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Kommentar: Wo bleibt das vernunftgeleitete Denken? Von Morad Bouras

Die Bildungselite schafft sich ab

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(iz) Halb zehn in Deutschland, Frühstückspause in den Büros. Nein, keine Süßigkeit wird verzehrt. Zeitungen werden vernascht. Eigentlich ein überaus positives Zeichen. Die Menschen können lesen und versuchen, das Gelesene auch zu verstehen. Doch derweilen lässt sich ein Phänomen erkennen. Die fleißigen Naschkatzen verstehen den Inhalt der Zeitungen nicht mehr. Kritisches Denken findet nicht mehr statt. Es scheint, als sei das Mindesthaltbarkeitsdatum vieler Zeitungen längst überschritten. Sie leugnen die Abwesenheit vom kritischen Denken ihrer Konsumenten und wollen nicht handeln.

Nachrichtenmagazine, Journale, Zeitungen, Online-Portale und TV-Sender kennen derweil fast nur ein Thema: Den Islam, seine „dummen Muslime“ und die Integration. So scheint es, als hätte Thilo Sarrazin den wirklich allerletzten Tropfen in das Fass geführt. Das Fass ist gestrichen voll. Niemand, der auch nur ein wenig Verstand besitzt, sollte das Fass zum überlaufen bringen. Thilo Sarrazin hatte auch schon vor dem letzten Tropfen das Fass füllen dürfen. Auch gern zitierte „Islamexperten“ wie Necla Kelek, Lale Akgün, Ralph Giordano, Henryk M. Broder oder Kristina Köhler, um nur einige Namen zu nennen, durften nach Lust und Laune die volle Kelle in Richtung Fass schwingen.

In Zeiten, in denen Rassisten wie Geert Wilders von Deutschlands renommiertesten Medien als „Islamkritiker“ bezeichnet werden, diese wiederum den oben genannten „Islamexperten“ Raum zur Veröffentlichung bereitstellen, darf sich die Bildungselite die Frage stellen, ob sie das Lernen aufgegeben hat. In Wahrheit wird nie über den Islam debattiert. In keiner dieser Medien findet auch nur annähernd eine Debatte über den Islam statt. Auch die sogenannte Islamkonferenz beinhaltet einzig und allein das Wort „Islam“. Denn würde man über den Islam debattieren, hätte man öfter mal über Gott gesprochen. Die Muslime glauben an Gott. Sie gehen in die Moscheen, ob mit oder ohne Minarett, und beten zu Gott. Sie fasten, weil sie der festen Überzeugung sind, dass sie dies für Gott tun. Auch trägt die muslimische Frau das Kopftuch nicht, um den Arbeitgeber zu ärgern oder sich vor der Sonne zu schützen. Diese Tat ist von Gott auferlegt, für Gott. Gott ist der Mittelpunkt eines praktizierenden Muslims. Das erste Gebot, „Du sollst neben Mir keine anderen Götter haben“, welches schon der Prophet Moses seinem Volk verkündete, ist für den gläubigen Muslim der Kern seiner Religion.

Worüber wird also gesprochen, wenn Medien und Politiker das Wort „Islam“ in den Mund nehmen? Was ist das Ziel? Will man Menschen davon abhalten, an Gott zu glauben? Will man sie im Glauben unterstützen? Ist es ein Anliegen, dass die Religionsfreiheit weiterhin unterstützt, oder sie etwa einschränkt? Wie ist es überhaupt möglich gewesen, eine gesamte Religionsgemeinschaft – die Rede ist von ca. 1,5 Milliarden Menschen – unter Generalverdacht für „alles“ zu stellen?

Warum also schafft sich die Bildungselite ab? Sie schafft es nicht, den Islam als das zu betrachten, was er ist: als monotheistische Religion. Im Land der Pädagogik schafft sie es nicht, einen einfachen Perspektivenwechsel zu vollziehen und sich in die Lage der Muslime hineinzuversetzen. Auf der Ebene der Integrationspolitik blendet sie die komplette Historiografie der Einwanderungsgeschichte Deutschlands aus. Ja selbst auf der europäischen Bühne finden geschichtliche Ereignisse, wie die des Imperialismus, keine Beachtung in der Zuwandererpolitik. Sie driftet von einer Position der multikulturellen in eine Position einer homogenen Gesellschaft ab, und handelt damit entgegen dem Bild eines offenen und pluralistischen Deutschlands. Zu klären wäre da noch eins: Wer ist die Bildungselite? Dabei handelt es sich um Menschen, die von sich behaupten, selbstständig denken zu können. Selbstständig Denkende aus der Politik, den Medien und Institutionen, die wichtige Positionen inne haben und eben diesen Prozess hin zu einem islamophoben Deutschland unterstützen. Sei es bewusst, dann ist es ein Verbrechen, oder unbewusst, so sollten sie schnellstmöglich aufwachen.

Die Religion des Islams ist seit Jahrhunderten Teil europäischer Geschichte. Der Islam wird, solange es diese Welt noch gibt, Teil europäischer Geschichte bleiben. Ob diese Geschichte ein Drama wird, liegt teilweise, so Gott will, in den Händen dieser Bildungselite.

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