heiligsten Ort des Islam, Mekka. Auch hier sind Franzosen bei der Beendigung der Geiselnahme die federführende Kraft und dienen damit letztendlich den Muslimen weltweit.

Die muslimische Gemeinschaft befindet sich in einem Zeitalter, in dem bestimmte Gruppierungen auf der Arabischen Halbinsel eine Ideologie fördern, die im weit entfernten Mali Ursache für die Unterdrückung hunderttausender Menschen ist, verantwortlich für die Zerstörung von Weltkulturerbe und jahrhundertealte Manuskripte von unschätzbarem Wert in Flammen wirft.

Als würde François Hollande die Vergangenheit der französischen Verbrechen gegen Muslime rein waschen wollen – und vielen islamischen Staaten ihre Unfähigkeit, Spaltung und Despotie direkt vor Augen führen – ließ er tausende Soldaten bedingungslos nach vorne preschen.

Innerhalb weniger Tage waren Großstädte wie Gao und Timbuktu vom Joch derjenigen befreit, die den Begriff der Scharia ebensowenig verstanden haben, wie ihre Gesinnungsgenossen in Afghanistan, Somalia oder dem Irak. In ihrer kruden Fantasie wird die islamische Religion zum Instrument der Rechtfertigung für sadistische Handlungen, Waffenschmuggel und Verbrechen, die außerhalb jeder Legitimation stehen.

Die selbsternannten Gotteskrieger von Al Qaida, Ansar Dine, Mujao und MIA haben nicht nur den marginalisierten Tuareg die Glaubwürdigkeit genommen, sondern ebenso der „Kreuzritterrhetorik“ ihrer Gesinnungsgenossen weltweit ein neues altes Feindbild verschafft – Frankreich; die ehemalige Kolonialmacht, die bisher nur unzureichende Unterstützung für ihr Eingreifen findet.

Vor allem muslimische Unterstützung ist rar, außer Truppen aus dem Tschad und angekündigter Hilfe der V.A.E kommt von hier nur Unmut. Der Präsident Ägyptens sieht in der Intervention der Franzosen eine Destabilisierung der ganzen Region. Scheinbar werden hier actio und reactio vertauscht. Gerade Mohammed Mursi sollte besser wissen, was passiert, wenn – wie im Sinai – allerlei Verblendete ungehindert ihrer Machenschaften nachgehen können.

Was auch immer noch hinter Hollandes Entscheidung steckt: Die Muslime sollten den Soldatinnen und Soldaten Frankreichs zumindest Respekt entgegenbringen – für den Einsatz ihres Lebens, für die Menschen vor Ort und für den Ort an sich. (mrz)

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